Exklusiv
Formel 1

Danner spricht Klartext: Brauche keinen Superbowl

Neue F1-Führung, alles gut? Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner springt nicht auf die Euphoriewelle auf.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Wie ist Ihrer persönlichen Meinung nach die Übernahme von Liberty Media für die Zukunft der Formel 1 zu bewerten?
Christian Danner: Es ist viel zu früh, solche Dinge zu bewerten. Auch deshalb, weil ich mir nicht so sicher bin, ob das alles so abgeschlossen ist, wie es kommuniziert wird. Es ist eher etwas für den Wirtschafts-Teil der Zeitung, deshalb bin ich hier auch kein Experte. Ich persönlich nehme das alles zur Kenntnis und warte ab, wie die Puzzle-Teilchen so fallen, wenn sich der Rauch mal gelegt hat und die Lage klarer ist. Abwarten und Tee trinken.

Wenn wir von der finanziellen Schiene weggehen und auf die Führung blicken: Ist es gut für die Formel 1, dass Bernie Ecclestone weg ist?
Christian Danner: Ich weiß es nicht. Ich weiß es deshalb nicht, weil wir Kaffeesatzleserei betreiben. Ich kenne aus diesem Triumvirat logischerweise nur einen persönlich: Ross Brawn. Das formulierte Ziele, zwanzig Superbowl-Events zu machen, nehme ich zur Kenntnis aber sage: Ich brauche keinen Superbowl, denn ich bin mit einem normalen Grand Prix ganz zufrieden. Ich brauche keinen Superbowl! Das ist mir viel zu viel.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie Ross Brawn das strukturieren wird. Ross ist ein höchst kompetenter Mann, der nicht nur für die Großen wie Ferrari oder Mercedes gearbeitet hat, sondern auch die kleinen Teams bestens kennt. Vor allem natürlich aus 2009 mit Brawn GP. Deshalb wird das Thema Budget-Obergrenze spannend, welche Konzepte er hier in der Schublade hat. Er ist ein Mann, der weiß, wie man mit der Großwetterlage in der Formel 1 umgehen muss. Das wissen die anderen beiden wahrscheinlich (noch) nicht, aber vielleicht sind sie brillant und lassen Ross machen und können in Sachen Vermarktung mehr Geld eintreiben.

Ecc-xit! Ecclestones F1-Aus ein Fluch oder Segen?: (13:47 Min.)

Aber zum Ziel, dass mehr Geld verdient werden muss: Das gilt für mich auch. Es ist besser, wenn mein Konto besser gefüllt ist. Und das ist bei dir vermutlich ähnlich. So gesehen sind wir uns einig. Die Frage ist immer wie. Aber warten wir ab. Aktuell bin ich ganz entspannt, denn das Tagesgeschäft werden sie nicht auseinanderbrechen lassen, denn davon leben sie ja - das bestimmt den Wert ihrer Firma. Deswegen gehe ich davon aus, dass kurzfristig erst einmal gar nichts passiert. Der Rest ist reine Spekulation. Bei allem muss man immer bedenken: Der kommerzielle Rechteinhaber ist in erster Linie nicht für das Reglement zuständig, dafür gibt es die FIA und verschiedene Gremien.

Das Ziel, die Geldverteilung gerechter zu gestalten, hört sich schön an, aber ist das realistisch?
Christian Danner: Ja, aber erst ab 2020.

Aber kommt dann nicht Ferrari und sagt: Tschüss, ohne Bonus-Zahlungen sind wir weg?
Christian Danner: Dann sollen sie gehen. Da muss man knallhart sagen: Wenn du die Bühne, die wir dir bauen, nicht haben willst, dann geh nach Le Mans, wo dich keiner wahrnimmt. Die Grundproblematik ist immer die gleiche: Die großen Teams wollen mehr als die kleinen, die kleinen Teams wollen genauso viel wie die Großen. Die Hersteller sagen, wir machen unser eigenes Ding, weil wir dann besser zur Geltung kommen. Und du brauchst irgendeine Institution, die das ganze Durcheinander unter Kontrolle hält. Das hat bislang Bernie in Personalunion gemacht. Ob die drei das so hinbekommen, wie sie es sich vorstellen, werden wir sehen.

Wenn du die Bühne, die wir dir bauen, nicht haben willst, dann geh nach Le Mans, wo dich keiner wahrnimmt.
Danner über Ferrari

Aber das angesprochene Problem stimmt natürlich: Ferrari wird mit Ausstieg drohen, Mercedes argumentiert mit dem Namen Mercedes und der Historie, in der Formel 1 seit 1955 dabei zu sein und Renault sagt, dass es ohne sie nicht genügend Motoren geben wird - und so weiter. Da wird jeder jedes nur erdenkliche Druckmittel auspacken und versuchen, es zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Und deshalb habe ich bei Ross ein gutes Gefühl: Bevor die Teams Forderungen stellen, muss man sagen: So ist es und du kannst so viel Geld gar nicht ausgeben. Hier darf gar nicht diskutiert, sondern vorher schon Klarheit geschafft werden. Ob das klappt, weiß ich nicht. Ob die drei das können, weiß ich auch nicht.

War's das jetzt eigentlich endgültig für Bernie Ecclestone?
Christian Danner: Das ist die nächste Frage! Die Äußerungen, die man von Bernie lesen konnte, waren doch nicht Bernie! Wieso soll ein Mann, der 86 Jahre lange immer derselbe war, wieso soll der jetzt auf einmal sagen: Dann bin ich eben weg und so einen komischen Titel haben sie mir auch gegeben? Sorry, aber das ist nicht Bernie. Da würde es mich nicht wundern, wenn irgendwo aus dem Hinterhalt doch noch irgendwie ein Schuss fällt und die ganze Situation dann auf einmal doch wieder ganz anders aussieht.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter