Es ist eine von zahlreichen Überraschungen vor dem Beginn der DTM-Saison 2022: Der amtierende Meister Maximilian Götz verlässt das Mercedes-AMG-Team HRT und wechselt zu Winward, das ebenfalls Mercedes-AMG GT3 einsetzt. Bei der Mannschaft aus Altendiez, in Deutschland besser bekannt unter dem Namen 'HTP', trifft er mit Lucas Auer auf einen neuen Teamkollegen.

Bemerkenswert: Es war ausgerechnet der Österreicher, der Götz beim letztjährigen Saisonfinale auf dem Norisring auf dem Weg zur Meisterschaft unterstützte. Jetzt kann sich das Team freuen, 2022 mit der Meister-Startnummer #1 anzutreten, die Götz vom Haupt Racing Team mitnehmen wird. Die Mannschaft des früheren DTM-Piloten Hubert Haupt startet dieses Jahr mit zwei Neuzugängen: Auf Götz und Vincent Abril folgen der Inder Arjun Maini und AMG-Spezialist Luca Stolz.

Götz-Wechsel "aus strategischen Gründen"

Warum genau es zum Meister-Wechsel innerhalb der Kundenteams von Mercedes-AMG kam, wollte bislang niemand so Recht erklären. Die Affaltberbacher selbst sprachen nur von "strategischen Gründen", ohne dabei ins Detail zu gehen. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis alle Hintergründe zu dieser doch überraschenden Entscheidung ans Tageslicht kommen.

Auch der frühere Mercedes-DTM-Teamchef und heutige HRT-Geschäftsführer Uli Fritz wollte sich zunächst nicht in die Karten schauen lassen und hielt sich an die Erklärung aus Affalterbach: "Bei unserer zusammen mit Mercedes-AMG getroffenen Fahrerentscheidung für die DTM Saison 2022 spielten strategische Aspekte eine Rolle."

Eine Rückkehr von Champion Götz zum Team wollte Fritz im gleichen Zuge nicht ausschließen: "Mit Maximilian Götz verbindet uns nicht nur der großartige, gemeinsame Erfolg der letzten Saison, sondern ich bin mir sicher, dass wir ihn auch zukünftig wieder in einem HRT Cockpit sehen werden. Bis dahin danken wir Max herzlich für die Zusammenarbeit des letzten Jahres und wünschen ihm eine erfolgreiche DTM-Saison."

Götz weist Medien-Spekulationen scharf zurück

Bei der Entscheidung dürften unterschiedliche Gründe eine Rolle gespielt haben, schließlich sind bei kostenaufwendigen Großprojekten wie der DTM neben den Herstellern und Teams auch Sponsoren beteiligt. So hat Mercedes-AMG die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem aus der Formel 1 bekannten Unternehmen BWT aus Österreich bekanntgegeben, mit Götz als einem der Botschafter.

Medienberichte, nach denen ausgerechnet HRT-Chefingenieur Renauld Dufour sich trotz des DTM-Titelgewinns gegen den Verbleib von Götz bei HRT ausgesprochen hätte, hatte Götz schon am Rande des diesjährigen 24-Stunden-Rennens in Daytona gegenüber Motorsport-Magazin.com entschieden zurückgewiesen: "Bullshit! Wir haben intern über das Thema gesprochen und es ist Quatsch, was da geschrieben wird."

Götz und HTP/Winward: Gemeinsame Vergangenheit

Mit Götz erhält das Team Winward nun einen Fahrer mit gemeinsamer und durchaus erfolgreicher Vergangenheit. 2013 gewann der Uffenheimer auf einem HTP-Mercedes das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps, 2014 holten sie den Titel in der Sprint-Wertung der heutigen GT World Challenge. Von 2017 bis 2020 ging Götz für die Truppe durchgängig im ADAC GT Masters an den Start. Seinen Titelgewinn von 2012 konnte er nicht wiederholen, dafür aber dritte und vierte Gesamtplätze.

"Ich freue mich über meine Rückkehr zu Winward Racing", sagt Götz, den drei Siege, acht Podestplätze und zehn Top-5-Platzierungen zum DTM-Titel 2021 führten. "Mit der aus HTP Motorsport hervorgegangenen Mannschaft verbinde ich großartige Erfolge und eine langjährige Freundschaft. Nun mit der Startnummer 1 zu WWR zurückzukehren, ist für mich eine sehr emotionale Sache und ein echtes Privileg."

Winward-Teamchef: Zwei der schnellsten Fahrer im Feld

Götz und Auer kennen sich ebenfalls seit vielen Jahren, für Mercedes-Benz gaben sie 2015 ihr Debüt in der DTM. Auer schloss die vergangene Saison mit zwei Siegen und insgesamt vier Podestplätzen auf dem fünften Gesamtplatz ab. Götz: "Mit Luggi habe ich einen extrem starken Teamkollegen, dem ich vertrauen kann. Wir kennen uns ja schon einige Jahren und werden uns gegenseitig pushen."

Zwei der schnellsten Rennfahrer im gesamten Feld habe man in den eigenen Reihen, war Winward-Teamchef Christian Hohenadel nach dem überzeugenden DTM-Debüt des Teams überzeugt: "Wobei ich sicher bin, dass wir alle noch mehr aus uns herausholen können. Und das werden wir auch müssen, wenn wir in dieser hartumkämpften Rennserie bestehen wollen."

HRT: "Sehr wettbewerbsfähiges Paket"

Ob das Team HRT mit seinen beiden Neuzugängen an die bisherigen Erfolge in der Traditionsrennserie anknüpfen kann, wird sich noch zeigen. Der DTM-erfahrene Geschäftsführer Fritz sagt: "Wir sind überzeugt, dass wir mit Luca Stolz und Arjun Maini ein sehr wettbewerbsfähiges Paket für das Haupt Racing Team am Start haben werden."

Maini errang beim DTM-Debüt 2021 pünktlich zum Saisonfinale auf dem Norisring seinen ersten Podestplatz. Sein damaliges Mercedes-Team GetSpeed startet dieses Jahr nicht mehr in der DTM. In der aktuellen Winter-Saison der Asian Le Mans Series tritt der Inder vor seinem zweiten Jahr im GT3-Sport bereits für HRT an.

Stolz, der 2021 einen DTM-Gaststart mit Toksport WRT absolvierte, kennt das Team HRT aus der Vergangenheit. "Nach vier Jahren im GT-Sport werde ich zum ersten Mal alleine Rennen bestreiten, das ist für mich eine neue Herausforderung", sagt der 26-Jährige. "HRT hat letzte Saison insgesamt den besten Job in der DTM gemacht. Von daher bin ich natürlich glücklich, für das Team an den Start gehen zu dürfen."