Das war ein teurer Spaß: Das Mercedes-Team Landgraf um Tabellenführer Lucas Auer ist beim DTM-Rennwochenende auf dem Red Bull Ring zu einer Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro verdonnert worden. Stinkefinger in Spielberg! Die tatsächlichen Hintergründe zu diesem Vorfall, den nur wenige Beobachter mitbekamen, sind allerdings mehr als kurios.

Tatort: Boxengasse, 1. Freies Training am Freitagvormittag. Als Arjun Maini mit seinem Ford Mustang GT3 von HRT gerade durch die Boxengasse fuhr und die Garage der Landgraf-Mannschaft passierte, schickte ein Mitarbeiter des Mercedes-Rennstalls den berüchtigten Mittelfinger als 'freundlichen Gruß' mit auf die Reise.

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Mittelfinger-Gruß unter Freunden

Gab es etwa Stress zwischen dem Landgraf-Mann und Maini, der als einer der entspanntesten Typen im gesamten Fahrerlager gilt? Mitnichten! Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: Der Landgraf-Mitarbeiter und Maini sind in Wahrheit gute Freunde. In der DTM-Saison 2024 war der 'Mittelfinger-Mann' sogar als Renningenieur für Maini bei HRT, letztes Jahr noch mit Mercedes-AMG im Einsatz, angestellt.

Dennoch kamen die Protagonisten nicht um eine Anhörung vor den Sportkommissaren herum. Zwar erkannten die SpoKos an, dass der Mittelfinger-Gruß als kleiner Spaß unter Freunden gedacht war, sahen ihn dennoch als ein unsportliches Verhalten an und verhängten 5.000 Euro Geldstrafe. Als Entgegenkommen wurde die Hälfte der Summe, also 2.500 Euro, bis zum Saisonende zur Bewährung ausgesetzt und muss nur im Wiederholungsfall geblecht werden.

Den Sportkommissaren in Spielberg war beim Ausgang dieses Vorfalls nicht ganz wohl, wie Motorsport-Magazin.com aus unterschiedlichen Kreisen erfahren hat. Kein Wunder: In der DTM-Saison 2024 blieben andere Mittelfinger-Gesten (Vermeulen gegen Rast in Oschersleben und Pepper gegen Rast am Sachsenring), die nach Rennkollisionen aus dem Eifer des Gefechts heraus gezeigt wurden, ohne größere Folgen, für Vermeulen und Pepper gab es lediglich mündliche Ermahnungen.

Beim Spielberg-Vorfall kam erschwerend hinzu, dass der nett gemeinte Mittelfinger in der Livestream-Übertragung des Trainings für die Öffentlichkeit überhaupt nicht zu sehen war. Lediglich auf dem internen Strecken-Footage war die Szene in der Boxengasse sichtbar. Ein umstehender Aufpasser meldete den Vorfall an die Rennleitung, die sich daraufhin die Bilder anschaute.

Arjun Maini in der DTM
Arjun Maini startet dieses Jahr auf einem Ford Mustang GT3 von HRT, Foto: IMAGO/Eibner

Bei Stinkefingern versteht die FIA keinen Spaß

Die Sportkommissare richteten sich in ihrer Entscheidungsfindung nach dem 2025 veröffentlichten Strafenkatalog der FIA, also dem Motorsport-Weltverband. In diesen öffentlich einsehbaren Richtlinien allen voran für die Formel 1 ist festgehalten, dass bestimmte Fehlverhalten im öffentlichen Raum - dazu zählt auch die Boxengasse - mit bis zu 5.000 Euro bestraft werden sollen, je nach Schwere des Vergehens.

Landgraf-Teamchef Klaus Landgraf sagte zu Motorsport-Magazin.com: "Es war Freitag, es spielte sich zwischen den beiden (Ingenieur und Maini; d. Red.) ab und beide haben gesehen, dass es ein Spaß war. Andererseits befinden wir uns in einem Sport, der in den Medien sehr weit transportiert wird, dann gehört so etwas nicht dorthin. Ich glaube, dass es eine Verwarnung auch getan hätte."

Eine durchaus diskutable Angelegenheit, wenn man unterschiedliche Strafen miteinander vergleicht: Für den Mittelfinger wurden 5.000 respektive tatsächliche 2.500 Euro fällig, während ein nicht korrekt eingeschalteter Feuerlöscher im Rennauto (bei Glocks Dörr-McLaren im Qualifying) mit 3.000 Euro Geldbuße zu Buche schlägt. Übrigens: Die Landgraf-Truppe wurde in Spielberg ein weiteres Mal zur Kasse gebeten. Ein Teammitglied, das in der Boxengasse weder den vorgeschriebenen Helm noch Rennoverall trug, kostete noch mal 1.500 Euro.

Von Spengler bis Glock: Stinkefinger-Anekdoten aus der DTM

Stinkefinger haben in der mehr als 40-jährigen DTM-Geschichte übrigens eine 'schöne' Tradition. In der alten DTM wurde häufiger gerne mal mit dem Mittelfinger gegrüßt, in der Neuzeit aber ebenso. Etwa 2013 auf dem Lausitzring, also Bruno Spengler seinem Audi-Rivalen Mattias Ekström wutentbrannt aus dem Cockpit heraus den Finger zeigte - 1.000 Euro Strafe. Ekström verschmitzt: "Das zahlt der doch aus der Portokasse."

Oder 2017, als Timo Glock, damals noch bei BMW, im Zandvoort-Qualifying komplett ausrastete, seinen Strecken-Rivalen Edo Mortara (Mercedes) am Funk beschimpfte, auf der Strecke ausbremste und der versammelten Benz-Mannschaft in der Boxengasse den Mittelfinger entgegenstreckte. Für die Selbstjustiz auf der Strecke wurde Glock disqualifiziert, der Stinkefinger kostete obendrein 3.000 Euro. Glock entschuldigte sich im Nachgang öffentlich.