Die Ehe zwischen Timo Glock und Virgin Racing ist keine einfache. Immer wieder kommt es am Auto zu Problemen, oft ist es das Getriebe, dann teilweise etwas anderes. Doch es geht mit dem Team auch vorwärts, wobei das Qualifying am Hockenheimring beinahe die perfekte Verschmelzung bot. Glock konnte Hauptkonkurrent Lotus ein wenig Druck machen, wusste allerdings bereits, dass er wegen eines Getriebewechsels fünf Startplätze verlieren wird. Daher durfte er nach dem Zeittraining auch wieder darüber reden, wie es im Winter denn dazu kam, dass er ausgerechnet bei Virgin landete.

"Es waren im Winter vielleicht Alternativen da. Aber zu der Zeit, wo ich die Entscheidungen treffen musste, damit gewisse Möglichkeiten nicht wegfielen, waren einige Dinge nicht so wirklich klar. Viele Teams wussten nicht, wie die Zukunft aussieht. Da gab es nicht so wirklich gute Alternativen. Zu dem Zeitpunkt, als ich meine Entscheidung treffen musste, war es schwierig. Wenn man jetzt über hätte, wäre und wenn nachdenkt, schadet man sich nur selbst", erklärte Glock. Er sah aber durchaus positive Dinge, so hatte das große Aerodynamik-Paket in Silverstone funktioniert und neue Teile am Hockenheimring ebenfalls. Damit hatte Glock für sich und alle Zweifler die Bestätigung, dass es auch ohne Windkanal und nur mit CFD funktioniert.

Zu Anfang haben alle Probleme

"Das sind Punkte, die mir sagen, das motiviert mich weiter, um mit dem Projekt Schritt für Schritt nach vorne zu gehen. Die Aerodynamik-Abteilung will mit einem weiteren Paket noch einen Schritt nachlegen. Der soll so groß sein wie zwischen hier und Silverstone. Das wäre ein großer Schritt für uns", sagte Glock. Wichtig war es ihm, das Team so aufzustellen, dass es in Zukunft den vollen Nutzen aus CFD ziehen kann. Denn wie bei jedem jungen Rennstall tauchen auch bei Virgin immer wieder Probleme auf. "Das sah man bei Red Bull, als sie sich entwickelt haben. Da gab es viele kleine Probleme. Bei Ferrari hat es auch eine Zeit gedauert. Es gibt viele Teams, die eine lange Zeit brauchen und wir sind im ersten Jahr", betonte er. Auch bei Toyota, das sehr viel mehr Ressourcen hatte, habe es Zeit und Geduld gebraucht, meinte er.

Daher will er das erste Jahr mit dem Team nutzen, um alles auszusortieren und die richtige Struktur zu schaffen. Für kommendes Jahr gibt es laut Glock auch schon einige Ideen, wie gewisse Baustellen - etwa das Getriebe - in eine einfache Richtung gelenkt und dann neu aufgestellt werden sollen. Derweil wird auch an diesem Jahr noch gearbeitet. Da auf das Rennen in Ungarn kommende Woche die Grands Prix in Spa und Monza folgen, wo ein spezielles Abtriebs-Niveau gefahren wird, rechnete Glock damit, dass in Singapur wieder ein Fortschritt aufs Auto kommt. Der F-Kanal, der kommendes Jahr wieder verboten wird, ist für das Team dabei kein Thema. Dafür wird ein Blick auf Diffusor-Lösungen geworfen und auch schon ein paar Varianten am Computer simuliert.

Die Nummer 1

Bei all diesen Dingen hat Glock nun deutlich mehr Mitspracherecht als noch bei Toyota und mittlerweile auch einige Erfahrung auf dem Gebiet. "Sie hören schon stark auf meine Aussagen. Das hat bislang gut funktioniert und wir haben das Auto deutlich weitergebracht. Natürlich ist es aber schwierig, ein Auto weiterzuentwickeln, wenn man viele technische Probleme hat", sagte Glock und war damit wieder am Anfang der Diskussion angekommen. Er gab zu, dass er sich zwischendurch zusammenreißen und die Emotionen etwas abkühlen lassen muss, wenn wieder einmal etwas kaputtgeht. "Im Cockpit ist es ja so, dass man sich schneller zu Aussagen hinreißen lässt, die man im Nachhinein lieber nicht gemacht hätte. Das hat man bei den letzten Rennen ja gesehen", sagte er in Anspielung auf Mark Webbers Aussagen nach dem Sieg in Silverstone. In diesem Punkt konnte Glock aber sagen, dass er die Nummer 1 im Team ist und er im Zweifelsfall neue Teile zuerst bekommt, sollte es nicht genug für beide Fahrer geben.