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DTM

Wittich nicht mehr DTM-Rennleiter: Formel-E-Mann Elkins kommt

Die DTM erhält zur Saison 2022 einen neuen Rennleiter. Erfahrener Formel-E-Mann Scot Elkins übernimmt. So begründet Niels Wittich die Entscheidung.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Die Piloten der DTM und auch der DTM Trophy hören zukünftig auf das Kommando eines neuen Renndirektors: Scott Elkins ist im Motorsport kein unbeschriebenes Blatt.

Der 51-jhrige US-Amerikaner, der in diesem Jahr und auch zukünftig in der Formel E als Renndirektor tätig war und ist, übernimmt das bisherige Amt von Niels Wittich, der nach Informationen von Motorsport.Magazin.com auf eigenen Wunsch ausscheidet, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen.

Elkins bringt viele Jahre Erfahrung im Motorsport mit, als stellvertretender Renndirektor der Formel 1, der Formel 2 und der Formel 3 sowie zuletzt als Rennleiter der Extreme E. Seinen Job in der Formel E wird er auch 2022 ausüben. Elkins ist bereits seit 2016 in der Elektro-Rennserie tätig und genießt einen äußerst guten Ruf in der Branche.

Elkins: Bringe etwas anderen Ansatz mit

"Die DTM-Plattform bietet einzigartiges Racing mit nur einem Fahrer pro Auto und dem Start in DTM-Formation. Ich denke, ich bringe einen etwas anderen Ansatz durch meine Erfahrungen aus den USA mit, hoffe aber, dass sich dadurch nur wenig ändert und die Entscheidungen fair und konsistent bleiben", wird Elkins in einer Pressemitteilung der DTM-Dachorganisation ITR an diesem Donnerstag zitiert. "Für mich geht es im Rennsport vor allem um Menschen, deshalb freue ich mich darauf, im DTM-Umfeld neue Kollegen, Fahrer und Teams kennenzulernen."

Bei Kalender-Überschneidungen mit der FIA Formel E wird Elkins durch Oliver Grodowski als Renndirektor vertreten, was nach aktuellem Stand beim Saisonauftakt in Portimão (Portugal) sowie am Norisring der Fall ist. Elkins und Grodowski, der ebenfalls in der Formel E tätig ist, vertreten eine gemeinsame Philosophie und sind bereits jetzt in enger Abstimmung. Als Stellvertreter von Elkins wird Christian Vormann fungieren.

"Wir freuen uns sehr, mit Scot Elkins einen äußerst erfahrenen und auf internationalem Parkett anerkannten Renndirektor für die kommende Saison vorstellen zu können", sagt Lutz Leif Linden, Generalsekretär des sportlichen DTM-Ausrichters AvD. "Niels Wittich möchte ich herzlich für seinen Einsatz und die gute Zusammenarbeit danken. Seine hohe Kompetenz steht außer Frage und wir freuen uns, wenn sich unsere Wege wieder kreuzen."

Erfahrener Mann aus der Formel E: Rennleiter Scot Elkins übernimmt - Foto: voestalpine

"Elkins strahlt unglaubliche Präsenz aus"

Elkins, der in Indianapolis geboren ist und jetzt mit seiner Familie im kalifornischen Los Angeles lebt, bringt umfassende Fähigkeiten und Erfahrungen in den Bereichen operatives Management, strategische Planung und Team-Führung mit, die ihm als Renndirektor der DTM helfen.

"Scot Elkins strahlt eine unglaubliche Präsenz aus und zeigt enorm großes Engagement bereits bei der Vorbereitung der neuen Saison. Mit seiner ganzen Erfahrung wird er die DTM und die DTM-Trophy bereichern und prägen. Davon sind wir überzeugt", sagt Frederic Elsner, Director Event & Operations der DTM-Organisation ITR. "Für die international wachsende Plattform ist Scot Elkins die richtige Neuverpflichtung. Und auch mit Blick in die Zukunft sind wir uns sicher, dass er mit all seiner Expertise im elektrifizierten Motorsport eine Bereicherung für die weitere Entwicklung der DTM Electric ist."

Bereits in der vergangenen Woche hatte Scot Elkins bei der Überarbeitung des DTM- und DTM-Trophy-Reglements für die Saison 2022 seine Expertise eingebracht. Elkins wird auch bei den Testfahrten vom 4. bis 6. April in Hockenheim und am 26./27. April in Portimão vor Ort sein. Dort startet die DTM vom 29. April bis 1. Mai 2022 in ihre 35. Saison.

Wittich auf dem Sprung zur FIA

Motorsport.Magazin.com hat Niels Wittich am Donnerstag bei der Abnahme der Rallycross-Strecke am Nürburgring telefonisch erreicht, wo am kommenden Wochenende das WM-Finale der WRX über die Bühne geht.

Er hat bestätigt, was Motorsport.Magazin.com schon in Assen aus FIA-Kreisen gehört hat, nämlich, dass Wittich die DTM nach der inzwischen beendeten Saison wieder verlässt, um aus seiner Sicht "den nächsten Schritt" zu machen. Wittich selbst kann noch nicht offiziell bestätigen, welchen Job ihm die FIA angeboten hat, weil ein Vertrag noch nicht unterschrieben ist. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com aus FIA-Kreisen wird er seine mögliche neue Tätigkeit aber bereits in naher Zukunft antreten.

Wegen seiner Tätigkeit als Renndirektor in der FIA Formel-E-WM 2021 in Puebla und London wurde Niels Wittich beim DTM-Saisonauftakt in Monza und danach auch auf dem Lausitzring von Christian Vormann vertreten. Erstmals war Wittich als Renndirektor beim DTM-Event in Zolder und dann auch bei den restlichen Veranstaltungen im Einsatz.

Niels Wittich war 2021 Rennleiter der DTM - Foto: DTM

Wittich: Kein DTM-Abschied wegen Kritik

Seine Entscheidung, die DTM wohl in Richtung FIA zu verlassen, hat nichts mit der harten und teils auch unberechtigten Kritik an seiner Person zu tun. Wittich betont, dass ein Renndirektor im Motorsport vergleichbar mit einem Schiedsrichter im Fußball sei - und die stehen an jedem Wochenende im Kreuzfeuer von kritischen Journalisten.

Was Wittich bezüglich der Kritik an seiner Person anprangert ist die Tatsache, dass viele Medien nicht einmal wissen, wer die angeblich umstrittenen Entscheidungen tatsächlich fällt - nämlich die Sportkommissare. Bestes Beispiel ist das WEC-Saisonfinale in Bahrain, wo Renndirektor Eduardo Freitas in Absprache mit den FIA-Stewards eine ursprünglich von ihnen getroffene Entscheidung zurückgenommen hatte, weshalb das Porsche-GT-Werksteam fristgemäß einen Protest angekündigt hat, der später aber wieder zurückgenommen wurde.

Zu den von ihm verhängten und von einigen Medien kritisierten Fünf- und Zehn-Sekunden-Strafen in der DTM sagte Wittich: "Die waren so von den Beteiligten gewünscht, weil eine Durchfahrtstrafe viel härter ist." Mit anderen Worten: Für die Vorfälle auf dem Hockenheim- und Norisring gab es für Wittich gar keine Alternative.

"Die DTM-Saison 2021 war herausfordernd, sie hat mir aber sehr viel Spaß bereitet", meint Wittich abschließend. "Ich wünsche den Verantwortlichen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg."