Formel 1

Ein Rückblick auf Rookies in der Formel 1 und ihre Bilanz im ersten Jahr

Zwei Rookies starten in der Formel-1-Saison 2017. Die Bilanzen ihrer Vorgänger könnten unterschiedlicher nicht sein. Ein Rückblick auf Legenden und Enttäuschte.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Mit Lance Stroll und Stoffel Vandoorne bestreiten zwei Rookies 2017 ihre erste Formel-1-Saison. Beiden wird aufgrund ihrer großen Erfolge im Nachwuchsbereich das Talent nachgesagt, die Königsklasse nachhaltig aufzumischen. Damit würden sie in prominente Fußstapfen treten. Doch nicht immer hielten Rookies dem Druck stand. Einige konnten den hohen Erwartungen und Vorleistungen keine Resultate folgen lassen. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf beide Seiten und stellt fünf erfolgreiche und fünf erfolglose Rookies in ihrem ersten Jahr vor.

Top: Emerson Fittipaldi fackelt nicht lange

Emerson Fittipaldi gewann 1970 sein viertes Formel-1-Rennen - Foto: Sutton

Emerson Fittipaldi war ein echtes Supertalent. Nach seinem Titelgewinn in der Formel 3 1969 wurde der Brasilianer ein Jahr später in das Semi-Werksteam von Lotus in der Formel 2 aufgenommen. Parallel dazu setzte Lotus in der Formel 1 ein drittes Fahrzeug neben Jochen Rindt und John Miles ein. Ab dem Großbritannien GP durfte Fittipaldi eben jenes Cockpit besetzen und wusste sofort zu überzeugen. Nach drei achtbaren Ergebnissen ließ Lotus den Italien GP sowie den folgenden Kanada GP infolge des tödlichen Unfalls von Jochen Rindt aber geschlossen aus. Beim Comeback des Teams in Watkins Glen feierte Fittipaldi, der nun zum Stammfahrer des Teams aufgestiegen war, seinen ersten Sieg. Nach drei Podestplätzen 1971 wurde er mit Lotus im Jahr darauf erstmals Weltmeister, ehe er nach einem Wechsel zu McLaren diesen Triumph 1974 nochmals wiederholen konnte.

Top: Michael Schumacher wird zum deutschen Superstar

Michael Schumacher startete 1991 in Spa für Jordan - Foto: Sutton

Als Michael Schumacher in seinen ersten Einsätzen in der Formel 1 gleich mit starker Leistung auftrumpfte, war das Erstaunen groß. Dabei war sein Talent bereits früh zu sehen. 1988 wurde er Vizemeister der Formel Ford und im gleichen Jahr Champion der Formel König, ehe er 1990 nicht nur die deutsche Formel 3 gewann, sondern ebenso auch den prestigeträchtigen Macau Grand Prix. Gefördert von Mercedes, bestritt er zudem einige Rennen in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. 1991 schlug dann seine große Stunde. Beim Belgien GP bekam er das Jordan-Cockpit von Bertrand Gachot, der im Gefängnis saß. Gleich in seinem ersten Qualifying fuhr er auf Startplatz sieben, auch wenn das Rennen für ihn nach wenigen Metern beendet war.

Angetan von dieser Vorstellung holte Benetton den aufstrebenden Deutschen ins Team, wo er dreimal in Folge als Sechster in die Punkte fuhr. In seiner ersten vollen Saison 1992 war Schumacher sofort regelmäßiger Gast auf dem Podium und feierte in Belgien zudem seinen ersten Sieg. Die Weltmeisterschaft beendete Schumacher in jenem Jahr auf dem dritten Platz. Die weitere Geschichte ist bekannt. Der Kerpener wurde 1994 erstmals Weltmeister und der erste deutsche Superstar der Formel 1.

Top: Jacques Villeneuve - Der Weltenbummler erobert die Formel 1

Jacques Villeneuve wurde 1996 auf Anhieb Vizeweltmeister... - Foto: Sutton

Europa, Japan, USA - bevor Jacques Villeneuve 1996 von Williams zum Stammpiloten der Formel 1 ernannt wurde, hatte der Kanadier schon die halbe Welt gesehen. Von 1989 bis 1991 fuhr Villeneuve mit mäßigem Erfolg in der italienischen Formel 3, eher er nach Asien ging und 1992 Vizemeister der japanischen Formel 3 wurde. Nach Platz drei in der Toyota Atlantic Championship gewann Villeneuve 1995 die IndyCar World Series. Anlass genug für Williams, den Kanadier zu verpflichten. Und Villeneuve verstand es exzellent, den erfahrenen Damon Hill unter Druck zu setzen. Er gewann vier Rennen und wurde hinter dem Briten Vizeweltmeister. Nach Hills Abgang war die Bahn für Villeneuve zum ersten Titel frei, den er sich 1997 in einem denkwürdigen Finale gegen Michael Schumacher sicherte. Danach aber ging es bergab, Villeneuve fand nie wieder ein Top-Auto und verließ die Formel 1 nach der Saison 2006.

