1. - S wie Startaufstellung

Drittes Qualifying, dritte Pole Position. Sebastian Vettel gelang in Shanghai ein lupenreiner Hattrick. "Das habe ich erwartet", gab sich Christian Danner davon wenig beeindruckt. "Hier gibt es einige Kurven, die nicht so schnell sind - da ist der Red Bull besser als der McLaren."

Dennoch hoffte Jenson Button in der Hitze des Qualifyinggefechts doch, irgendwie die Pole ergattern zu können. "Aber die Pace von Sebastian und Red Bull in Q3 war phänomenal", gestand der Zweite ein. "In Q2 sah es so aus, als ob es möglich wäre, deswegen habe ich versucht, zwei Reifensätze in Q3 zu fahren und wollte es probieren. Ich sah aber Sebs Zeit und merkte, wir kämpfen nur um Platz zwei."

Diesen konnte sich Button vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton sichern. Dahinter ließ Nico Rosberg beide Ferrari hinter sich. "Wir sind hier heute sehr deutlich dritte Kraft und ohne größere Änderungen am Auto um einiges besser, als vor einer Woche - das ist beeindruckend", freute sich der Mercedes-Pilot. "An McLaren sind wir zwei Zehntel dran und Ferrari ist hinter uns."

Dessen war man sich auch bei der Scuderia bewusst. "Wir wissen, dass Platz fünf momentan unser Maximum ist", gab Fernando Alonso zu. "Fünfter und Sechster ist momentan unser Maximum. Wir haben heute das geliefert, was wir liefern können."

2. - S wie Start

Das Startszenario ist bekannt: Sebastian Vettel versucht sich gegen die beiden McLaren zur Wehr zu setzen. Dabei ist ihm klar: KERS spielt am Start eine entscheidende Rolle. Das könnte für McLaren sprechen, deren System ausgereifter ist als jenes von Red Bull, denn das bei Mark Webber streikte am Samstag abermals.

"Es wird ein harter Kampf in Kurve 1", glaubt Lewis Hamilton und kündigt an: "Die erste Kurve ist eine langgezogene Rechtskurve, sie ist ziemlich sicher und sehr breit, es sollte spannend werden. Ich hoffe, dass ich Sebastian angreifen kann, es hängt von seinem Start ab. Er hatte seit Ende letzten Jahres tolle Starts. Ich stehe aber auf der gleichen Seite wie er, hoffentlich habe ich einen guten Start."

3. - S wie Strecke

Der Shanghai International Circuit weist eine Mischung aus einer langen Gegengerade, ein paar schwierigen, langsamen Kurven im mittleren Abschnitt und noch einigen speziell ineinander gewundenen Kurven auf. Für diese Passagen sind eine gute Bremsstabilität und eine gute Traktion wichtig, zumal bei hoher Querbeschleunigung.

Nico Rosberg hängte Ferrari ab -, Foto: Sutton
Nico Rosberg hängte Ferrari ab -, Foto: Sutton

Die Gegengerade ist mit 1.170 Metern Länge die längste Gerade im Formel-1-Rennkalender. "Das Überholen könnte auf der langen Gerade leichter sein", glaubt Nick Heidfeld und baut nach seinem verpassten Einzug ins Q3 auf gute Überholmöglichkeiten: "Es gibt schwierigere Strecken als hier, um nach vorn zu kommen."

Dabei helfen soll der Einsatz des verstellbaren Heckflügels. Dabei muss sich allerdings noch zeigen, ob dieser so hilfreich sein wird wie zuletzt in Malaysia. Denn im Gegensatz zu Sepang liegt der DRS-Messpunkt nicht am Ende einer Geraden, sondern nach einer langsamen Kurve. Somit könnte es schwierig sein, unter einer Sekunde am Vordermann dran zu sein, um DRS überhaupt aktivieren zu dürfen.

4. - S wie Strategie

Wie üblich schielen die Fahrer in der zweiten Hälfte der Startaufstellung auf eine goldrichtige Strategie, dazu zählt vor allem Mark Webber, der nur von Platz 18 startet. "Wenn er nicht gleich in der ersten Phase an vielen Fahrzeugen vorbeikommt, müssen wir einen Plan B und C in petto haben", sagt Helmut Marko. "Erste Phase ist Start, dann schauen wir auf den ersten drei, vier Runden, wo er ist und werden es ähnlich wie in Malaysia halten - dort haben wir ihn sehr früh reingeholt."

Pirelli erwartet ein bis zwei planmäßige Reifenwechsel während des Rennens. "Es heißt, es sei ein Zweistopprennen, aber möglicherweise werden es wieder drei", glaubt Lewis Hamilton, der sich so oder so gut gerüstet sieht. Im Qualifying opferte er Performance, um einen weichen Reifensatz für das Rennen zu sparen. Somit habe er für den zweiten Stint nach dem Start auf den Q3-Reifen noch einen frischen Satz weicher Pneus auf Lager. Am Ende möchte er mit den harten fahren. Das soll der Haltbarkeit zugute kommen.

