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DTM im Corona-Risikogebiet Belgien: Zolder als Nagelprobe

Die Einstufung von Belgien als Corona-Risikogebiet blieb für die DTM nicht ohne Konsequenzen. Lagebericht zwischen dem Double-Header in Zolder.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die DTM hat die Corona-Krise bislang mit Bravour gemeistert. Bei den sieben Rennwochenenden seit dem Saisonauftakt Anfang August in Spa-Francorchamps gab es keine relevanten, den Motorsport betreffenden Zwischenfälle. Das Schlüsselpersonal von Audi, BMW und der DTM-Dachorganisation ITR konnte seine Arbeit durchführen, während vereinzelte andere Rennserien durch positive Corona-Fälle in die Schlagzeilen gerieten.

Das vergangene Rennwochenende in Zolder wurde jedoch zur Nagelprobe. Wenige Tage vor dem Beginn hatte das Auswärtige Amt der Bunderepublik Deutschland das Austragungsland Belgien zum Risikogebiet erklärt.

Eine kurzfristige Absage respektive Verlegung des Doppel-Rennens in Zolder an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden wurde daraufhin intern zwischen der ITR, Audi und BMW diskutiert. Als Alternative war nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ein weiterer Double-Header auf dem Lausitzring im Gespräch.

Umplanen wegen Corona

Dazu kam es nicht, der erste Zolder-Lauf ging vor leeren Tribünen - ursprünglich waren 800 Tagestickets geplant - über die Bühne. Ein Großteil des Personals von TV-Partner Sat.1 übertrug die Rennen aus dem Studio in Unterföhring in der Nähe von München, darunter Andrea Kaiser, Eddie Mielke und TV-Experte Martin Tomczyk.

Nach aktuellem Stand wird auch das zweite Zolder-Wochenende vom 16. bis 18. Oktober ausgetragen. Alle beteiligten Parteien waren beim ersten Lauf mit Rumpfpersonal vor Ort anwesend. Viele Fahrer und Teammitglieder pendelten während des Wochenendes zwischen Zolder und dem rund 70 Kilometer entfernten Aachen. Mit Ausnahme weniger Fotografen wurden keine Journalisten und Medienvertreter zugelassen.

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Von-der-Laden-Team sagt für DTM Trophy ab

Nach aktuellem Stand tritt die DTM zum zweiten Zolder-Lauf mit den Rahmenrennserien DTM Trophy, Belcar Endurance Championship und dem Lotus Cup Europe an. Das DTM-Trophy-Team Bremotion hat seinen Start abgesagt.

"Einzelne Arbeitgeber unserer Freelancer bestehen darauf, dass sich Rückkehrer aus einem Risikogebiet in Quarantäne begeben. Ein Umstand, denn wir weder verlangen noch den Betroffenen zumuten möchten", erklärte Teamchef Patrick Brenndörfer, bei dem unter anderem YouTube-Star Felix von der Laden startet. In Zolder 1 hatten die Rahmenserien GTC-Race und Tourenwagen Classics auf den Start verzichtet.

Rast, Müller und Co. auf Reise

Trotz häufig wechselnder Restriktionen und Reisebeschränkungen zog es ein Großteil der Rennfahrer vor, nach dem Sonntagsrennen von der Strecke abzureisen und erst an diesem Donnerstag zurückzukehren. Spezielle 'Business Essential'-Verordnungen in den unterschiedlichen Nationen gelten auch für Sportler.

Doppelsieger Rene Rast feierte seinen Doppelsieg etwa auf deutschem Boden. "An der Rennstrecke selbst ist es natürlich nicht mehr wie früher möglich", wurde der Titelverteidiger in einer Audi-Pressemitteilung zitiert. "Das liegt ganz einfach an den strengen Corona-Maßnahmen, die richtigerweise von der ITR und von Audi beschlossen wurden. Dafür hatten wir Montagabend ein schönes Abendessen im kleinen Familienkreis."

Titelgegner Nico Müller reiste nach einem aus seiner Sicht schwierigen Rennwochenende ebenfalls für wenige Tage in die Heimat. "Wir Schweizer haben spezifische Regeln, die uns das Reisen zu einem Event mit Schutzkonzept erlauben", sagte der Meisterschaftsfrühende am Samstag. "Da ich das erfülle und den Regeln folge, kann ich heimreisen, mich erholen und am Donnerstag zurückkehren." Sein Team Audi Abt Sportsline hatte geplant, vor Ort zu bleiben.

Audi-Veteran Mike Rockenfeller zog es vor, die wenigen Tage zwischen den Rennwochenenden in Belgien zu verbringen. Der Champion von 2013 hatte am Sonntag den zweiten Podestplatz in dieser Saison sowie den 32. seiner DTM-Karriere erzielt. Rocky: "Der Weg in die Schweiz ist lang. Für die paar Tage ist es effizienter, hier zu bleiben, ein bisschen zu trainieren und fit zu sein fürs zweite Wochenende."

Motorsport und Corona: Wie geht es weiter?

Audi-Motorsportchef Dieter Gass erwartete keine Schwierigkeiten für reisendes DTM-Personal zwischen den beiden Zolder-Wochenenden. Ein größeres Komplikationspotenzial sah er für die folgenden beiden Wochen, an denen zunächst das 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps und im Anschluss das ADAC GT Masters-Rennen im niederländischen Zandvoort ansteht.

BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt: "Das Risiko besteht immer. Auch in Deutschland gibt es teilweise Änderungen auf täglicher Basis. Wir müssen uns das ständig anschauen und analysieren. Ich habe ein paar Rennserien gesehen, bei denen ich nicht so zuversichtlich war, dass die Dinge gut geregelt werden. Aber die ITR leistet bis jetzt außergewöhnliche Arbeit. Sie werden weiterhin mit uns allen die richtigen Dinge entscheiden und wir werden sehen, ob es Änderungen gibt."

Corona-Risikogebiet Belgien

Das belgische Außenministerium stuft eine Reihe von Ländern und Regionen weltweit als "rote" (Gebiete mit hohem Infektionsrisiko) und "orange Zonen" (Gebiete mit mäßig hohem Infektionsrisiko) ein. In Deutschland ist derzeit keine Region als "rot", verschiedene Regionen sind jedoch als "orange" eingestuft. Eine Quarantäne- oder Testpflicht nach Einreise nach Belgien für Personen, die aus diesen Gebieten kommen bzw. dort leben, besteht nicht.

Für alle Einreisen aus Gebieten mit hohem Infektionsrisiko, darunter unter anderem Teile von Frankreich, Österreich, Großbritannien und Niederlande, gilt eine siebentägige Quarantänepflicht und die Verpflichtung, nach fünf Tagen Quarantäne einen COVID-19-Test durchzuführen. Diese Regeln gelten nicht für Personen, die weniger als 48 Stunden in dem entsprechenden Gebiet verbracht haben.


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