"Du möchtest wissen, warum die Formel 1 heutzutage so langweilig ist? Das ist doch völlig klar. Es gibt keine Helden mehr im Rennsport. Das hat alles nichts damit zu tun, dass der Sport von Ferrari dominiert wird. All diese Konzerne fürchten um ihr Image - und deshalb darf man heute nicht mehr sagen, was man denkt." Jacques Villeneuve nimmt sich in einem Interview mit dem Guardian kein Blatt vor den Mund. Sein Arbeitgeber Sauber ist ja auch ein Privatteam…
Villeneuve fügt hinzu: "Es ist dir in der Formel 1 prinzipiell nicht erlaubt, eine eigene Persönlichkeit zu haben. Und wie sollen wir dann Helden haben, wenn Persönlichkeiten nicht erlaubt sind?" Der Interviewer fragt Villeneuve in Anspielung auf die Alkohol-Exzesse von Kimi Räikkönen, ob er, wenn er bei McLaren gelandet wäre, in Räikkönen einen verwandten Charakter vorgefunden hätte - Villeneuve antwortet scharf: "Nein. Denn im Fahrerlager versucht Kimi, eindimensional auszusehen. Es ist traurig, dass man dort keine Fahrer sieht, die wirkliche Menschen sind. Das Image von Kimi ist derart offensichtlich konstruiert, denn er ist nicht der Ice-Man. Das kommt von den Konzernen. Am Ende erhältst du ein Image, so wie es der Konzern haben möchte."
Für die kommende Saison erwartet Jacques Villeneuve nichts Neues: "Es wird so sein wie im letzten Jahr." Michael Schumacher arbeite "seit seiner Benetton-Zeit mit den selben Leuten. Und nur so kommt man weiter im Rennsport, denn du musst nicht mehr zwei Stunden reden, um etwas zu erklären."
The bad thing was David Richards!
So etwas wäre auch bei B·A·R möglich gewesen, doch wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Er hätte weiter Skifahren können, wollte aber nach dem einen Jahr Zwangspause unbedingt wieder Rennen fahren. Der frühere Teamchef von British American Racing, David Richards, ist für Villeneuve immer noch so etwas wie ein rotes Tuch - Richards habe zuvor schon seinen Manager Craig Pollock angegriffen, so wie auch ihn, denn: "Ich war bereits länger im Team. Und das mag Richards nicht. Wenn man seine Karriere betrachtet, und zwar auch im Rallye-Sport, erkennt man, dass Richards sehr viel Zeit damit verbracht hat, Leute zu zerstören. Ich weiß nicht, warum er das tut - aber vielleicht fühlt er sich dabei gut und mächtig." Und so sei auch der Streit zwischen ihm und seinem damaligen Teamkollegen Jenson Button von Richards herbeigeführt worden: "Das war Teil seines Plans." Den Weggang von Williams zu dem von Pollock und ihm gegründeten B·A·R-Team bereut JV nicht - aber: "The bad thing was David Richards."
Bei den Tests war Villeneuve langsamer als sein Stallkollege Felipe Massa - in seinem Restaurant in Montreal erklärte der Kanadier, das schlechte Wetter habe die Tests behindert: "Deshalb konnten wir nicht genug Kilometer zurücklegen." Das Sauber-Team sei es zudem nicht gewöhnt, mit einem erfahrenen Piloten zu arbeiten: "Wir müssen unsere Arbeitsweise verbessern." Besonders beeindruckte ihn, dass "bei Sauber wirklich jeder Cent in die Verbesserung des Autos investiert wird".
In den Siebzigerjahren wäre ich definitiv gestorben!
Bei den Tests erlebte Villeneuve auch eine Highspeed-Crash: "Als ich im Rückspiegel die Wand in rasender Geschwindigkeit näher kommen sah, dachte ich: 'Verflixt, das wird jetzt weh tun!' Aber nach fünf Minuten war alles wieder normal. Ich fahre jetzt schon einige Jahre - und in diesem Geschäft verweilst du nicht ohne Unfall." Im Übrigen sei er froh, in der Gegenwart Formel 1 zu fahren, denn in den Siebzigerjahren "wäre ich verunglückt. Ich bin ein Risikoträger - ich versuche zwar, das Risiko einzuschätzen, aber wir alle machen Fehler. Ich den Siebzigern wäre ich definitiv gestorben."
Jacques Villeneuve kann auch ziemlich besessen sein. Schon seine frühere Freundin Danni Minogue erklärte, sie habe mit seinen "24 Stunden Computer-Spiel-Exzessen" nicht mithalten können. Und auch jetzt, mit neuer Freundin, muss Villeneuve eingestehen: "Ich mag einfach Online-Role-Playing. Da weiß niemand, dass ich hinter der Spielfigur stecke. Das ist halt meine Art, dem Trubel zu enteilen. Niemand urteilt über dich anhand deiner Vergangenheit, wenn du hinter dem Bildschirm versteckt bist. Du kannst dich in einer geheimen Identität verlieren. Das ist irgendwie so, als würdest du auf einem anderen Planeten landen…"

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