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DTM

Nürburgring-Strafe: DTM droht zweites schwebendes Verfahren

Der Inder Arjun Maini wird beim DTM-Rennen auf dem Nürburgring nachträglich bestraft. GetSpeed kündigt Berufung an. Nächstes schwebendes Verfahren droht.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Zwischenfall mit Folgen: Beim Sonntagsrennen auf dem Nürburgring wurde Arjun Maini nachträglich mit einer 30-Sekunden-Zeitstrafe belegt. Damit verlor der erste indische DTM-Fahrer in Diensten des Mercedes-Kundenteams GetSpeed nicht nur den siebten Platz, sondern auch sein bis dato bestes Ergebnis in der Traditionsrennserie. Am Samstag hatte Maini als Zehnter seinen ersten Punkt in der DTM gesammelt.

Die nachträglich ausgesprochene Strafe der Rennleitung wollte das Team GetSpeed allerdings nicht akzeptieren und hat fristgerecht Berufung gegen das Urteil angekündigt, wie die ITR noch am Sonntagabend nach dem Rennen mitteilte.

"Wir sind mit der Entscheidung der Sportkommissare, Arjun für den Vorfall mit einer 30-Sekunden-Strafe zu belegen, nicht einverstanden", sagte Teamchef Adam Osieka an diesem Montag auf Nachfrage zu Motorsport-Magazin.com. "Aus diesem Grund haben wir angekündigt, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Diese werden wir fristgerecht binnen 96 Stunden nach Verkündung (des Urteils; d. Red.) einreichen." Weitere Details wollte Osieka wegen des schwebenden Verfahrens nicht verraten.

In ihrer Begründung warfen die Stewards dem DTM-Neueinsteiger Maini ein "gefährliches Manöver" vor. Aus der offiziellen Entscheidung mit der Nummer 110 geht hervor, dass Maini in der konkreten Situation nicht genügend Platz gelassen habe, sodass die #18 (Maxi Buhk) weiter in Richtung der Boxenmauer gedrückt worden sei und sie schließlich getroffen habe.

Drei Mercedes in Unfall involviert

Der Vorfall ereignete sich zu Beginn der zweiten Runde, als es auf der Start/Ziel-Geraden eng zuging zwischen den drei Mercedes-Piloten Maini (GetSpeed), Buhk (Mücke) sowie Lucas Auer (Winward). Maini zog im hinteren Teil des Feldes mit seinem Mercedes-AMG GT3 nach rechts rüber, wo Buhk fuhr. Auf dem Weg in die Boxenmauer wurde Buhk am Heck vom versetzt dahinter fahrenden Auer getroffen, wodurch er sich leicht nach rechts und damit in die Streckenbegrenzung drehte. Wenige Kurven später musste der 28-Jährige seinen Mücke-Mercedes abstellen.

Buhk war restlos bedient, nachdem er schon am Samstag, ebenfalls in der zweiten Runde und ebenfalls nach einer Kollision mit dem Österreicher Auer, ausgefallen war. "Zur allgemeinen gegenwärtigen Fahrweise in der DTM möchte ich mich nicht äußern, dazu sollte sich jeder Beobachter seine eigene Meinung bilden", ließ sich der permanente Mücke-Vertreter des ursprünglich eingeplanten Gary Paffett in seiner Pressemitteilung zitieren.

Auer beendete das achte Saisonrennen als Sechster, Maini überquerte die Ziellinie in einem zeitweise chaotischen Rennen mit neun Ausfällen unter den 23 gestarteten Autos als Siebter, bevor er nach Rennende die 30-sekündige Zeitstrafe kassierte. "Platz sieben ist mein bestes Saisonergebnis", wurde Maini in einer Pressemitteilung des Teams noch vor der Bestrafung zitiert. "Wir machen gute Fortschritte."

Verkettung unglücklicher Umstände?

Der Vorfall wird unter Szene-Kennern weiter heiß diskutiert. Ausgehend von den vorliegenden TV-Aufnahmen gelangten manche zu dem Schluss, dass es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände handelte beziehungsweise um einen Renn-Zwischenfall. Demnach sei nicht Maini für Buhks Mauereinschlag verantwortlich gewesen, weil er zwar neben ihm gefahren, aber ausreichend Platz gelassen habe.

Maini habe dabei nicht Auers Mercedes rechts im toten Winkel sehen können, der schließlich durch einen Kontakt mit der Front seines Autos mit Buhks Heck für dessen Dreher sorgte. Eine Vermutung lautete: Hätte Auer in diesem Moment das Gaspedal gelupft, hätte Buhk ihn nicht getroffen sich nicht gedreht. "Dafür kann man Maini maximal eine Verwarnung geben, eigentlich aber gar keine Strafe", urteilte ein regelkundiger GT3-Experte im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com, der nicht genannt werden möchte.

Schon am Samstag auf dem Nürburgring verteilte die Rennleitung nachträglich eine 30-Sekunden-Zeitstrafe. In diesem Fall kostete sie Gaststarter Luca Stolz im Toksport-Mercedes den zweiten Platz auf dem Podest. Der GT3-Spezialist hatte im Rennen auf dem Weg zu seinem Pflicht-Boxenstopp einen am Boxenplatz davor wartenden Mechaniker des Mercedes-Kundenteams GruppeM-Racing versehentlich am Fuß erwischt. Das Teammitglied musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, konnte mit starken Prellungen und einer Stauchung am gleichen Abend aber an die Strecke zurückkehren.

DTM droht zweites schwebendes Verfahren

Sollte das Team Getspeed wie angekündigt fristgerecht Berufung gegen das Maini-Urteil einlegen, kommt es zu einem weiteren schwebenden Verfahren in der laufenden DTM-Saison. Noch immer offen ist der Ausgang rund um den Wertungsausschluss von Vincent Abril beim Saisonauftakt in Monza.

Wegen einer aus seinem HRT-Mercedes entnommenen Benzinprobe, die nicht mit der in Monza hinterlegten Referenzprobe des ausgegebenen Kraftstoffs übereingestimmt haben soll, wurde Abril von den Sportkommissaren des AvD (Automobilclub von Deutschland), dem neuen Sportorganisator und sportlichen Ausrichter der DTM, von beiden Qualifyings und beiden Rennen disqualifiziert. Das Team HRT unter der Leitung von Geschäftsführer Uli Fritz, ehemaliger HWA-Vorstand und Mercedes-DTM-Teamchef, legte Berufung ein.

Abril hatte das Auftaktrennen von der Pole Position (3 Meisterschafts-Punkte) aufgenommen und auf dem zweiten Platz (18 Meisterschaftspunkte) beendet. Am Sonntag blieb der Monegasse punktelos auf dem italienischen Kurs.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ist die Verhandlung im 'Fall Monza' vor dem Berufungsgericht des DMSB (Deutscher Motor Sport Bund) in Frankfurt für den 09. September 2021 angesetzt. Dann soll der Vorfall endgültig entschieden werden. Zwischen dem ersten Monza-Qualifying am 19.06.2021 und der Verhandlung werden dann 82 Tage liegen sowie zehn DTM-Rennen unter Vorbehalt stehen.