Felipe Massa denkt noch weiter: "Die Strecke hat sich im Vergleich zu gestern stark verbessert: es gibt mehr Grip, die Autos rutschen weniger, dadurch ist der Reifenabbau geringer und das wird ein Faktor, den man im Rennen berücksichtigen muss, wenn man an der idealen Strategie arbeitet", erklärte Massa.

5. - S wie Spruch des Tages

"Ich weiß es nicht, aber wenn du es uns sagen kannst, haben wir einen Job für dich." Mark Webber nahm sein Ausscheiden im Q1 und die andauernden KERS-Probleme an seinem Auto mit Galgenhumor. Leider konnte ihm und dem Team die versammelte Journalistenmeute keine Antwort darauf geben, was an seinem KERS immer wieder schief geht.

Schon vor dem Qualifying war klar, dass Webber ohne das System antreten würde. "Aber wir dachten, es gebe genug Leistung, um es auf dem Prime zu schaffen", erklärte Christian Horner. "Alles, was wir vorher und heute Morgen gesehen haben, ließ darauf schließen, dass wir es auf der ersten Runde mit dem Prime schaffen sollten."

Ferrari will im Rennen wieder zulegen -, Foto: Sutton
Ferrari will im Rennen wieder zulegen -, Foto: Sutton

Doch der weiche Reifen reichte nicht aus, zu einer zweiten Runde kam es nicht mehr, weil die Reparatur an Webbers RB7 bis ins Qualifying dauerte. So konnte er die Reifen nicht richtig auf Temperatur bringen und schied aus. "Eine Runde war einfach nicht genug", sagte er resignierend.

6. - S wie Sonntagswetter

Statt Regen gab es in Shanghai bislang nur Smog. Ganz besondere Bedeutung kommt an diesem Wochenende aber den Temperaturen zu. Im Gegensatz zum Freitag war es am Samstag noch einmal kühler. "Hier hat uns die Temperatur geholfen, denn wenn es heiß ist, haben wir Kühlungsprobleme", erklärte Mercedes-Teamchef Ross Brawn einen der Gründe für die Leistungssteigerung seiner Truppe.

Genau andersherum sieht es bei Ferrari aus. Je kühler es ist, desto mehr Probleme hat das Team die Reifen aufzuwärmen. Fernando Alonso baut deshalb auf einen warmen Sonntag: "Morgen wird es wärmer sein, im Rennen sollte es also passen."

7. - S wie Spannung

Von Dominanz möchte Sebastian Vettel auch nach der dritten Pole des Jahres nichts hören. "Wenn wir morgen aufstehen und die Lichter an der Ampel ausgehen, interessieren die Zeiten von heute niemanden mehr", betont er. Die Experten gehen dennoch von einem Sieg-Hattrick für den Deutschen aus. "Den Start muss er gewinnen, doch sie sind überall gut: beim Start, Rennpace, Boxenstopps", gibt Adrian Sutil zu bedenken. "Sie sind im Moment ein vollkommenes Team, sie machen keine Fehler und wenn sie das nutzen, dann sehe ich ihn vorne."

Von einer Spazierfahrt möchte Christian Danner zwar nicht sprechen, "aber wenn Sebastian am Start vorne bleibt und KERS funktioniert, kann er sicher spazieren fahren". Auf einen KERS-Defekt hofft Lewis Hamilton nicht. "Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes", betont er. Aber sollte es so kommen, werde er zur Stelle sein. Die ständigen Hinweise auf KERS nerven hingegen Helmut Marko: "Ich weiß nicht, warum da so auf KERS herumgeritten wird. Wir waren ohne KERS auch noch schnell genug."

Trotzdem hofft Hamilton, dass er Red Bull im Renntrimm gefährlich werden kann. "Sie haben den Vorteil prinzipiell nur im Qualifying", glaubt Hamilton. "Im Rennen sind sie nur ein wenig schneller. Wir sind ganz gut unterwegs, morgen werden wir ihnen Dampf machen."

Gleichzeitig duellieren sich Renault, Mercedes und Ferrari. "Das Podest ist in Reichweite", gibt Fernando Alonso die Richtung vor, wenngleich sein Teamkollege Felipe Massa eingrenzt: "Die McLaren sind schneller als wir und Mercedes hat sich verbessert. Sie werden morgen im Rennen harte Gegner." Darauf setzt Nico Rosberg, der auf Long Runs Fortschritte ausgemacht hat. Ross Brawn bestätigt: "Wir sind am Freitag einige Long Runs mit viel Sprit gefahren, die waren nicht schlecht."

Allerdings legen Ferrari und Renault normalerweise im Rennen noch einmal eine Schippe nach. "Am Freitag war Ferrari bei der Rennpace etwas schneller, aber wir konnten alle am Samstag versuchen, das Auto weiter zu verbessern", macht sich Brawn Hoffnungen, seine alte Truppe zu schlagen. Allerdings gibt es bei der Strategie ein kleines Problem: "Wir haben keine neuen weichen Reifen in der Hinterhand, das könnte eine Rolle spielen. Aber unsere Rennpace sollte besser sein als bei den ersten Rennen."