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Formel 1 / Historisches

Nico Rosberg in guter Gesellschaft - Knapp daneben: Die Vize-Weltmeister der F1

Nico Rosberg steht seit dem Brasilien GP erneut als Vize-Weltmeister fest. Damit befindet sich der Deutsche in guter Gesellschaft.
von Philipp Schajer

Motorsport-Magazin.com - Der Zweite ist der erste Verlierer. Dieser Spruch ist gleichermaßen hart wie treffend, schließlich zählt in einem Hochleistungssport wie der Formel 1 in erster Linie der Platz an der Sonne. Seit dem Brasilien GP steht Nico Rosberg zum zweiten Mal als Vize-Weltmeister fest. Motorsport-Magazin.com wirft einen Blick in die Geschichtsbücher der Königsklasse und zeigt auf, dass sich der Deutsche damit in durchaus guter Gesellschaft befindet.

Stirling Moss - 4 Vize-Weltmeisterschaften

Stirling Moss verpasste den Titel 1958 um einen Punkt - Foto: Sutton

Stirling Moss war einer der prägenden Piloten in der Frühphase der Formel-1-Weltmeisterschaft, zu Titelehren kam der Brite allerdings nie. Moss wurde von 1955 bis 1958 durchgehend Vize-Weltmeister und schrammte am großen Wurf einmal nur hauchdünn und ob der eigenen Courage vorbei. 1958 setzte er sich für seinen Rivalen Mike Hawthorn ein, der beim Portugal GP disqualifiziert werden sollte, was aufgrund von Moss' Initiative aber doch nicht geschah und zur Folge hatte, dass Hawthorn in der Endabrechnung einen Punkt vor ihm lag. Moss gewann in dieser Saison vier Rennen, Hawthorn nur eines, dennoch hatte er das Nachsehen.

Alain Prost - 4

1990 kam es zwischen Alain Prost und Ayrton Senna zum Crash - Foto: Sutton

Ebenfalls vier Mal wurde Alain Prost Vize-Weltmeister. Im Frühstadium seiner Karriere musste sich der Franzose 1983 Nelson Piquet und 1984 Niki Lauda geschlagen geben, 1988 und 1990 hatte er gegen seinen Erzrivalen Ayrton Senna das Nachsehen. 1990 kam es beim Großen Preis von Japan zur Kollision zwischen Prost und Senna, was den Brasilianer zum Champion machte. Es war die Neuauflage des Unfalls im Jahr zuvor, der damals Prost einen seiner insgesamt vier Titel beschert hatte.

Graham Hill - 3

1964 wurden Graham Hill die Streichresultate zum Verhängnis - Foto: Sutton

Graham Hill krönte sich 1962 und 1968 zum Weltmeister; 1963, 1964 und 1965 musste er sich jeweils mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Denkwürdig war die Entscheidung 1964: Hätte es keine Streichresultate gegeben, hätte Hill einen Punkt mehr als John Surtees auf dem Konto gehabt. Da jedoch nur die sechs besten Resultate in die Wertung einflossen und Surtees exakt so oft das Ziel sah, während bei Hill sieben Ergebnisse zu Buche standen, musste er sich seinem Landsmann um einen Zähler geschlagen geben.

Nigel Mansell - 3

1986 musste Nigel Mansell Alain Prost den Vortritt lassen - Foto: Sutton

Ehe Nigel Mansell 1992 zu Weltmeisterehren kam, musste sich der Löwe, wie sein Spitzname lautete, drei Mal mit dem Vize-Titel begnügen. 1986 scheiterte Mansell um zwei Punkte an Alain Prost; 1987 und 1991, als er sich Nelson Piquet respektive Ayrton Senna geschlagen geben musste, fiel die Entscheidung hingegen relativ deutlich aus.

Fernando Alonso - 3

Fernando Alonso verzweifelte 2010 an Vitaly Petrov - Foto: Sutton

Nach seinen beiden Titeln mit Renault in den Jahren 2005 und 2006 hatte Fernando Alonso ein großes Ziel: Weltmeister mit Ferrari zu werden. Der Traum vom Titel in Rot blieb dem Spanier jedoch verwehrt, und stets war es Sebastian Vettel, der die Nase vorne hatte. Besonders ungern dürfte sich Alonso an das WM-Finale 2010 in Abu Dhabi erinnern, zu dem er als Führender angereist war. Weil Vettel jedoch gewann, während er einfach nicht an Vitaly Petrov vorbeikam und nur Sechster wurde, wendete sich das Blatt zu Ungunsten des Spaniers. Auch 2012 war es knapp, Vettel rettete einen Vorsprung von drei Punkten ins Ziel. Rein gar nichts zu bestellen gab es für Alonso hingegen 2013, unglaubliche 155 Punkte fehlten ihm in der Endabrechnung.

