Pro: Unfälle können immer passieren
von Kerstin Hasenbichler
Es liegt in der Natur eines Rennfahrers, maximal zu pushen, seine Grenzen auszutesten und ans Limit zu gehen. Rennfahrer suchen die Herausforderung, egal ob sie aus einem Flugzeug springen, bei der Tasmania Challenge teilnehmen oder einfach nur Tennis spielen. Deshalb kann man die Teilnahme von Robert Kubica an der Rallye-Veranstaltung vergangene Woche nicht kritisieren.

Ohne Zweifel ist der Skoda Fabia S2000, mit dem der 26-jährige Pole an der Rallye teilnahm, im Vergleich zu seinem F1-Renault-Boliden eine Blechdose und auch die Rallye Ronde di Andora kann mit dem hohen Sicherheitsstandard eines F1-Grand Prix nicht im Entferntesten mithalten, aber gleichzeitig zählt Kubica zu den besten Rennfahrern der Welt. Er kennt die Risiken und weiß, dass Motorsport eben ein gefährlicher und im schlimmsten Fall auch tödlicher Sport ist.
Dieses Risiko geht er jedes Mal ein, sobald er an einem Rennwochenende in seinen Boliden steigt und als Teamchef erwartet man das auch von seinem Fahrer. Einen Rennfahrer in Watte packen zu wollen - egal, ob im Privaten oder im Beruflichen - ist völlig absurd. Man muss einen Rennfahrer einfach machen lassen und ihm einen gewissen Grad an Eigenverantwortung zugestehen, denn bewusst riskiert niemand sein Leben. Aber Unfälle können nun einmal passieren - auf der Rennstrecke sowie im normalen Leben.
Contra: Ein zu großes Risiko
von Stephan Heublein
Motorsport ist gefährlich - das ist bestens bekannt, doch gerade deshalb sollten Rennfahrer ihre Gesundheit nicht unnötig aufs Spiel setzen und damit auch noch ihre Arbeitgeber, die Teams, in Probleme bringen. So gerne Robert Kubica Rallye fährt und er dies als inneren Ausgleich zur Formel 1 braucht, so sehr dürfte auch ihm bewusst sein, dass insbesondere die Teilnahme an kleineren Rennveranstaltungen mit hohen Risiken verbunden ist. Nicht ohne Grund soll die Bergung des Polen nach seinem Unfall über eine Stunde gedauert haben, weil die Feuerwehr nicht das richtige Werkzeug parat hatte und dieses erst beschaffen musste.

Formel-1-Fahrer sind die höchsten nur denkbaren Sicherheitsstandards gewohnt. Binnen einer halben Minute ist ein hoch ausgebildetes Ärzteteam an einer Rennstrecke am Unfallort und kann Erstversorgung leisten. Danach geht es in ein hochmodernes Medical Centre, das so manches Klinikum alt aussehen lässt. Kubica hatte nach seinem Unfall Glück, dass er in eine Fachklinik eingeliefert wurde - das ist nicht bei vielen nationalen Rallyes der Fall.
Im Gegenteil: So sehr sich die Veranstalter um die Sicherheit bemühen, sie kann niemals auf dem Stand größerer Events oder gar der Formel 1 sein. Entsprechend ist es verständlich, wenn viele Teams ihren Fahrern gefährliche Hobbys wie Rallyes, Motorradrennen oder Motocross vertraglich verbieten. Immerhin sind es die Teams, die die Fahrer das gesamte Jahr über bezahlen und darauf angewiesen sind, dass diese auch für sie im Cockpit sitzen, um wertvolle WM-Punkte einzufahren.

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