Michael Schumacher kommt zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Mercedes GP zu seinem Heimrennen auf dem Nürburgring. Doch als er den Vertrag 2009 unterschrieb, hatte er sich mehr vorgestellt, als nun mit dem Auto möglich ist. "Realistisch ist ein Platz um fünf oder sechs", erklärte Schumacher. "Das ist nach meiner Einschätzung theoretisch machbar." Allerdings bezog er sich mit seinen Prognosen auf die Situation vor Silverstone, da in England, durch die Diskussionen um den Diffusor, alles anders war. Doch die neuen Teile, die Mercedes GP nach Deutschland mitbringt, machen ihm zumindest Mut.
Dennoch bleibt der siebenfache Weltmeister für die Saison realistisch. "Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber wir müssen hier nicht über Siege reden, das ist Quatsch. Wenn es ganz gut läuft, können wir dieses Jahr noch aufs Podium fahren", dämpfte er die Erwartungen. Die Problematik liege am Anfang der Saison, da man Schwierigkeiten mit der Aerodynamik, speziell mit dem DRS hatte, das sich nach Gebrauch nicht vollständig zurückbewegte.
Veränderungen in der Zukunft
Diese Probleme, sowie die Schwierigkeiten mit den zu schnell abbauenden Hinterreifen, die Schumacher zum Teil unterschrieb, habe man nun zwar größtenteils im Griff, aber das hilft nicht mehr, wie der Mercedes-Pilot verdeutlichte: "Der Zug ist abgefahren. Wir haben unseren Fokus auf die Probleme gelegt, während die Top-Teams weiterentwickelten. Wir laufen immer nur hinterher." Doch das soll sich in Zukunft, auch durch mehr Personal, verbessern.

Zumindest gehe alles in die richtige Richtung, wenngleich der Drei-Jahresplan, den man sich nach 2009 zurecht gelegt hatte, laut Schumacher, nicht ganz realistisch war. "Es war auch für mich gesetzt, dass wir vorne mitfahren können", gab er ehrlich zu. "Das ist auch das Ziel. Der Anspruch von Mercedes ist nicht da zu sein, um Plätze zu füllen, sondern Weltmeister zu werden."
Sand im Getriebe
Mit seiner eigenen Leistung ist der Deutsche nach wie vor relativ zufrieden. "Am Anfang hatte ich noch Sand im Getriebe, aber mittlerweile läuft es wieder recht rund. Ich habe einen guten Entwicklungsprozess durchgemacht", so Schumacher, der seine Leistung mit der aus dem Vorjahr verglich. Zudem habe er mit Nico Rosberg den stärksten Teamkollegen seiner Karriere, was man auch nicht vergessen solle.
Er selbst hat jedenfalls "kein Problem damit, wo ich rumfahre." Auch seine Kollisionen der vergangenen Rennen mit Vitaly Petrov in Valencia, oder Kamui Kobayashi in Silverstone, lagen für ihn primär an den Bedingungen und seien deshalb kein Problem. Sowohl die Motivation, als auch der Spaß sind nach wie vor vorhanden und er müsse sich nicht verstecken. "Mir fehlt nichts, was ich einmal hatte, was bessere Leistungen verhindern würde", bezog er sich auf sein Alter von 42 Jahren. Heute ist die Situation durch die fehlenden Testfahren sogar noch besser. "Die Balance zwischen Leistung und Freizeit ist optimal."
Durch die eigene Kurve
Natürlich freut er sich auf das Rennen in der Eifel und erkennt sogar Chancen. "Die langsame, bis mittelschnelle Kurvencharakteristik könnte uns eher liegen", machte er seinen Fans Mut. Zudem wird er erstmals mit einem Formel-1-Boliden durch seine eigene Kurve fahren. Allerdings glaubt Schumacher nicht, dass sie, wie in den vergangenen Jahren, mit Vollgas durchfahren werden kann. "Wir haben viel Benzin im Tank. Es wird ohnehin eine Herausforderung, das richtige Setup zwischen Low- und Highspeed zu finden", erklärte er.

An den neuen Regeln, speziell an DRS, zweifelt Schumacher allerdings keine Sekunde. "Es ist besseres Racing. Es war extrem frustrierend, wenn du deutlich schneller als dein Vordermann warst, aber aufgrund der Regeln, die lange galten, nicht vorbeikamst und auf den Stopp warten musstest", schilderte der siebenfache Weltmeister seine Erfahrungen.
Richtige Richtung
Doch auch er erkannte, dass es Situationen wie in Kanada gab, in denen dieses System nicht sehr positiv aussah. "Wenn dann jemand vorbeifliegt und es aussieht, als hätte man den Gang nicht reinbekommen, ist das nicht schön anzusehen, aber generell finde ich die Richtung absolut richtig." Auch könnte man nicht prinzipiell jedes Auto mit DRS überholen. Viele Faktoren, wie frische Reifen, spielten hier eine Rolle. "Es reicht fast nicht, gleichschnell zu sein", fügte der Deutsche noch hinzu.

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