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DTM

Porsche-Team SSR appelliert an DTM: Ruf nicht kaputt machen

SSR Performance zieht Bilanz nach erstem Start eines Porsche in der DTM: Scharfe Kritik an "chaotischen Zuständen" in Rennen. DTM-Manager Elsner antwortet.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Beim vierten Rennwochenende der DTM-Saison 2021 auf dem Nürburgring stand ein Gaststarter ganz besonders im Fokus des Interesses: Michael Ammermüller und das Team SSR Performance, das mit einem Porsche 911 GT3 R an den Start ging. Zum ersten Mal in der mehr als 30-jährigen Geschichte der Traditionsserie trat ein Fahrzeug des Autobauers aus Zuffenhausen an.

Ammermüller fiel in den beiden Rennen in Folge von Kollisionen mit anderen Autos vorzeitig aus. Das Highlight setzte der ausgewiesene 911er-Spezialist und amtierende Champion des ADAC GT Masters am Sonntagvormittag mit Platz vier im regnerischen Qualifying. Am Samstag kam er im Zeittraining bei trockenen Bedingungen nicht über den 20. Startplatz hinaus.

Die Bilanz des jungen Münchner Teams nach dem DTM-Debüt fiel ernüchternd aus - und war mit einer Menge offener Kritik versehen, vor allem angesichts des Sonntagsrennens mit insgesamt neun Ausfällen im Feld der 23 GT3-Wagen.

SSR-Besitzer: Teils chaotische Zustände

"Trotz angepasster BoP nach Qualifying 1 hatten wir wenig Chancen unser Potenzial abzurufen", wurde Stefan Schlund, Teameigentümer SSR Performance, in einer Pressemitteilung des Teams zitiert. "Durch teils chaotische Zustände in beiden Rennen war es uns kaum möglich die nötigen Daten zu sammeln, die sowohl für SSR und Porsche als auch der ITR und AVL wichtig gewesen wären."

Schlund weiter: "Da wir zudem sowohl in Rennen 1 als auch in Rennen 2 aus dem Wettbewerb geboxt wurden, waren die Schäden am Fahrzeug enorm. Meiner Meinung nach hat das wenig mit Rennsport zu tun. Die Verantwortlichen sollten schnell handeln, um den Ruf der Serie nicht kaputt zu machen."

DTM-Manager: Das sehe ich komplett anders

Laut DTM-Manager Frederic Elsner sei die Zusammenarbeit mit SSR Performance höchstprofessionell und partnerschaftlich gewesen, wobei die frühen Ausfälle auch mit viel Pech verbunden gewesen seien.

Elsner weiter zu Motorsport-Magazin.com: "Dass die beiden Rennen wenig mit Rennsport zu tun hatten, sehe ich komplett anders. Ich möchte die Teams und das Fahrerfeld auch vehement verteidigen. Das sind absolute Vollprofis, die auf ganzer Linie respektvoll miteinander umgehen - und ich bin dankbar für solch spannende, actiongeladene Rennen, die übrigens auch immer eingefordert werden."

Man dürfe laut Elsner nicht vergessen, dass es in der DTM "um einen verdammt großen Titel" gehe und dass die Stammfahrer kämpfen und mehr riskieren, je mehr es sich in der Meisterschaft zuspitzt, sei absolut nachvollziehbar. "Aber: Emotionen gehören übrigens auch zum Racing dazu. Wir würden uns also auf jeden Fall freuen, SSR Performance wieder in der DTM begrüßen zu dürfen."

DTM Nürburgring 2021: Zusammenfassung des Chaos-Rennens: (04:03 Min.)

Ammermüller: Im GT Masters wird mit mehr Respekt gefahren

Deutliche Worte in Richtung der DTM aus dem Lager des Porsche-Teams, die Ammermüller bestätigte: "Am Samstag waren wir aufgrund der Balance of Performance chancenlos. Durch die Änderung war das Ergebnis im Sonntags-Qualifying schon um einiges besser. Uns hat aber mit Sicherheit auch das Wetter in die Karten gespielt. Ich bin mir sicher, dass das Rennen gut hätte laufen können. Das Fahrverhalten der Kontrahenten hat mich aber ehrlich gesagt verwundert. In der GT Masters und auch im Supercup wird mit mehr Respekt gefahren."

