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DTM / Hintergrund

DTM ohne Audi und BMW: Wie geht es für die Werksfahrer weiter?

Die DTM startet 2021 als GT3-Serie ohne Hersteller-Programme von Audi und BMW. Welche Werksfahrer bleiben dürfen und wer einen neuen Job suchen muss.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wie geht es für die Rennfahrer nach den DTM-Ausstiegen von Audi und BMW im Motorsport weiter? Ob einige der Werkspiloten auch 2021 in der GT3-DTM an den Start gehen werden, steht bislang nicht fest. Um die Wartezeit zu überbrücken, gesellen sich derzeit einige Fahrer auf die Langstrecke.

Ein äußerst beliebter Sammelpunkt für Piloten mit DTM-Erfahrung ist ganz aktuell Daytona. Am 30./31. Januar 2021 steht in Florida zum 59. Mal das 24-Stunden-Rennen von Daytona auf dem Programm - und sieben Fahrer aus dem letztjährigen DTM-Starterfeld mischen kräftig in den unterschiedlichen Klassen mit.

BMW-DTM-Trio in Daytona

Vor allem bei BMW ist DTM-Power angesagt: Marco Wittmann, Timo Glock und Philipp Eng tauschen den BMW M4 DTM ab dem Roar-Vortest (22.-24. Januar) für den deutlich teureren M8 GTE-Boliden ein.

Glock teilt sich den #25 BMW mit dem Österreicher Eng, dem früheren DTM-Champion Bruno Spengler und Lokalmatador Connor De Phillippi. Erstgenannter geht allerdings nur in Daytona, gleichzeitig Auftakt zur IMSA-Saison 2021, an den Start, während Eng/Spengler/De Philippi die weiteren Rennen der US-amerikanischen Sportwagenserie bestreiten werden.

BMW dampft IMSA-Programm ein

Das sind allerdings nur drei an der Zahl, nachdem BMW kürzlich eine Verringerung des Werksengagements in der IMSA bekanntgegeben hat. Die Münchner treten 2021 lediglich bei den vier 'großen' Rennen in Daytona, Sebring, Watkins Glen und beim Petit Le Mans an. Die weiteren acht IMSA-Sprintrennen lässt BMW erstmals komplett aus.

Daytona bleibt auch für Wittmann ein einmaliges Gastspiel in den USA. Der zweifache DTM-Champion startet im #24 BMW M8 GTE an der Seite der Vorjahressieger John Edwards, Jesse Krohn und Augusto Farfus, die gleichzeitig die feste IMSA-Besetzung für die weiteren Rennen bilden.

Wittmann hatte mehrfach betont, dass er auch in Zukunft gern weiter in der DTM fahren würde. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com kann sich der 31-Jährige gute Chancen ausrechnen, wenn sich ein oder mehrere BMW-Kundenteams finden. "Es gibt Gespräche, zum jetzigen Zeitpunkt können wir aber nicht mehr dazu sagen", heißt es aktuell seitens BMW.

Kubica und Habsburg als Teamkollegen

In Florida treffen Wittmann und Co. auf einen ehemaligen Mitstreiter, der wohl nicht mehr in der DTM antreten wird: Robert Kubica. Der frühere Formel-1-Fahrer steht vor seinem Daytona-Debüt und startet in der LMP2-Klasse für das Team High Class Racing.

Hier trifft ein DTM-Privatfahrer auf einen anderen: Der ehemalige BMW-ART-Pilot Kubica wechselt sich am Steuer des Oreca 07-Gibson Prototypen unter anderem mit Ferdinand Habsburg ab, der 2020 für WRT-Audi seine Runden drehte und wie Kubica einen Podestplatz in der DTM erzielte.

Die 24 Stunden von Daytona steigen Ende Januar in Florida - Foto: LAT Images

Rockenfeller und Duval greifen nach Daytona-Sieg

Für zwei Fahrer aus dem Audi-Lager geht es auf der Daytona-Leiter noch eine Stufe höher: Mike Rockenfeller und Loic Duval kämpfen in der DPi-Klasse um den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen. Der frühere DTM-Champion Rockenfeller hat sich bei Action Express einem echten Star-Aufgebot angeschlossen. Der siebenfache NASCAR-Champion Jimmie Johnson, IndyCar-Champion und Indy500-Sieger Simon Pagenaud sowie Sportwagen-Weltmeister Kamui Kobayashi fahren an Rockys Seite.

Sportwagen-Veteran Rockenfeller hatte für 2021 einen laufenden Vertrag bei Audi und bleibt Werksfahrer. Auf dem Programm stehen Einsätze im Audi R8 LMS GT3, dazu winkt das LMDh-Projekt, mit dem die Ingolstädter ab Anfang 2023 in die neue Hypercar-Topklasse der IMSA und WEC einsteigen wollen.

Rast und Müller bleiben - Frijns in WEC

Der dreifache DTM-Champion Rene Rast und Vizemeister Nico Müller bleiben ebenfalls bei Audi. Rast steht als Werksfahrer der Ingolstädter vor seiner ersten vollen Saison in der Formel E, während Müller sein zweites Jahr mit dem vergleichsweise kleinen US-Team Dragon-Racing in Angriff nimmt. Je nach Kalender- und Meisterschaftssituation wird sich entscheiden, in welchen weiteren GT3-Programmen sich die beiden DTM-Dauerrivalen betätigen.

Von Robin Frijns war zuletzt keine Rede einer direkten Weiterbeschäftigung bei Audi. Der Niederländer bleibt der Marke mit den vier Ringen zunächst auf andere Weise erhalten: In der Formel E startet Frijns erneut für das Audi-Kundenteam Virgin Racing. Dazu steigt er mit dem belgischen Rennstall WRT - zuvor zwei Jahre in der DTM - in die LMP2-Klasse der WEC ein. Frijns bestritt in der Vergangenheit mehrfach GT3-Rennen für die Mannschaft von Vincent Vosse, die sich künftig den LMDh-Einsatz für einen Hersteller wie Audi ausmalt.

In der LMP2-Kategorie der WEC trifft Frijns 2021 mit dem Schweizer Fabio Scherer (United Autosports) und Loic Duval (Real Team Racing) auf Wegbegleiter aus DTM-Zeiten. Duval, der früh seine Rückkehr auf die Langstrecke angekündigt hatte, startet zudem beim 24-Stunden-Rennen von Daytona für das JDC-Miller MotorSports auf einem Cadillac DPi-V.R.

DTM-Fahrer: Zukunft ungewiss

Die Zukunft des langjährigen DTM-Piloten Jamie Green ist nach dem Abschied von Audi ebenso ungewiss wie die der beiden BMW-Fahrer Lucas Auer und Jonathan Aberdein. Ob sie in GT3-Programmen wie der DTM, ADAC GT Masters oder GT World Challenge/Intercontinental GT Challenge weiterbeschäftigt werden, ist offen.

Sheldon van der Linde bleibt unterdessen bei BMW und betätigt sich bei GT3-Rennen sowie als Test- und Ersatzfahrer im Formel-E-Werksteam an der Seite von Maximilian Günther und Neuzugang Jake Dennis.


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