Juan Manuel Fangio - 2

Fangio wurde 1950 der erste Vize-Weltmeister der F1-Geschichte - Foto: Sutton

Ehe sich Michael Schumacher anschickte, der erfolgreichste Pilot der Formel-1-Geschichte zu werden, hatte Juan Manuel Fangio mit fünf Weltmeisterschaften den Titel des Rekordchampions inne. Darüber hinaus stehen auch zwei zweite Plätze in der Gesamtwertung zu Buche. 1950, im Debütjahr der F1-Weltmeisterschaft, musste sich Fangio Giuseppe Farina geschlagen geben, und 1953 war Alberto Ascari nicht zu schlagen.

Jacky Ickx - 2

Jacky Ickx wurde 1970 hinter Jochen Rindt Vize-Weltmeister - Foto: Sutton

Jacky Ickx wurde zwei Mal Vize-Weltmeister, der ganz große Triumph blieb dem Belgier jedoch verwehrt. Während er 1969 in Diensten von Brabham gegenüber Jackie Stewart klar das Nachsehen hatte, fiel die Entscheidung 1970 höchst dramatisch aus. Jochen Rindt, der bis dahin überlegen die Weltmeisterschaft angeführt hatte und souverän auf Titelkurs lag, verunglückte in Monza tödlich, was Ickx die Chance eröffnete, doch noch Platz eins zu erreichen. Dazu hätte der damalige Ferrari-Pilot die drei letzten Saisonrennen gewinnen müssen, was ihm aber nicht gelang. Schlussendlich beendete Ickx die Saison fünf Punkte hinter Rindt, der somit posthum Weltmeister wurde.

Jackie Stewart - 2

Jackie Stewart wurde 1968 zum ersten Mal Vize-Weltmeister - Foto: Sutton

Jackie Stewart hat ebenso wie Lewis Hamilton drei Weltmeistertitel zu Buche stehen und ist gemeinsam mit dem Mercedes-Pilot der erfolgreichste Brite der Formel-1-Historie. Stewart kam 1969, 1971 und 1973 zu Titelehren, 1968 und 1972 wurde er zudem Vize-Champion. Wirklich knapp fielen die Entscheidungen allerdings nicht aus, denn auf Graham Hill fehlten dem Schotten zwölf Punkte, auf Emerson Fittipaldi gar deren 16.

Emerson Fittipaldi - 2

Emerson Fittipaldi beim Österreich GP 1973 - Foto: Sutton

Emerson Fittipaldi krönte sich 1972 als erster Brasilianer zum Weltmeister, 1974 ließ er einen weiteren Triumph folgen. In den Jahren 1973 und 1975 schloss Fittipaldi die Gesamtwertung als Zweiter ab. Der Südamerikaner reihte sich hinter Jackie Stewart respektive Niki Lauda ein.

Ronnie Peterson - 2

Ronnie Peterson wurde 1978 aus dem Leben gerissen - Foto: Phipps/Sutton

Verpasste Ronnie Peterson den Titel 1971 noch deutlich - dem Schweden fehlten 29 Punkte auf Jackie Stewart -, kam es 1978 zum Drama. Peterson lieferte sich mit Mario Andretti ein Duell um den Titel, bis er den Folgen einer Startkollision beim Großen Preis von Italien erlag. Da der Drittplatzierte Carlos Reutemann in den letzten Saisonrennen trotz eines Sieges nicht in der Lage war, Peterson abzufangen, wurde der Schwede posthum zum Vize-Weltmeister erklärt.

Ayrton Senna - 2

Ayrton Senna und Alain Prost gerieten 1989 in Suzuka aneinander - Foto: Sutton

Neben seinen drei Weltmeistertiteln musste sich Ayrton Senna 1989 und 1993 mit dem zweiten Platz begnügen - jeweils geschlagen von Alain Prost. Während die Entscheidung 1993 deutlich ausfiel, gab es 1989 Dramatik pur. Beim vorletzten Saisonrennen in Suzuka kam es in der Schikane zur Kollision der beiden McLaren-Piloten. Senna wurde daraufhin disqualifiziert, womit Prost dank seines Vorsprungs vorzeitig als Weltmeister feststand.

