Die Pirelli-Reifen und der hohe Verschleiß der Pneus aus Italien kommen vor allem den Piloten mit einem weichen Fahrstil sehr entgegen. Jenson Button genießt schon lange den Ruf als Meister im schonenden Umgang mit dem Gummi. Seinem Namen machte der Brite auch in Sepang wieder alle Ehre und steuerte den McLaren nach unscheinbarem Rennbeginn taktisch klug auf Rang zwei. Besonders ein langer letzter Stint verhalf dem Weltmeister von 2009 dabei zum Sprung auf das Podium.

"Heute ging es in erster Linie darum, auf die Reifen aufzupassen. Dabei habe ich zunächst bei der Abstimmung einen Fehler gemacht und vor dem Start auf viel zu viel Frontflügel verzichtet, weil ich die Pneus zu sehr schonen wollte", gab Button zu. "Das hatte massives Untersteuern zur Folge und dadurch habe ich die Hinterreifen relativ schnell kaputt gemacht, auf die ich ja eigentlich auch schauen wollte", so der McLaren-Pilot, der angab die Lösung in der Folge durch Veränderungen bei den Boxenstopps erwirkt zu haben: "Wir haben dann bei jedem Stint mehr Frontflügel drauf gehabt und die Zeiten wurden besser und besser. Alles in allem war es ein guter Nachmittag für mich und der letzte Abschnitt war großartig - ich glaube nicht, dass da irgendjemand schneller war."

Obwohl Button nach dem Start weit hinter Teamkollege Lewis Hamilton lag, übertrumpfte er seinen Landsmann am Ende doch deutlich. "Ich wusste, dass Lewis Probleme bei seinem Stopp hatte, meine Zeit war gut und ich habe Sebastian so gut gejagt, wie ich konnte. Jede Runde sagte das Team: "Lass es mit den Reifen ruhig angehen." Aber das willst du als Fahrer natürlich nicht. Ich habe mein Bestes gegeben, aber es hat nicht ganz gereicht", trauerte der Brite ein bisschen der vergebenen Siegchance nach.

Die Reifen waren in Malaysia der Schlüsselfaktor - Jenson Button machte sich das einmal mehr zu Nutze, Foto: Sutton
Die Reifen waren in Malaysia der Schlüsselfaktor - Jenson Button machte sich das einmal mehr zu Nutze, Foto: Sutton

Insgesamt war er aber zufrieden mit der Leistung seines Boliden und dem Zusammenspiel mit den Reifen. "Die Balance war zwar am Anfang falsch, aber wir haben das im Rennen verbessert und das Auto war gut. Ich war allerdings überrascht, wie nah die anderen Teams an uns dran waren. Renault war schnell, Ferrari war schnell und Red Bull war nicht so schnell, wie ich dachte. Es war ein aufregendes Rennen", bilanzierte der Champion von 2009. "Es ist gut hier Punkte mitzunehmen. Wir haben ein gutes Paket und ich denke, dass wir noch nicht einmal das Beste rausholen - hoffentlich schaffen wir das nächstes Wochenende in China", so Button.

In Bezug auf die Konkurrenz erklärte der Brite: "Wir sind Red Bull hier schon ganz nahe gekommen und auch das Qualifying war gut. Außerdem denke ich, dass noch mehr von unserem Auto kommt - wir sind nicht zu weit hinten." Interessant seien die anhalten KERS-Probleme bei der Konkurrenz von Red Bull. "Unser KERS ist fantastisch, verlässlich und gibt uns einen großen Schub. Ich weiß nicht wie ihr System ist, oder ob es auch so stark ist und ob sie so viel verlieren, wie wir es würden, wenn wir kein KERS hätten", meinte Button.

Aufregendes Rennen

Der McLaren-Fahrer fand aber auch lobende Worte: "Ihr Auto ist schnell und Sebastian hat einen guten Job gemacht. Aber nächstes Rennen geben wir unser Bestes, um sie wieder anzugreifen." Beeindruckt war Button auch von den Starts der Lotus-Renault-Piloten. "Wir müssen uns ansehen, wie Renault das beim Start macht. Aber mein Start war auch nicht so schlecht. Ich habe gesehen, dass Mark schlecht wegkam und bin dann so schnell wie möglich nach innen gezogen. Ich habe mir die Starts der letzten fünf Jahre angeschaut und jedes mal war es so, dass man an der Spitze besser auf der Innenseite war, um nicht so weit nach außen gedrängt zu werden" verriet der 31-Jährige.

"Ich wollte innen an Lewis vorbei, was nicht ganz geklappt hat und dann waren beide Renault außen. Aber immerhin Vitaly konnte ich wieder überholen. In Kurve zwei wollte aber niemand Platz machen und ich musste bremsen", beschrieb Button die turbulente erste Runde. "Ich denke es war ein sehr aufregendes Rennen für die Zuschauer. Platz zwei ist gut, aber man kämpft immer um den Sieg. Ich wusste es wird ein langer letzter Versuch, aber man pusht so hart wie man nur kann und weiß ja nie was vorne noch passiert", erklärte der Brite.

Nach dem durchwachsenen Saisonauftakt war er froh in Sepang wertvolle Punkte eingefahren zu haben. "Ich hätte schon in Australien ein gutes Rennen haben und aufs Podium fahren können. Aber es lief einfach nicht für mich", so Button. "Ich machte einen Fehler, fuhr von der Strecke und überholte dabei Felipe - ich war einfach frustriert", gab der McLaren-Pilot rückwirkend zu.

"Das Rennen heute war eine Herausforderung. Zwanzig Runden auf diesen Reifen hart zu pushen hielt niemand für möglich. Ich habe gegeben, was ich konnte", meinte der Brite stolz. Problematisch sei auch der Gewichtsunterschied im Rennen gewesen. "Mit dem Heckflügel ist der Balanceunterschied in Bezug auf die Sprit-Klios ziemlich heftig. Daher ist es gut nun hier mit Rang zwei abzureisen. Auch wenn Sebastian jetzt eine große Führung hat, bin ich immerhin Zweiter", erklärte Button. Genaue Prognosen für China wollte er aber noch nicht wagen: "Man weiß es nicht. Vielleicht ist ein Sieg möglich. Jetzt wollen wir mehr!"