Wie sieht die Bilanz nach den vergangenen beiden Tagen aus?
Paul Hembery: Wir haben beinahe 11.000 Kilometer hinter uns, was sehr viel ist. Wir haben so viele Informationen - es waren zwölf Teams und ich habe keine Ahnung, wie viele Fahrer unterwegs waren. Es waren aber sicher mehr als 24. Es war eine fantastische Erfahrung und sehr nützlich dabei, unsere Pläne für die Tests im Februar zu finalisieren. Wir haben aber noch Arbeit, wir haben nicht erwartet, dass wir herkommen und alles ist fertig. Jetzt verstehen wir die Anforderungen der Teams und Fahrer besser. Die Kommentare aller Fahrer passen zu dem, was wir nach Pedros [de la Rosa] Aussagen erwartet haben. Es gibt keinen Ersatz zur Arbeit mit Top Teams. Sie sind diejenigen, die die Leistung von allem weiter pushen. Aus der Sicht war es eine tolle Erfahrung.
Auf welchen Bereich müsst ihr euch jetzt besonders konzentrieren?
Paul Hembery: Ein Bereich, mit dem wir zufrieden waren, war der Vorderreifen. Jeder hat gesagt, dass er den Vorderreifen genossen hat. Jetzt müssen wir das mit dem Hinterreifen balancieren. Dort müssen wir Feintuning machen. Wir wussten das, bevor wir herkamen, denn anhand der Daten sahen wir, dass wir die Arbeit am Hinterreifen fortsetzen müssen. Dieser Test hat das bestätigt. Es geht aber um Feintuning und keinen substantiellen Neuentwurf.
Können Sie aufgrund des Verhaltens der Mischungen auf dieser Strecke Schlüsse darüber ziehen, wie sie sich auf anderen Strecken verhalten werden? Und lässt sich sagen, in welche Richtung man mit welcher Mischung gehen soll?
Paul Hembery: Es war eine große Hilfe, denn wir konnten bei wärmeren Bedingungen arbeiten. Das hat uns in Europa gefehlt. Darum gehen wir auch noch nach Bahrain, wo es wärmer sein wird. Das war für uns sehr wichtig. Wir müssen nächstes Jahr einiges lernen. Es wäre naiv und arrogant von uns, zu glauben, dass wir nach diesem Test nächstes Jahr bei jedem Event die perfekte Reifenwahl haben werden. Aber nach der jetzigen Arbeit werden wir viel näher dran sein. Es ist unser Hauptziel, die Werte unserer Mischungs-Wahl einzugrenzen. Wir wissen jetzt, was in vorigen Jahren vom vorigen Reifenhersteller eingesetzt wurde und jetzt kennen wir unseren Level im Vergleich zu ihnen. Wir werden daher die theoretische Reifenwahl durchaus hinbekommen. Wir werden also mit soft, supersoft, medium und hard kommen, wie wir das für richtig halten. Theoretisch ist das nun aussortiert. Jetzt muss man natürlich die praktische Situation abwarten, aber das kommt durch Erfahrung, wenn man fährt.

Wenn man hier morgen ein Rennen mit euren Reifen fahren würde, wie viele Boxenstopps müssten die Fahrer machen?
Paul Hembery: Man darf nicht vergessen, diese Chassis wurden für andere Reifen entworfen. Den Medium, den wir hier dabei hatten, würden wir wohl nicht einsetzen, aber auf dem weichen können sie schon 25 bis 28 Runden fahren - und das ohne lange Arbeit mit unserem Produkt. Es können also so 35 Runden daraus werden, wenn man das Chassis ausbalanciert hat.
Ihr hattet zwei Defekte am gleichen Auto. Was war da los? Gestern meintet ihr, ein Teil hätte den Reifen aufgeschlitzt...
Paul Hembery: Ja, gestern hatten wir deswegen einen Plattfuß. Auch heute gab es einen kleinen Luftaustritt, aber das war Teil der Arbeit, die wir mit dem Team machten. Da ging es darum, die Kombination zwischen Reifen und Auto zu testen. Aber beide Male ging ein Teil durch den Reifen, als die Luft auszutreten begann. Wir haben ähnliche Arbeit auch mit den anderen Teams gemacht, aber dort war es vielleicht nicht so offensichtlich, was wir taten. Manchmal will man einfach die Limits ausschöpfen, um zu sehen, wie weit unser Produkt im Vergleich zu früher funktioniert. Das ist Teil der Arbeit.
Der Plattfuß heute war also eher erwartet?
Paul Hembery: Ich würde nicht sagen, erwartet. Aber es ist Teil der Lehr-Erfahrung. Wir hatten das nur mit Red Bull.
Lag das daran, dass sie mehr Abtrieb haben?
Paul Hembery: Ich weiß nicht und ich denke, es ist vertraulich, was wir uns dort ansehen. Aber die Arbeit mit ihnen und all den Teams läuft toll. Jeder war sehr hilfreich und wir machen uns keine Sorgen. Wir schneiden uns nicht die Handgelenke auf, sondern sind sehr glücklich. Wir freuen uns, was wir nach drei Monaten erreicht haben. Einige der Teams waren überrascht, wie gut wir nach der kurzen Zeit waren. Mit den Informationen von hier werden wir jetzt noch einen großen Schritt machen, bis wir im Februar alle wiedersehen.
Zwischen hier und Februar sind aber auch noch Ausfahrten geplant...
Paul Hembery: Es geht nach Bahrain und im Januar kommen wir wohl wieder hierher für Regentests. Wir haben herausgefunden, dass wir die Strecke nass machen und unter Flutlichtern fahren können. Daher kommen wir her. Wir hatten in Europa einfach noch nicht die Chance, etwas wie Malaysia oder Singapur mit Regen zu simulieren, denn in Europa gab es bislang keinen warmen Regen. Wir haben im Kalten gearbeitet. In Spa hatte es im August 15 Grad und Silverstone war im Regen auch nicht wärmer. Aber Malaysia oder Singapur ist mit 30 Grad doch eine andere Herausforderung. Also werden im Januar hier ein paar Verrückte sein, die unter den Lichtern mit Wassertanks herumlaufen und ein Formel-1-Auto testen. Es wird eine neue Erfahrung, aber wir dachten, es lohnt sich, das zu probieren, weil das doch eine ganz andere Herausforderung ist.

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