Der SSR-Pilot bekam bei seinem Gaststart in beiden Rennen so einiges ab. Nach dem frühzeitigen Samstags-Ausfall in Runde acht, war einen Tag später nach 17 Runden in Folge eines erlittenen Reifenschadens nach einer Kollision mit einem ROWE-BMW vorzeitig Feierabend. Der Schlamassel hatte aber schon in Runde vier begonnen, als Ammermüller nach einem starken Qualifying auf Platz drei liegend von HRT-Pilot Max Götz leicht am Heck getroffen und auf der Strecke gedreht worden war.

Laut SSR-Teamchef Wolfgang Hatz sei es ein ereignisreiches Wochenende auf dem Nürburgring gewesen. Das Team habe am ersten Tag mit der Balance of Performance zu kämpfen gehabt, die die ITR auch auf Nachfrage weiterhin nicht öffentlich zugänglich macht. Hatz: "Insgesamt muss man sagen, dass wir eine gute Team-Performance hatten. Die Unfälle sowohl am Samstag als auch am Sonntag haben unser Ergebnis betrübt. Nichtsdestotrotz - das ist Racing. Wir sehen zuversichtlich in unser nächstes Rennen und konzentrieren uns auf die Verteidigung der GT Masters Tabellenführung."

Warum BoP-Änderungen am Wochenende möglich waren

Laut Erstausführung des Sportlichen Reglements 2021 waren Änderungen an der BoP während eines Rennwochenendes nach den ersten drei Veranstaltungen (Monza, Lausitzring, Zolder) zunächst nicht möglich. Das Reglement wurde aufgrund des Porsche-Gaststartes, und damit einer neuen Marke in der DTM, per Bulletin (Nr. 6) angepasst. Das gilt auch, falls im fortschreitenden Verlauf der Saison weitere neue Marken das Starterfeld ergänzen sollten. Eine Zustimmung der weiteren Wettbewerber ist bei derartigen Änderungen nicht erforderlich.

Im angepassten Reglement heißt es unter Artikel 44 nun unter anderem: "Sollten nach den ersten drei Veranstaltungen Fahrzeuge einer Marke erstmalig an der DTM teilnehmen, welche bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Balance of Performance eingestuft wurde, behält sich der Serienausscheiber/Promoter vor, bei der betreffenden Veranstaltung ebenfalls Änderungen an der Balance of Performance im Laufe der Veranstaltung durchzuführen."

Porsche-Zukunft in der DTM?

Ob das Porsche-Team SSR Performance künftig noch einmal in die DTM zurückkehrt, ist noch nicht bekannt. Vor dem Rennwochenende sagte Teamchef Hatz: "Wir müssen in den nächsten Monaten entscheiden, wie es weitergeht. Wir haben unsere Stärken in Sprintrennen gezeigt, auch Langstreckenrennen sind eine Option. Die DTM ist eine starke Option. Wir entscheiden später im Jahr, wie unser Programm für 2022 aussieht."

Neben dem DTM-Gaststart von SSR Performance, den Motorsport-Magazin.com exklusiv vermeldet hatte, gibt es Gerüchte über weitere Gasteinsätze eines 911ers in der Rennserie unter der Leitung von Gerhard Berger. Hervorgegangen waren diese aus dem angekündigten Eifel-Besuch von Porsche-Ikone Timo Bernhard, der als Fahrer unter anderem zweimal die 24 Stunden von Le Mans gewann und seit 2016 mit dem Küs Team Bernhard im GT Masters antritt.

Sieben Marken beim DTM-Rennwochenende auf dem Nürburgring - Foto: DTM

SSR Performance arbeitet an Titelverteidigung

Für SSR Performance geht es erst einmal im GT Masters weiter. Nach der Sommerpause steht auf dem Lausitzring (10.-12. September 2021) das vierte Rennwochenende der Saison an. Ammermüller teilt sich den 911er dieses Jahr mit Mathieu Jaminet. Sie führen die Fahrerwertung mit 82 Punkten vor dem Mercedes-Duo Maxi Buhk/Raffaele Marciello (Mann-Filter Team Landgraf - HTP/WWR) an.

Buhk startet parallel in der DTM für das Mercedes-Kundenteam Mücke als permanenter Ersatz für den zweifachen DTM-Champion Gary Paffett. In welcher Serie Buhk bei der aktuellen Terminüberschneidung zwischen DTM (Hockenheim) und GT Masters (Sachsenring) vom 01. bis 03. Oktober 2021 antritt, ist öffentlich noch nicht kommuniziert worden.

Dieser ursprünglich am Montag, 23. August 2021 veröffentlichte Artikel wurde mit weiteren Informationen ergänzt


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