"Das hätte ich nicht erwartet", lautete Ricardo Fellers (Land-Audi) Urteil nach seiner Podiumsplatzierung in der laufenden DTM-Saison auf dem Nürburgring. Der Schweizer verbesserte sich vom elften Startplatz in die Top-3 und musste sich nur den beiden Ferrari von Emil Frey Racing geschlagen geben. Für Land Motorsport war es das erste Podium ihrer jungen DTM-Geschichte.

Aber wie kam Feller überhaupt so weit nach vorne? Im Startchaos konnte er sich bereits auf P9 verbessern, nach dem Restart in Folge einer frühen Safety-Car-Phase setzte er sich danach sehenswert gegen Marco Wittmann durch. Ein Dreher von Nicki Thiim brachte Feller auf den siebten Platz. Der entscheidende Coup: Als das Pflicht-Boxenstoppfenster in Runde 14 aufging, war Feller der Erste, der sich neue Reifen abholte.

"Wir hatten von P11 nichts zu verlieren, deswegen haben wir bewusst eine aggressive Strategie gewählt", sagte er nach dem Rennen zu Motorsport-Magazin.com. Das Risiko lohnte sich: Kein anderer Pilot aus der Spitzengruppe reagierte auf seinen frühen Boxenstopp. Damit hatte Feller freie Fahrt und konnte seine frischen Reifen in freier Fahrt optimal nutzen.

"Sie haben vorne auch gekämpft, dadurch sind sie langsamer geworden. Ich konnte dann ohne Zwischenfälle schnelle Rundenzeiten fahren. Das hat uns nach vorne gespült", erklärte Feller. Als Pole-Setter und Spitzenreiter Jack Aitken nach Runde 22 aus der Box kam, war der Audi mit der Nummer #39 plötzlich direkt hinter ihm.

Feller in Führung: "War ein schönes Gefühl"

"Ich hatte Ricky [Feller] nicht auf dem Schirm. Als sie mir am Funk dann gesagt haben, dass ich gegen ihn kämpfen müsste, war ich überrascht. Als ich aus der Box kam, war er direkt in meinem Rückspiegel", beschrieb Nürburgring-Sieger Aitken das Duell. Es dauerte nur wenige Kurven, bis sich der Audi R8 an Aitkens Ferrari vorbeischob.

Für Feller war seine Position ebenso eine Überraschung. Ihm wurde erst klar, dass er das Rennen anführte, als er an Aitken vorbeiging. "Ich habe nicht erwartet, dass ich plötzlich an der Spitze kämpfe. Mein Ingenieur hat es mir natürlich am Funk gesagt: 'Wir führen jetzt das Rennen an.' Das war ein schönes Gefühl, nach einer langen Zeit", so der Land-Pilot.

Feller konnte mit seinen warmgefahrenen Reifen zunächst einen guten Vorsprung aufbauen. Aber als die Reifen des Emil-Frey-Ferrari ihr Arbeitsfenster erreicht hatten, holte Aitken Schritt für Schritt auf. Und die 18 Runden alten Pneus auf dem Audi konnten nicht mehr mithalten. Beide Emil-Frey-Boliden, auch der des Zweitplatzierten Ben Green, gingen 14 Minuten vor Schluss an Feller vorbei.

"Ich habe gehofft, ich könnte verteidigen, aber der Unterschied war einfach zu hoch. Ich habe nicht ganz so aggressiv verteidigt, wie ich vielleicht gekonnt hätte, aber ich hätte zu viel Zeit verloren", schilderte der Schweizer. Denn Feller musste sich jetzt nicht mehr nach vorne, sondern nach hinten orientieren. Marco Wittmann (Schubert-BMW) lauerte bereits in seinem Windschatten.

Der BMW ist bekannt für seinen beeindruckenden Speed auf der Geraden. Doch zur Freude von Land-Motorsport war Wittmann ebenfalls mit Platzverteidigung beschäftigt. Jordan Pepper konnte den BMW-Piloten fünf Minuten vor Schluss überholen, da hatte sich Feller aber schon zwei Sekunden Vorsprung herausgefahren. Sein Podium war sicher, für den Sieg reichte es nicht.

Land hat Podiumsluft geschnuppert und möchte höher hinaus

Für Feller ist es das beste Ergebnis des Jahres. Nach einem bescheidenen Saisonstart ist er jetzt nicht nur stolz auf sich, sondern auch auf sein Team: "Die haben einfach alle Vollgas gegeben. Die haben trainiert, Details und Abläufe verbessert. Das war heute voll und ganz der Verdienst des Teams."

Auch Teambesitzer Wolfgang Land ist zufrieden mit dem Resultat und fand im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com lobende Worte für seine Truppe. "Es ist ein hervorragendes Ergebnis, das bedeutet uns im Moment sehr viel. Es sind schon ein paar Korken geknallt und das wird heute Abend noch ein bisschen so weitergehen", ließ er wissen.

Ricardo Feller auf dem DTM-Podium
Der Champagner auf dem Podium wird heute nicht der letzte für Land Motorsport sein, Foto: IMAGO/Pakusch

Doch auf den Lorbeeren ausruhen will sich Land-Motorsport nicht. Zu Anfang der Saison hieß es noch, dass eine Podiumsplatzierung das Ziel wäre. Nun hört sich das schon etwas anders an: "Wenn man sein erstes DTM-Rennen anführt und die ersten Führungskilometer hat, steckt man ab sofort das Ziel ein bisschen höher. Man möchte das Rennen gerne gewinnen", visierte Land das nächste Ziel an.

Ein Rennsieg für die Land-Mannschaft steht auch ganz oben auf Fellers Wunschliste. Möglichkeiten dafür könnte es auf dem Sachsenring oder in Hockenheim geben, wie er meinte. Oder möglicherweise schon auf dem Nürburgring? "Hier wird das wahrscheinlich am schwierigsten. Aber schauen wir einmal", blieb Feller realistisch. Aufgeben sei aber keine Option, so Wolfgang Land: "Wir haben jetzt Podiumsluft geschnuppert, wir werden kämpfen."

Das Rennen verpasst? Oder war es so gut, dass du es noch einmal schauen musst? Das kannst du hier im kostenlosen Stream!

DTM-Livestream Nürburgring 2025: Rennen 1 heute Live (02:00:00)