Mehrere Sekunden Rückstand, mehrfach überrundet, Timo Glock durchlebt mit Virgin keine einfachen Zeiten - immerhin ist der Deutsche ein Fahrer, dem im Paddock mehr zugetraut wird, als nur die letzten Startreihen aufzufüllen.

Entsprechend legitim erscheint die Frage, was sich Glock davon verspricht, mit Virgin um die rote Laterna zu fahren, wo er doch in anderen Rennserien Siege und Meisterschaften feiern könnte? Etwa mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Toyota, die in den Langstreckensport zurückkehren.

"Im Moment wären Sportwagen ein Rückschritt für mich", sagt Glock ehrlich. "Die Formel 1 ist momentan einfach unantastbar als Königsklasse." Außerdem hängt sein Herz am Projekt Virgin Racing, mit dem er sich weiter nach vorne arbeiten möchte. "Wir dürfen uns aber auch nicht die Hoffnung machen, dass wir in zwei Jahren um die WM fahren", betont er. "Dafür sind die Spitzenteams zu weit weg und viel zu groß."

Einen Karrierefahrplan besitzt Glock nicht mehr. "Damit habe ich aufgehört, nachdem ich gesehen habe, wie schnell man in der Formel 1 von heute auf morgen entscheidet, wir sperren den Laden zu", erinnert er sich an den Ausstieg von Toyota.

Nach seinem Wechsel zu Virgin wurde er belächelt. Jetzt sieht er sich im Recht: "Wer weiß, ob ich bei einem anderen Team heute noch fahren würde?", fragt er. "Abgesehen von den vier Topteams ist alles andere eine Frage de Geldes. Das sind die Tatsachen in der Formel 1."

Dabei muss er mit seinem Virgin-Boliden teilweise mehr kämpfen als früher in einem besseren Auto. "Ich bin im Auto voll gefordert, obwohl es mehrere Sekunden langsamer ist", verrät er. "Fast noch mehr als mit einem besseren Wagen, weil du mit so einem Auto dermaßen auf des Messers Schneide fährst, das Auto viel unberechenbarer reagiert."

Im Toyota habe er stets gewusst, wie er auf wechselnde Winde reagieren musste. "Hier ist jede Kurve eine Herausforderung", erklärt er. "So wie Sebastian Vettel sich von Session zu Session steigert, geht das nur, wenn du das Auto blind verstehst."