Die Formel-1-Stars hatten keine Chance. Selbst die Königsklasse des Motorsports ist gegen zu viel Wasser auf der Strecke chancenlos. "Sogar das Safety Car hatte Aquaplaning, unsere Autos schwimmen nur auf - man kann sie nicht kontrollieren", betonte Jenson Button. "Unter diesen Bedingungen wäre es eine Lotterie gewesen", bestätigte Sebastian Vettel. "Da ist es nur eine Frage der Zeit, wann einer von der Strecke segelt."

Somit fand das Qualifying nach gut anderthalb Stunden Wartezeit ein Ende ohne verrichtete Zeitenjagd. Der unaufhaltsame Regen und die Wassermassen auf der Bahn in Suzuka verhinderten, dass das Qualifying am Samstagvormittag stattfinden konnte. Stattdessen wurde es auf Sonntag, 10:00 Uhr Ortszeit (3:00 Uhr MESZ) verlegt.

"Wir können zwar die Bodenfreiheit erhöhen, damit wir nicht mit dem Unterboden aufschwimmen, aber ab einer gewissen Wassermenge schwimmen eben die Reifen auf, weil sie das Wasser nicht mehr verdrängen können", erklärt Nick Heidfeld. "Ein anderes großes Sicherheitsproblem ist die Sicht in der Gischt. Wenn bei so einem Wetter 24 Autos in Q1 unterwegs sind und sich einer dreht, hat keiner eine Chance, ihm auszuweichen."

Bridgestone stimmte der Entscheidung zu: "Unser Regenreifen kann 61 Liter Wasser pro Sekunde verdrängen, wenn er mit 300 km/h an einem F1-Auto gefahren wird, aber heute Nachmittag gab es selbst für diese Reifen zu viel Wasser."

Regenwahrscheinlichkeit weiter gegeben

Die Absage und Verschiebung bedeutet jedoch nicht, dass das Qualifying am Sonntagvormittag trocken sein wird. So werden bis in die Nacht noch Regenschauer erwartet, bis 6:00 Uhr morgens soll das Niederschlagsrisiko 70 Prozent betragen. "Und dann muss das Wasser ja auch erst noch irgendwohin ablaufen", betont Vettel.

Das hieße, wenn das neu angesetzte Qualifying über die Bühne geht, könnte es durchaus noch feucht auf der Strecke sein. Deswegen hat die FIA auch für 9:30 Uhr Ortszeit eine Streckeninspektion angesetzt, um sicherzustellen, dass der Kurs sicher ist.

Sollte das Qualifying ganz abgesagt werden, wäre Jenson Button der Gewinner des Wetterchaos. Der Grund: Laut Reglement bestimmt im Falle einer Qualifying-Absage die Startnummer die Startposition, womit Button als amtierender Champion von der Pole Position ins Rennen gehen würde. McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton würde ebenfalls aus der ersten Startreihe starten, während Favorit Red Bull das Rennen "nur" aus der dritten Startreihe in Anlauf nehmen könnte.

Vor- und Nachteile

Lewis Hamilton erhält neue Flügelendplatten, Foto: Bridgestone
Lewis Hamilton erhält neue Flügelendplatten, Foto: Bridgestone

Hamilton profitiert aber auch schon von der Verschiebung: Bis Sonntagvormittag wird sein Auto noch einmal genau gecheckt - der Parc-Fermé greift erst nach dem Qualifying. Erst während des 3. Trainings trafen am Samstag Ersatzteile aus England ein. Der Brite hatte sein Auto am Freitag bei einem Unfall beschädigt. Danach musste sein Chassis gewechselt werden - für den Flügel wurden neue Endplatten aus der Fabrik angefordert. Auch Red Bull freut sich. Im Trockenen ist der Performance-Vorteil größer als im Nassen. Zwar meint Vettel, dass sein Auto im Nassen und im Trockenen vorne dabei sei, aber Berater Helmut Marko betonte: "Der Regen bringt uns mehr Nachteile."

An der Herangehensweise für den Sonntag ändert sich bei den Teams nicht viel. "Ich werde zeitig ins Bett gehen, um gut erholt in den Tag zu starten", sagt Vettel. "Ansonsten schaue ich mir noch etwas die Daten von gestern und den Vorjahren an, um optimal vorbereitet zu sein - was auch immer uns erwarten mag."

Das Briefing vor dem Zeittraining beginnt um 7:30 Uhr Ortszeit, bevor um 10:00 Uhr dann gefahren wird. Die Nachbesprechung wird mit dem Taktik-Briefing für das Rennen kombiniert. Lang wird der Tag trotzdem für alle und wenn im Qualifying ein Unfall passiert, der größere Reparaturen verlangt, könnte es richtig eng werden.