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DTM Zolder 2020 - Analyse: Rasts Glück und Glocks Monster-Stint

Das DTM-Rennwochenende in Zolder unter der Lupe: die Sieger-Strategien, die ungewöhnlichste Taktik, der längste Stint und die Boxenstopp-Könige.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die DTM bestritt in Zolder das siebte Rennwochenende der DTM-Saison 2020. Beim drittletzten Lauf des Jahres erzielte Rene Rast einen Doppelsieg und gleichzeitig die Siege Nummer 20 und 21 seiner DTM-Karriere. Vor dem zweiten Rennwochenende auf dem Circuit Zolder (16.-18. Oktober) belegt Rast den zweiten Platz in der Meisterschaft mit zehn Punkten Rückstand auf Spitzenreiter und Audi-Markenkollege Nico Müller.

"Es war ein tolles Wochenende, wir haben zur Spitze aufgeschlossen", sagte Rast. "Das Auto funktionierte zusammen mit den Hankook Rennreifen perfekt. Ich freue mich auf das nächste Wochenende in Zolder, die Strecke scheint uns zu liegen." Das erste von zwei Zolder-Wochenenden in der Strategie-Analyse.

Die Sieger-Strategien

Rennen 1: Pole-Setter Rene Rast kontrollierte die Pace von Beginn an und legte als letzter aller Fahrer seinen Pflicht-Boxenstopp in Runde 18 ein. Damit reagierte der zweifache Champion auf Verfolger Robin Frijns, der in Runde 17 einen neuen Satz Hankook-Slickreifen hatte aufziehen lassen. Im zweiten Stint legte Rast 23 Runden zurück und überquerte die Ziellinie mit 18,855 Sekunden Vorsprung auf Lokalmatador Frijns.

Der Drittplatzierte Nico Müller reagierte auf den Rennverlauf und wählte eine ungewöhnliche Strategie. Als er zu Beginn nicht an Audi-WRT-Pilot Harrison Newey vorbeikam, absolvierte der Schweizer seinen Pflicht-Boxenstopp bereits in Runde 10. Daraus ergab sich ein zweiter Stint mit einer Distanz von 31 Runden. Nur Loic Duval (34 Runden) und Jonathan Aberdein (36 Runden) dehnten ihre zweite Rennhälfte noch länger aus.

Strategie-Analyse Rennen 1 (Top-5)

Position Fahrer Stint 1 Stint 2
1 Rene Rast 18 Rd. (173.815 km/h) 23 Rd. (171.973 km/h)
2 Robin Frijns 17 Rd. (173.087 km/h) 24 Rd. (170.948 km/h)
3 Nico Müller 10 Rd. (170.136 km/h) 31 Rd. (171.936 km/h)
4 Timo Glock 11 Rd. (171.615 km/h) 30 Rd. (170.573 km/h)
5 Harrison Newey 12 Rd. (171.020 km/h) 29 Rd. (170.743 km/h)

Rennen 2: Das Sonntagsrennen war stark geprägt von der durch Robin Frijns ausgelösten Safety-Car-Phase. Die Top-7 beim Zieleinlauf hatten allesamt ihren Pflicht-Boxenstopp vor der Neutralisierungsphase absolviert. Rennsieger Rene Rast und der Zweitplatzierte Mike Rockenfeller holten sich neue Hankook-Reifen ab, kurz bevor die Rennleitung das Safety Car auf die Strecke schickte. Damit zählten ihre Reifenwechsel per Reglement als Pflicht-Boxenstopps.

Die beste Platzierung eines Fahrers, der erst nach dem Safety Car seinen verpflichtenden Reifenwechsel einlegte, gelang Marco Wittmann mit Platz acht. Der BMW-Pilot nutzte die SC-Phase für einen Wechsel auf neue Hankook-Reifen in Runde 13 und absolvierte seinen Pflicht-Boxenstopp später im 26. Umlauf. Titelanwärter Nico Müller verpasste einen Reifenwechsel vor der Safety-Car-Phase und beendete das Rennen nach seinem Pflicht-Stopp in Runde 22 als Neunter.