Top: Lewis Hamilton bringt Fernando Alonso zur Weißglut

...ebenso wie Lewis Hamilton 2007 - Foto: Sutton

Elf Jahre nach Villeneuves Debüt gelang es wieder einem Fahrer, in seiner Rookie-Saison um den WM-Titel mitzufahren: Lewis Hamilton. Der Brite verfolgte jedoch eine stringente Karriere im Nachwuchsbereich. 2003 gewann er die Formel Renault 2.0, 2005 dominierte Hamilton die Formel 3 nach Belieben. Gleich in seiner ersten Saison 2006 krönte er sich zudem zum GP2-Champion. Die Zeit war gekommen, um nun auch die Formel-1-Welt zu erobern. Der Zögling von Ron Dennis bekam bei McLaren das zweite Cockpit neben dem amtierenden Doppel-Champion Fernando Alonso. Respekt oder gar Ehrfurcht kannte Hamilton jedoch nicht. Er setzte Alonso derart zu, dass dieser zeitweise die Beherrschung verlor. Beide rieben sich im Titelkampf so stark auf, dass beide leer ausgingen. Hamilton wurde immerhin Vize-Weltmeister, der erste von bislang drei Titeln folgte 2008.

Top: Alex Wurz - als Le-Mans-Sieger in die Formel 1

Alexander Wurz gewann erst in Le Mans und kam danach in die Formel 1 - Foto: Sutton

Einen eher ungewöhnlichen Weg in die Formel 1 ging Alexander Wurz. Nach den obligatorischen Titeln in der deutschen Formel Ford 1992 und der österreichischen Formel 3 im Jahr 1993, reichte es 1994 zum Vizetitel der deutschen Formel 3. 1995 schien seine Karriere jedoch ins Stocken zu geraten. In den Nachwuchsklassen lief es nicht mehr rund. Also wechselte er 1996 zu den Tourenwagen und bestritt zudem die 24 Stunden von Le Mans für Joest Racing. Und tatsächlich gelang Wurz an der Sarthe der Sieg beim ersten Auftritt! Wurz hatte sich wieder ins Schaufenster gestellt und kam 1997 zu drei Einsätzen in der Formel 1 für Benetton. Und mit Rang drei in Silverstone sorgte er erneut für Erstaunen. 1998 bekam er ein Vollzeit-Cockpit bei Benetton und schrammte mit fünf vierten Plätzen denkbar knapp am nächsten Podestplatz vorbei. Die Saison beendete er auf WM-Rang acht. An diese Konstanz aber kam er nie wieder heran.

Flop: Ricardo Zonta mit Pleiten-Saison

Ein schwerer Unfall in Brasilien kostete Zonta drei Rennen - Foto: Sutton

Eines der Beispiele, wie schrecklich der Start in die Formel 1 verlaufen kann, lieferte Ricardo Zonta. Der Brasilianer gewann 1997 die Formel 3000 und wurde 1998 als Testfahrer für McLaren verpflichtet. Neben seiner Rolle als Testpilot hielt sich Zonta in der GT-Weltmeisterschaft im Rhythmus und verhalf seinem Team Mercedes dort zum Titel. So weit, so positiv. Für 1999 unterschrieb Zonta einen Vertrag als Stammpilot bei B.A.R, und das Unheil nahm seinen Lauf. Im Training zum Brasilien GP erlitt Zonta bei einem Unfall eine Fußverletzung und musste drei Rennen aussetzen, in den elf verbleibenden Rennen sah er nur noch fünfmal die Zielflagge. Seine Rookie-Saison endete ohne Punkte. Bereits in der folgenden Saison sollte Zonta letztmals als Stammpilot in der Formel 1 unterwegs sein. Immerhin gelangen ihm mit drei sechsten Plätzen seine einzigen Punkte in der Königsklasse.

Flop: Sebastien Bourdais war kein zweiter Villeneuve

Sebastien Bourdais kam in der Formel 1 nie zurecht - Foto: Bumstead/Sutton

Sebastien Bourdais war so etwas wie ein Bilderbuch-Rennfahrer. In jungen Jahren gewann er die französische Formel 3 und im Jahr 2002 auch die Formel 3000, ehe er sich aufmachte in die große, weite Welt. In den USA erschuf er sich ein Denkmal, als er von 2004 bis 2007 viermal in Folge die Champ-Car-Serie gewann. Mit 29 Jahren geballter Lebenserfahrung erhoffte sich Toro Rosso vom Franzosen Glamour und Erfolge.