Damon Hill - 2

Das WM-Finale 1994 sorgte für viele Diskussionen - Foto: Sutton

Ehe sich Damon Hill 1996 zum Weltmeister kürte, musste der Brite zwei Mal Michael Schumacher den Vortritt lassen. Während der Kerpener 1995 nichts anbrennen ließ und Hill um 32 Punkte distanzierte, sorgte die Entscheidung 1994 für viel Aufregung. Beim Saisonfinale in Adelaide rammte Schumacher Hill von der Strecke, sodass beide ohne Punkte blieben und Schumacher mit einem Zähler Vorsprung den ersten seiner sieben Titel gewann.

Rubens Barrichello - 2

Rubens Barrichello war Michael Schumachers devoter Wasserträger - Foto: Sutton

Rubens Barrichello ging als Michael Schumachers Wasserträger bei Ferrari in die Geschichte der Königsklasse ein. Der Kerpener war für den Brasilianer unantastbar, weshalb Vize-Weltmeisterschaften in den Jahren 2002 und 2004 das Höchste der Gefühle darstellten. Noch immer im Magen liegt Barrichello der Österreich GP 2002, als er Schumacher auf Geheiß von Teamchef Jean Todt wenige Meter vor der Ziellinie vorbeilassen und den Sieg schenken musste.

Kimi Räikkönen - 2

Kimi Räikkönen wurde 2003 hinter Michael Schumacher Vize-Weltmeister - Foto: Sutton

2007 kürte sich Kimi Räikkönen zum bis dato einzigen Mal zum Weltmeister, 2003 und 2005 musste er hingegen anderen den Vortritt lassen. Denkbar knapp fiel die Entscheidung 2003 zu Ungunsten des Finnen aus: Michael Schumacher reiste als Führender zum Finale in Japan, erzielte nach einer frühen Kollision jedoch nur einen Punkt. Weil Räikkönen aber nicht über den zweiten Platz hinauskam, behielt Schumacher mit zwei Zählern Vorsprung die Oberhand.

Michael Schumacher - 2

Michael Schumacher musste sich 1998 Mika Häkkinen geschlagen geben - Foto: Sutton

Aller Anfang ist schwer, das musste auch Michael Schumacher zu Beginn seiner Ferrari-Laufbahn feststellen. Bevor der Rekordweltmeister 2000 den ersten Titel in Rot gewann, erlebte er einige schwierige Jahre, wie 1997, als ihm nach dem Rammstoß beim WM-Finale in Jerez gegen Jacques Villeneuve alle Punkte gestrichen wurden. 1998 erzielte Schumacher als Zweiter sein bis dahin bestes Ergebnis in Diensten der Scuderia, nur Mika Häkkinen konnte er nicht das Wasser reichen. Zum zweiten Mal wurde Schumacher 2006 hinter Fernando Alonso Vize-Champion.

Nico Rosberg - 2

Nico Rosberg beißt sich bisher die Zähne an Lewis Hamilton aus - Foto: Sutton

Seit 2014 die Hybridtechnik in der Formel 1 Einzug gehalten hat, ist Mercedes das Maß der Dinge. Davon profitiert auch Nico Rosberg, der folglich im besten Auto sitzt. Das Pech des Deutschen: Sein Teamkollege Lewis Hamilton ist ihm stets einen Tick voraus, sodass es bis dato nur zu zwei Vize-Weltmeisterschaften reichte. 2014 musste sich Rosberg erst beim Finale in Abu Dhabi geschlagen geben, 2015 machte Hamilton hingegen schon vier Rennen vor Schluss in Austin alles klar.

Die einfachen Vize-Weltmeister

Niki Lauda wurde 1976 Vize-Weltmeister - Foto: Sutton

Folgende Piloten beendeten die Saison einmal an der zweiten Stelle des Gesamtklassements: Alberto Ascari (1951), Giuseppe Farina (1952), Jose-Froilan Gonzalez (1954), Tony Brooks (1959), Bruce McLaren (1960), Wolfgang von Trips (1960), Jim Clark (1962), John Surtees (1966), Jack Brabham (1967), Clay Regazzoni (1974), Niki Lauda (1976), Jody Scheckter (1977), Gilles Villeneuve (1979), Nelson Piquet (1980), Carlos Reutemann (1981), Didier Pironi (1982), Michele Alboreto (1985), Riccardo Patrese (1992), Jacque Villeneuve (1996), Heinz-Harald Frentzen (1997), Eddie Irvine (1999), Mika Häkkinen (2000), David Coulthard (2001), Lewis Hamilton (2007), Felipe Massa (2008), Sebastian Vettel (2009), Jenson Button (2011).


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