Nick Heidfeld, der aus der sechsten Position gestartet war, konnte bereits zu Beginn vorne angreifen. "Mein Start war fantastisch. Ich konnte viele Positionen gutmachen", jubelte Heidfeld, der sich bis auf Rang zwei nach vorne geschoben hatte. Denn Heidfeld war unmittelbar nach dem Start bereits außen an Fernando Alonso und den McLarens vorbeigegangen, und in der ersten Kurve auf Augenhöhe mit Sebastian Vettel. "Ich war fast neben Sebastian, der mich bereits im Rückspiegel sehen konnte", schilderte der Deutsche den Start aus seiner Sicht. "Das war sicher der Knackpunkt für mein Rennen."

Nick Heidfeld konnte seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, Foto: Sutton
Nick Heidfeld konnte seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, Foto: Sutton

In Folge duellierte er sich mit Lewis Hamilton, der in seinem McLaren nicht abzuhängen war. Vettel zog allerdings unbeeindruckt seine Runden an der Spitze. "Er war etwas schneller", analysierte Heidfeld, der dennoch glücklich über seinen Wagen war. "Das Auto lief besser als gedacht. Es war überraschend, dass wir so gut mit den Top-Leuten mithalten konnten." Mit einem neuen Upgrade-Paket, lief es aus seiner Sicht deutlich besser als erwartet. "Natürlich waren wir in Melbourne schon nicht schlecht, aber ich hätte nicht gedacht, dass wir so gut vorn mitfahren können", freute sich der Deutsche über seinen Lotus-Renault. Auch seine Konkurrenten seien verblüfft über die Leistung gewesen.

Verpatzter Boxenstopp

Durch den harten Fight bauten dann auch die Reifen ab, doch Heidfeld blieb auf der Strecke. "Im ersten Stint gab es Regentropfen und wir blieben draußen weil wir an mehr Regen dachten", schilderte er die Strategie. Und obwohl es trocken blieb, konnte Heidfeld seinen Platz nicht halten. Denn der Mönchengladbacher verlor bei seinem ersten Boxenstopp Zeit und Positionen. "Der erste Boxenstopp war dann nicht perfekt, da habe ich zwei Plätze verloren", gab er zu.

"Aber wir haben auch nicht das schnellste Auto, von der Pace her", fügte Heidfeld hinzu, der die McLarens vor allem in der Qualifikation noch vorne sieht. Doch wenn den anderen Fehler passierten und selbst eine gute Strategie gewählt würde, könne man angreifen. Doch genau die Wahl der Strategie gestaltete sich schwierig. "Ich bin am Freitag keinen Longrun gefahren", zeigte Heidfeld auf, der zugab, dass sein Lotus-Renault die anderen Teams beobachtet habe, um die nötigen Informationen zu sammeln.

Glück gehabt

Nach dem langsamen Boxenstopp bahnte sich ein Zweikampf um das Podium zwischen Hamilton und Fernando Alonso an, in dem Heidfeld keine Rolle mehr spielte - vorerst. Denn nach einem übermotivierten Manöver, musste Alonso seinen Frontflügel wechseln und fiel zurück, was Heidfeld als Glück bezeichnete. Als schließlich auch Hamilton einen weiteren Stopp einlegen musste, fand sich der Mönchengladbacher plötzlich auf Rang drei wieder. "Ich hatte einen guten Speed auf den harten Reifen", verriet er das Geheimnis seiner Aufholjagd.

Doch auch zu diesem Zeitpunkt war das Podium noch nicht in trockenen Tüchern. "Ich musste mich hart gegen Webber wehren, der mit Überschuss angeflogen kam", schilderte Heidfeld das Duell gegen den Red-Bull-Piloten, dessen Reifen vier Runden jünger waren, als die des Deutschen. Doch eigentlich dachte Heidfeld in seiner Position sicher zu sein, bis das Team ihn eines Besseren belehrte. "Dann hab ich ihn auch im Rückspiegel auf Riesenschritten näherkommen sehen", verriet er seine Überraschung.

Waffe KERS

Doch im folgenden Duell konnte er "KERS zielgerichtet einsetzten, um die Position zu halten", klärte der Lotus-Renault-Pilot auf, der mit dem System sehr zufrieden war: "KERS hat gut funktioniert". Zudem half ihm auch, dass der Australier das gesamte Rennen auf KERS verzichten musste, und dessen Reifen, laut Heidfeld, vermehrt unter dem Zweikampf litten.

Kritiker verstummt

Nach einem Rennen zum Vergessen in Australien, das er als 14. beendete, konnte Heidfeld in Sepang allen Kritikern beweisen, dass nicht nur Teamkollege Vitaly Petrov mit diesem Auto erfolgreich sein kann. "Ich bin sehr glücklich mit diesem Podestplatz", erklärte Heidfeld dementsprechend erleichtert. Doch auch Sieger Vettel freute sich für seinen Landsmann. "Ich bin sehr glücklich, und freue mich auch für Nick", verriet der Weltmeister. "Er hat es nach langer Zeit und viel Kritik verdient. Heute hat er gezeigt, dass Australien nicht die Regel war", fügte er noch hinzu. Heidfelds erster Dank galt seiner Familie, die ihn immer unterstütze. Doch auch gegenüber seinem Team war er voll des Lobes. "Es macht Spaß mit dem Team zu arbeiten, sie sind sehr offen für Vorschläge", erklärte Heidfeld, der den Druck genießt. Weitere Podestplätze sollen folgen.