Es ging ganz schnell. "Nach 70 Sekunden war alles vorbei", erinnert sich Mark Webber. "Alles war gut, er zog raus, wo war er? Bang. Shit, was ist passiert? Das war es." Alles sei ganz schnell gegangen. "Ihr hattet zehn Tage, um es zu analysieren, wir hatten nur 70 Sekunden im Rennen." Gemeint ist natürlich die Kollision zwischen Webber und seinem Teamkollegen Sebastian Vettel in Istanbul.

Zum ersten Mal seit dem Unfall traten am Donnerstag in Montreal beide Fahrer vor die Mikrofone. "Ich bin absolut darüber hinweg", sagt Webber mit starker Betonung. Ein Fahrer wolle nie eine Kollision haben, schon gar nicht mit dem eigenen Teamkollegen. Webber habe am Montag nach dem Rennen einen Anruf von Dietrich Mateschitz erhalten und dessen Meinung akzeptiert. "Er war wie immer zu mir, in guten wie in schlechten Zeiten", verrät er. "Sehr fair, loyal und gut zu mir."

Auch in Zukunft Gegner auf der Strecke

Konfusionen habe es überhaupt keine gegeben. "Es war ganz klar", so Webber. Er musste den Motor herunterdrehen, um Benzin zu sparen. Vettel sparte im Windschatten mehr. "Ich wusste, dass er hinter mir war. Wir haben gegeneinander gekämpft und wissen, was dabei herauskam."

Welchen Anteil die Erfahrung dabei spielte, möchte Webber nicht beurteilen. Er sagt nur so viel: "Seb ist noch nicht 33, ich war aber schon 21. Ich habe mehr Erfahrung, aber was er in seinem Alter bereits erreicht hat, ist unglaublich." Dennoch konnte er den Rückschlag wegstecken. "Ich hatte schon härtere Tage in meinem Leben als diesen." Vergessen hat er Istanbul nicht. "Ab dem Montag fühlte ich nicht mit mir, sondern mit dem Team."

Zurückstecken wird Webber in Zukunft nicht. "Die Fans wollen, dass die Fahrer gegeneinander kämpfen", betont er. Wenn ein Topteam alle zwei Wochen an der Spitze fahre, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man wieder aufeinandertreffen werde. "Wir werden weiter gegeneinander fahren. Manchmal ist man dabei vorsichtiger und es passiert trotzdem etwas."

Als Formel-1-Fahrer müsse er ständig Entscheidungen treffen. "Egal ob ich um die Führung kämpfe oder Chandhok überrunde", sagt Webber. "Die meiste Zeit meiner Karriere traf ich die richtigen Entscheidungen." Manchmal passiert aber eben auch so etwas wie in der Türkei.