Formel 1

Williams vs. Toyota - Klarer Sieg für Weiß-Blau

Während der Geheimfavorit Toyota sich selbst das ein oder andere Bein stellte, profitierte BMW-Williams vom Rennverlauf und der Strategie.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Vor dem Rennwochenende gab es bezüglich des Toyota Teams zwei Einschätzungen: Die eine sah sie aufgrund der Streckencharakteristik ähnliche Probleme wie in Imola erleben, die andere machte sie zu dank der ansteigenden Formkurve und der Qualifying-Stärke von Jarno Trulli zu einer Art Geheimfavorit für das überholfeindliche Leitplankenlabyrinth. Bei BMW-Williams sahen die Vorhersagen hingegen von Anfang an alles andere als rosig aus.

Doch dann kam der Samstag, an dem das Rennwochenende für Ralf Schumacher endgültig verpatzt wurde und die beiden Weiß-Blauen erstmals zeigten, dass sie durchaus als Punkteanwärter anzusehen sein müssen.

Das ist mein bestes F1-Ergebnis!
Nick Heidfeld

Im Rennen gingen Nick Heidfeld und Mark Webber dann sogar noch einen Schritt weiter und sorgten sie mit ihrer doppelten Podiumsankunft für jene Überraschung, die vor dem Wochenende eher Toyota zugetraut wurde.

"Ich freue mich riesig über diesen zweiten Platz! Das ist mein bisher bestes F1-Ergebnis", strahlte Nick Heidfeld nach Rang zwei auf seiner Lieblingsstrecke. "Das in Monaco zu erreichen, ist besonders toll."

"Mein Start war sehr gut, ich habe Mark in der ersten Kurve sogar leicht berührt, zum Glück ist dabei nichts passiert. Dann steckte ich genau wie Mark und einige andere Fahrer hinter Trulli fest. Ich habe mich bemüht, Benzin zu sparen und die Reifen zu schonen. Als das Safety Car auf die Strecke kam, hat das Team super reagiert und uns sofort an die Box geholt. Später hatte ich Glück, weil das Team entschieden hat, mich etwas früher zu meinem zweiten Stopp reinzuholen. So kam ich an Mark vorbei."

Und dies war der Grundstein für Nicks zweiten Platz. Denn nun konnte er sich an den mit Reifenproblemen kämpfenden Fernando Alonso herankämpfen und diesen letztlich auch überholen. "Viele Fahrer schienen große Probleme mit ihren Reifen zu haben. Wir nicht. Als ich am Ende freie Fahrt hatte, konnte ich noch einmal alles geben. Ich habe Alonso mit seinen abgefahrenen Reifen ein paar Runden lang beobachtet und mir dann die beste Stelle zum Überholen ausgesucht. Er hat sich gut verteidigt, aber ich konnte ihn ausbremsen."

Während Nick seinen ersten zweiten Platz und seinen dritten Podestplatz insgesamt feierte, stand sein australischer Teampartner zum ersten Mal auf dem Stockerl- "Dies ist mein erster Podiumsplatz in der Formel 1, und ich freue mich, dass wir nach einem schwierigen Saisonstart hier gleich zu zweit das Team vertreten. Beim Test in Vallelunga haben wir in der vergangenen Woche intensiv Reifen getestet, und das hat sich ausgezahlt. McLaren war extrem stark, aber wir waren am dichtesten dran."

McLaren war extrem stark. Wir waren am dichtesten dran.
Mark Webber

Noch dichter war Webber aber an Fernando Alonso dran, für den er allerdings mehrere Überholanläufe benötigte. "Nachdem Nick Alonso überholt hatte, wollte der das natürlich nicht noch einmal mit sich machen lassen. Es war hart, aber es ist mir doch gelungen, an ihm vorbeizukommen. Wir waren heute stark und zuverlässig. Ich hätte nur gerne etwas mehr freie Fahrt gehabt."

Eie solche freie Fahrt hatte Ralf Schumacher von Beginn an nicht. Schließlich musste er nach seinem Qualifying-Unfall und seiner Zeitstrafe vom Donnerstag als Letzter ins Rennen gehen. "Es ist eine Schande, denn ohne den Fehler am Samstag hätte ich noch mehr Punkte holen können", trauerte Ralf trotz seiner starken Aufholjagd auf Platz sechs sogar noch größeren Weihen nach. "Es war etwas schwierig die beiden Ferrari hinter mir zu haben und dann crashte ich beinahe mit Michael. Dennoch ist es großartig drei Punkte geholt zu haben."

Leer ging hingegen der in aussichtsreicherer Position gestartete Toyota-Pilot Jarno Trulli aus. "Wir waren auf einer Einstoppstrategie, weswegen ich 100% gab. Leider blieb ich nach meinem Boxenstopp für die Hälfte des Rennens hinter Fisichella hängen, der Reifenprobleme hatte. Deshalb verlor ich meinen Platz an die beiden Williams."

Ohne den Samstag hätte ich noch mehr Punkte holen können.
Ralf Schumacher

Beim Versuch einen Fehler seines Renault-Landsmannes in der Mirabeau auszunutzen, kam es dann zu einer folgenschweren Aktion: "Ich konnte ihn in der Loews Haarnadel überholen, aber ich schlug hart auf den Kerbs auf, weshalb das Auto nicht mehr ausbalanciert war." Auf diese Weise fiel Jarno komplett aus den Punkterängen heraus.

Für seinen Teamchef war es somit ein Rennen voller gemischter Gefühle. "Es war ein sehr gutes Rennen von Ralf und es ist ein sehr verdientes Ergebnis", so Teamboss Tsutomu Tomita. "Jarno hatte hingegen viel Pech. Es ist eine Schande, dass er die Punkteränge verpasst hat."

Denn nun ist nicht nur McLaren an den Weiß-Roten in der Konstrukteurswertung vorbeigezogen, sondern nähert sich jetzt auch BMW-Williams mit großen Schritten.

"Es war phantastisch, Nick und Mark Seite an Seite auf dem Podium zu sehen", freute sich Williams-Technikchef Sam Michael. "Wir hatten hier einen Reifen, der perfekt zu dieser Strecke gepasst hat. Monaco belohnt Autos, die viel Abtrieb entwickeln und mit denen man reifenschonend fahren kann. Wir waren heute klar am nächsten dran an McLaren."

Dennoch war es für Mario Theissen "ein Monaco-Rennen mit Höhen und Tiefen, wie es sie nur hier geben kann". "Beide Fahrer sind fast über die gesamte Renndistanz von langsameren Fahrzeugen aufgehalten worden, so dass die Überholmanöver kurz vor Schluss wie ein Befreiungsschlag waren." Trotzdem sieht der BMW-Motorsportdirektor die Situation realistisch: "Nach meiner Einschätzung war der McLaren heute absolut überlegen. Kimi war heute sicher nicht zu holen. Bei den Renaults habe ich das Gefühl, dass sie von der Grundschnelligkeit nach wie vor vor uns sind. Sie haben sich aber offensichtlich mit den Reifen völlig verspekuliert."


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