Doch in der Formel 1 kam Bourdais einfach nicht zurecht. Nach einem passablen Start mit Rang sieben in Australien wurde Bourdais vor allem in der zweiten Saisonhälfte im eigenen Team von einem gewissen Sebastian Vettel erdrückt. Bezeichnend der Italien GP, den Vettel sensationell gewann, Bourdais aber nur auf Platz 18 landete. Schlussendlich beendete der Franzose seine Rookie-Saison in der Formel 1 auf Gesamtrang 17. Auch sein zweites Jahr begann mit Rang acht in Australien ordentlich, nach zwei Ausfällen in Silverstone und am Nürburgring wurde er jedoch vor die Tür gesetzt und von Jaime Alguersuari beerbt.

Flop: Vitantonio Liuzzi - zur falschen Zeit am falschen Ort

Vitantonio Liuzzi war zur falschen Zeit bei Red Bull - Foto: Sutton

Vitantonio Liuzzi ist ein weiterer Beweis dafür, dass Erfolge in Nachwuchsserien nicht zu Top-Ergebnissen in der Formel 1 führen müssen. Nach Rang zwei in der Formel Renault 2000 im Jahr 2001, drückte Liuzzi der Formel 3000 in deren letzter Saison 2004 den Stempel auf. Mit sieben Siegen aus zehn Rennen holte er ungefährdet den Titel. Doch danach wurde es düster. Liuzzi durfte 2005 nur vier Rennen für das damals noch neue Red-Bull-Team bestreiten und hielt sich mit einem achten sowie einem neunten Platz auch wacker. Doch die Saison war für ihn danach bereits wieder beendet. 2006 wurde er als Red-Bull-Junior zu Toro Rosso gesteckt, doch die hatten gerade erst die Übernahme von Minardi hinter sich gebracht. Ein achter Platz beim USA GP verhalf ihm schließlich zum Sieg im teaminternen Duell gegen Scott Speed - nicht mehr und nicht weniger.

Flop: Luca Badoer holt nie Punkte

Im lola blieb Luca Badoer nur die Rolle des Hinterher-Fahrers - Foto: Sutton

Luca Badoer hat es bis heute geschafft, in 58 Renneinsätzen - darunter auch für Ferrari - komplett ohne Punkte zu bleiben. Dabei deutete sich dieses Schicksal 1992 gar nicht an. Mit vier Saisonsiegen holte Badoer den Titel in der Formel 3000 und bekam für die kommende Formel-1-Saison einen Vertrag bei Lola. Im Nachhinein ein großer Fehler, denn das Auto war schlicht viel zu langsam. Zweimal scheiterte er bereits an der Qualifikation für das Rennen. Dass dies nicht nur Badoers alleinige Schuld war, erkennt man beim Blick auf seinen Teamkollegen. Michele Alboreto, langjähriger Ferrari-Pilot und Vizeweltmeister 1985, konnte sich sogar fünfmal nicht für das Rennen qualifizieren. Mit Rang sieben sorgte Badoer zudem für das beste Teamergebnis der Saison. Seine weitere Karriere aber schien wie von einem Fluch befallen.

Flop: Pastor Maldonado - Sie nannten ihn 'Crashtor'

2011 bestritt Pastor Maldonado seine erste Saison für Williams - Foto: Sutton

Ja, auch Pastor Maldonado war ein in den Nachwuchsserien äußerst erfolgreicher Fahrer, der als Rookie in der Formel 1 aber komplett blass blieb. Nach dem Sieg in der Formel Renault 2.0 im Jahr 2004 und Rang drei in der Formel Renault 3.5 zwei Jahre später, ging es für den Venezolaner 2007 in die GP2. Dort benötigte er aber einige Zeit, um anzukommen. Erst 2010 gelang ihm der Titelgewinn. Schon damals war er bekannt für seine rabiate Fahrweise, die er auch in der Formel 1 nicht ablegte. Dorthin kam er nämlich 2011 - auch dank einiger Millionen aus der heimischen Öl-Industrie. Auf der Strecke hatte er gegen seinen Teamkollegen Rubens Barrichello meistens das Nachsehen, nur in Belgien kam Maldonado in die Punkte. Vielmehr deutete er bei diversen Unfällen bereits sein 'Potential' für viel Kleinholz an, welches er in den kommenden Jahren mehrfach zur Schau stellte. Doch eines kann ihm keiner mehr nehmen: Beim Spanien GP 2012 fuhr Maldonado zum Sieg.

Welche Rookies fallen euch noch ein? Vertretet ihr eine andere Ansicht? Und was denkt ihr überhaupt über Lance Stroll und Stoffel Vandoorne? Wir freuen uns über eure Kommentare und eure Teilnahme an der Umfrage.


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter