Formel 1 / Kolumne - Pro & Contra: Motoren-Entwicklungsstopp

Weg mit dem Engine-Freeze?

Am 28. Februar müssen die Power Units für die gesamte Saison homologiert werden. Muss der Entwicklungsstopp gelockert werden?
von Philipp Schajer & Christian Menath

CONTRA: Mercedes einzubremsen wäre unfair

Nach der erneuten Mercedes-Dominanz beim Russland GP war die Konkurrenz sauer: "Das ist aus dem Gleichgewicht", machte Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinem Unmut Luft und plädierte dafür, den Motoren-Entwicklungsstopp zum Wohle der Formel 1 zu lockern. Fair wäre dieser Schritt Mercedes gegenüber jedoch keinesfalls, denn weshalb sollte man den Silberpfeilen einen legal erarbeiteten Vorsprung nehmen? Renault und Ferrari haben es sich selbst zuzuschreiben, dass man hinterherhinkt - in der Entwicklungsphase wurden schlicht und ergreifend zu viele Fehler begangen.

Egal welches Datum, Mercedes bleibt vorne - Foto: Mercedes-Benz

Und selbst würde der Entwicklungsstopp gelockert werden, steht keineswegs fest, dass der Mercedes-Vorsprung auch tatsächlich schrumpfen würde, denn in Brixworth würde man genauso akribisch wie in Maranello und Viry-Châtillon daran arbeiten, die Power Unit zu verbessern. Da Mercedes zweifelsfrei über die bessere Basis verfügt, könnte der Vorteil am Ende noch größer sein, als er aktuell bereits ist. Will die Konkurrenz dieses Risiko wirklich eingehen?

Ebenfalls gegen eine Aufhebung des Entwicklungsverbots spricht der Kostenfaktor. Der Formel 1 drohen schon jetzt die Teams auszugehen, sodass es völlig unangebracht wäre, die Konten der Rennställe zusätzlich zu belasten. Vor allem die kleinen Privatteams stellten unmissverständlich klar, dass sie keine zusätzlichen Kosten übernehmen werden - und Recht haben sie!

PRO: Formel 1 muss Wettbewerb und Fortschritt sein

Mit dem neuen Motorenreglement wurde die Formel 1 endlich wieder Technologievorreiter im Antriebsbereich. Jetzt haben wir hochmoderne Power Units, die nur ein Hersteller wirklich versteht und keiner so richtig weiterentwickeln darf. Heißt also: Bis jetzt waren die Antriebe innovativ, mit dem Start der ersten Saison unter dem neuen Reglement hörte die Innovation aber wieder auf. Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz!

Eine komplette Saison zum Wegwerfen dank Renault - Foto: Red Bull

Die neue Formel 1 ist eine Motorenformel. Die Ergebnisse dieser Saison zeigen, dass der Motor das bestimmende Performance-Element ist. Ist das bestimmende Performance-Element zu Saisonbeginn eingefroren, dürfen wir uns auf spannende Testfahrten, vielleicht noch auf ein spannendes erstes Rennen freuen. Danach kennen wir aber die Reihenfolge. Eine großartige Verschiebung des Kräfteverhältnisses über die Saison hinweg haben wir nicht gesehen - wie auch, ohne Weiterentwicklung am wichtigsten Bauteil?

Ja, Mercedes hatte in dieser Saison einen riesigen Vorsprung, der mit fairen Mittel herausgearbeitet wurde. Warum sollte es aber unfair sein, wenn nun alle Hersteller die Motoren auch über das Jahr hinweg entwickeln dürften? Jeder entwickelt seinen Antrieb weiter, gewisse Teile sind eingefroren. Somit startet Mercedes auch bei der Weiterentwicklung mit dem bisherigen Vorsprung. Also alles beim Alten, oder? Es wäre ja nicht wie in der DTM, wo ein Hersteller weiterentwickeln darf, die anderen nicht.


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