HRT dürfte 2012 auch getrost als Methusalem-F1-Team durchgehen. Mit einem Durchschnittsalter von 37,5 Jahren haben die Spanier auf das mit Abstand älteste Fahrerduo gesetzt. Der 40-jährige Pedro de la Rosa erhält kommende Saison Unterstützung vom 35-jährigen Narain Karthikeyan, der bereits im Vorjahr für HRT unterwegs war, zu Saisonmitte jedoch gegen Rookie Daniel Ricciardo ausgetauscht worden war. Dass der Inder nun abermals ins Cockpit klettern darf ist eine Überraschung und dürfte auch auf Sponsorengelder sowie seine Nationalität zurückzuführen sein. Die F1 hat mit ihrer Premiere in Indien einen Boom ausgelöst - auch dank Karthikeyan, der nun dazu beitragen soll, dass das so bleibt.
Zu glauben, der neue und alte HRT-Pilot sei jedoch ein reiner PR-Gag, ist falsch. Dass er sich mit Vorurteilen herumschlagen muss, weiß der 27-fache GP-Starter selbst, geht aber dennoch durchaus ambitioniert in seine dritte F1-Saison nach 2005 und 2011. "Die Leute können sagen, dass ich hier bin, um das Starterfeld aufzufüllen und sich fragen, warum das so ist - für mich ist das aber nicht der Fall. Wann immer ich ins Auto steige, greife ich voll an", so Karthikeyan, der zugab, sehr genau zu wissen, worauf er sich bei HRT eingelassen habe. "Ich bin einfach froh, in der F1 zu fahren und wenn das Auto besser ist, dann können wir auch etwas ausrichten", meinte der Inder gegenüber Autosport.
Gutes Auto die Voraussetzung

Die Kämpfe und Leistungen am Ende des Feldes würde einfach niemand bemerken. "Direkt wird man nur mit seinem Teamkollegen verglichen oder vielleicht ein paar anderen Autos, wie letztes Jahr den Virgins. Man muss es eben einfach versuchen und das Beste rausholen." Für 2012 will HRT ein komplett neues Auto auf die Beine stellen, nachdem der Bolide 2011 noch zu großen Teilen auf dem alten Dallara-Chassis basierte. Damit soll der Sprung nach vorne gelingen, auf den auch Karthikeyan hofft. Für zusätzlichen Optimismus sorgt die Bewegung im Teamhintergrund - mit Thesan Capital gibt es neue Besitzer und diese sollen das Projekt langfristig absichern. Dass es trotzdem nicht einfach wird, war aber auch dem 35-Jährigen klar.
"Die Formel 1 war noch nie ein Spaziergang im Park. Aber ich glaube an mich selbst, habe in den meisten Rennserien gewonnen, in denen ich gefahren bin und ich weiß, dass ich konkurrenzfähig sein kann, wenn ich ein gutes Auto habe", meinte der HRT-Fahrer. Dass diese Eigenwerbung nicht nur leere Worte sind, hat Karthikeyan vergangene Saison ausgerechnet bei seinem Heimrennen in Indien bewiesen. Von seinen Landsleuten beflügelt zeigte er im Rennen eine fantastische Leistung - der Schlüssel für seine Weiterbeschäftigung in diesem Jahr, denn ohne die nächste Bewährungsprobe bei den Spaniern wäre seine Karriere in der Königsklasse wohl vorbei. "Nun fühle ich mich bereits sehr zuversichtlich und würde gerne da weitermachen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe."
Wenn Karthikeyan das 2012 wirklich gelingt, stehen seine Chancen sich zu beweisen gar nicht so schlecht. "Natürlich verlief das letzte Jahr nicht wie gewünscht, aber in Indien habe ich gezeigt, was ich kann", so der ehemalige Jordan-Pilot. Förderlich sei auch, dass er das Team bereits aus dem Vorjahr gut kenne. "Konstanz ist in der Formel 1 sehr wichtig und bisher hatte ich die nie." Optimistisch stimmt zudem, dass sich in diesem Jahr mit Pedro de la Rosa, seines Zeichens langjähriger McLaren-Tester, ein exzellenter Entwicklungsfahrer im Team befindet. "Es gibt hier viele gute Impulse und Ideen, wir sollten also ganz gut aussehen", freute sich der Inder auf die anstehende Herausforderung. Wenn der Bolide fertig wird und rechtzeitig den Crashtest der FIA besteht, will er bereits beim zweiten Wintertest in Barcelona Ende Februar ins Cockpit klettern.

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