Ein Gesprächsthema zog sich wie ein roter Faden durch den Donnerstagnachmittag in Silverstone: was wird passieren, wenn ab Freitag alle mit dem neu interpretierten Anblas-Reglement des Unterbodens zurechtkommen müssen? Nick Heidfeld glaubte, das könnte seinem Renault-Team durchaus entgegenkommen. "Unser Auto hat die Auspuffe ja in der Mitte und das sollte uns eigentlich eine recht neutrale Balance bescheren, egal ob wir viel oder wenig raus blasen. Da ist es auch egal, in welcher Phase der Kurve wir sind", meinte er.

Im Gegensatz dazu werden Autos mit dem Auspuff weiter hinten nur am Kurvenausgang noch richtig Luft unter das Auto blasen können. Dadurch sollten sie dann theoretisch am Heck mehr Grip bekommen, was zu Untersteuern führen wird. "Das wird bei uns nicht der Fall sein, das sollte neutraler sein. Das kann ein Vorteil sein, was die Balance betrifft", sagte Heidfeld. Neben der Umstellung beim Diffusor-Anblasen wird Renault in Silverstone auch ein paar Neuerungen für Aerodynamik und Mechanik im Gepäck haben. Die Aero-Teile sollen im Rennen zum Einsatz kommen, die mechanischen müssen erst den Test am Freitag bestehen - sollte es da nicht regnen.

Red Bull bleibt Favorit

Ungeachtet aller Veränderungen rechnete Heidfeld aber weiter damit, dass Red Bull Favorit sein wird. Das liegt einerseits daran, weil Silverstone eine schnelle Strecke ist, wo viel auf dem Gas gestanden wird. Auf einer langsameren Strecke mit langsameren Kurven würden die Änderungen beim Diffusor mehr zum Tragen kommen, meinte der Deutsche. "Sie [Red Bull] haben hier in den letzten Jahren dominiert, mit großem Abstand. Es gibt so schnelle Kurven und da werden sie nach wie vor vorne sein. Wenn wir auf andere Strecken kommen, wird es dann noch interessanter." So würden Unterschiede schon auf dem Nürburgring klarer zu erkennen sein, in Ungarn werde es dann sehr deutlich sein."

Nick Heidfeld will Mercedes wieder näher rücken, Foto: Sutton
Nick Heidfeld will Mercedes wieder näher rücken, Foto: Sutton

Schon in Silverstone hoffte Heidfeld, dass Renault näher an Mercedes herankommen kann. In den vergangenen Rennen war das deutsche Team besonders im Qualifying vor Heidfelds Arbeitgeber gelegen. "Wir sind in der Weltmeisterschaft aber trotzdem noch vor ihnen und es ist ganz klar unser Ziel, das zu halten. Durch die Änderungen wird das hier ein wichtiges Rennen, um eine neue Richtung zu sehen." Eine wichtige Rolle könnten dabei aber auch die Reifen spielen. In Silverstone soll es kühl werden, dennoch sind die Mischungen hart und weich im Einsatz. Deswegen hatte nicht nur Heidfeld Sorgen und er rechnete damit, dass es darauf hinauslaufen wird, so lange wie möglich mit weich zu fahren.

Die Saison ist weitergegangen

Ob der Kurs dem Renault liegt, konnte er nicht pauschal beantworten. Denn in der Formel 1 entscheiden mehrere Faktoren über den Erfolg, darunter Motorkraft, Aerodynamik, Effizienz und Mechanik. "Man kann nicht einfach sagen, ob die Strecke gut oder schlecht für Renault ist. Wenn man es mit anderen Rennen diese Saison vergleicht, dann sollte sie gut für uns sein. Unser Auto ist im Schnellen gut, etwa wie Barcelona oder Malaysia, wo wir ein schnelles Auto hatten. Aber die Saison ist weitergegangen, die letzten Rennen hatten wir langsame Kurven. Schauen wir einmal", sagte Heidfeld.

Besonders interessant könnte es nach seiner Meinung werden, wenn der Regen kommt. Denn dann wären die Autos auch schon in Silverstone langsamer unterwegs und die Regel-Änderungen hätten mehr Einfluss. "Ich hoffe, es läuft dann besser als in Kanada. Ich fahre gerne im Regen und komme meistens gut ins Ziel. Es wäre in Kanada gut gewesen, auf dem fünften Platz nach Hause zu kommen, aber das Auto war im Regen nicht schnell. Das mag sich mit den Regel-Änderungen hier ändern. Dann würde ich mich wieder auf ein Regenrennen freuen." Vor allem auch deswegen, weil Renault nach seiner Meinung seit Saisonbeginn nicht so stark zulegen konnte wie andere. Doch Heidfeld zeigte sich zuversichtlich, dass sich das bald ändern wird.