Wenige Wochen vor dem Saisonstart werden nicht nur auf der Teststrecke die Messer geschärft – auch auf der psychologischen Ebene versuchen die Formel 1-Teams, sich zu stärken, zu motivieren, sowie allerlei Rat und Segen einzuholen. Wie immer sind die Wege dabei grundverschieden – und: Nicht alle Wege führen nach Rom – oder besser in den Vatikan.

Ferrari war ja beim Papst zugegen – Luca di Montezemolo glänzte mit seiner Feststellung, der Vatikan sei die "prestigeträchtigste Zielgerade". Dem kranken alten Mann soll der Präsident versichert haben, er, der Papst, würde sich "auf der Straße der Menschlichkeit auf der Pole-Position" befinden…

Von der Straße der Menschlichkeit scheinen die Jungs von British American Racing wiederum nicht so recht überzeugt zu sein. Ganz im Gegenteil. Die britischen Medien, darunter auch die seriösen Kollegen von Autosport, beziehen sich auf ein Teammitglied. Ihm zufolge lässt sich B·A·R neuerdings von verschiedenen Führungspersönlichkeiten der Army, der Navy und der Luftstreitkraft beraten…

Dabei soll es nicht um technische, sondern um psychologische Belange gehen, konkret geht es um die professionelle Demoralisierung der Konkurrenz. Das Teammitglied erklärte: "Wir haben einige dieser Top-Leute um ihren Rat gebeten. Als erstes haben sie uns gleich gefragt, ob wir irgendetwas tun, um die Konkurrenz zu verunsichern, sie in Besorgnis zu halten. Als wir verneinten, erklärten sie uns die Art jener Strategien, welche sie zur Anwendung bringen würden. Das könnte eine interessante Saison werden."

Schenkt man den Berichten des britischen Medienwalds Glauben, möchte sich B·A·R nun also tatsächlich der Methoden der psychologischen Kriegsführung bedienen. Von der Grundtendenz sind diese zwar ohnehin nur marginal abweichend von der gängigen Medienpraxis vieler Formel 1-Rennställe – wenig Information, dafür große und stets aufgeblasene Worte – trotzdem könnte man sich nun fragen, ob für British American Racing der Aufstieg vom hinteren Mittelfeld- zum Topteam nicht vielleicht ein wenig zu schnell vonstatten ging. Ob das Team in seinen Presseaussendungen künftig Sätze wie "Der Feind muss vernichtet werden" aufnehmen wird, ist nicht bekannt…

Eines aber könnte man B·A·R-Teamchef Nick Fry und seinen Kollegen angesichts des zurzeit drohenden Kriegs zwischen den USA und dem Iran ins Stammbuch schreiben: Liebe Freunde, ihr sollt guten Sport und fairen Wettkampf liefern! Krieg spielen könnt ihr zuhause!