Strategie-Analyse Rennen 2 (Top-5)

Position Fahrer Stint 1 Stint 2
1 Rene Rast 12 Rd. (173.020 km/h) 29 Rd. (161.353 km/h)
2 Mike Rockenfeller 12 Rd. (172.547 km/h) 29 Rd. (161.185 km/h)
3 Lucas Auer 11 Rd. (170.409 km/h) 30 Rd. (161.218 km/h)
4 Timo Glock 5 Rd. (160.036 km/h) 36 Rd. (163.608 km/h)
5 Fabio Scherer 9 Rd. (167.986 km/h) 32 Rd. (161.833 km/h)

Die ungewöhnlichste Strategie

Marco Wittmann betrieb im Sonntagsrennen auf dem Circuit Zolder Schadensbegrenzung auf hohem Niveau. Mit einer ungewöhnlichen Reifen-Strategie erzielte der BMW-Pilot den achten Platz nach Start von Position zehn. Wittmann war der bestplatzierte Fahrer, der seinen Pflicht-Boxenstopp erst nach der Safety-Car-Phase absolvierte. Der zweifache DTM-Champion nutzte die Neutralisierungsphase allerdings für einen Performance-Wechsel auf einen frischen Satz Hankook-Reifen in Runde 13 und verlor dadurch keine Zeit.

In der 26. Runde bog Wittmann zum zweiten Mal in die Boxengasse ab und legte seinen Pflicht-Boxenstopp ein. Der zusätzliche Reifenwechsel bescherte ihm neben vier Meisterschaftspunkten auch die schnellste Rennrunde (1:20.263 Minuten in Runde 31).

Wittmann: "In einem verrückten Rennen, das vor allem durch die Safety-Car-Phase beeinflusst war, war ich im Prinzip das bestplatzierte Auto, das nicht vorher gestoppt hatte. Deshalb bin ich mit dem Rennverlauf und unserer Pace recht zufrieden. Für mich persönlich war das Safety Car etwas unglücklich. Mehr war deshalb einfach nicht drin."

Marco Wittmann wurde im Sonntagsrennen für seine ungewöhnliche Strategie belohnt - Foto: BMW Motorsport

Der längste Stint

Je 36 Runden mit einem Hankook-Reifensatz legten die BMW-Fahrer Jonathan Aberdein am Samstag und Timo Glock am Sonntag zurück. Während Aberdein als Elfter die Punkteränge am Samstag knapp verpasste, sichert sich der frühere Formel-1-Fahrer im zweiten Rennen des Wochenendes den vierten Platz.

Pole-Setter Glock legte seinen Pflicht-Boxenstopp nach einer Start-Kollision mit Ferdinand Habsburg bereits in der 5. Runde ein. Damit spekulierte der BMW-Pilot auf ein Safety Car - und wurde wenig später belohnt. Seine 36 Umläufe auf dem 4,000 Kilometer langen, in diesem Jahr neu asphaltierten Kurs entsprachen einer Distanz von 144 Kilometern.

Glock: "Am Vormittag die Poleposition zu holen, war großartig. Wir hatten es bei schwierigen Bedingungen perfekt getimt. Mein Start ins Rennen war leider nicht optimal, und in Kurve eins habe ich einfach zu spät gebremst. Ich habe das Auto verloren, Ferdinand Habsburg berührt und mich weggedreht. Am Ende bin ich mit viel Glück durch die Safety-Car-Phase noch Vierter geworden, und darüber können wir sehr happy sein, denn das Auto war rundherum ziemlich beschädigt. Insgesamt denke ich, dass wir eine gute Basis für das kommende Wochenende haben."

Timo Glock und Jonathan Aberdein fuhren die längsten Stints in Zolder - Foto: DTM

Der schnellste Boxenstopp

Das BMW Team RMG absolvierte bei Timo Glock den schnellsten Boxenstopp des Wochenendes in Zolder. Im Sonntagsrennen benötigte die Crew für den Wechsel aller vier mit Hankook-Slicks bereiften Räder 51,061 Sekunden. Der Boxenstopp erfolgte in der fünften Rennrunde und bescherte Glock später den vierten Platz.

Der zweitschnellste Boxenstopp in Zolder gelang dem WRT Team Audi Sport. Die Mannschaft aus Belgien wechselte im Samstagsrennen die Räder an Ferdinand Habsburgs Audi RS 5 in 51,255 Sekunden. Nach dem Boxenstopp in Runde 11 beendete der Österreicher das Rennen auf dem siebten Platz.

Die schnellsten Boxenstopps in Zolder (Top-10 kombiniert)

Position Fahrer Team Dauer in Sekunden
1 Timo Glock BMW Team RMG 51,061 (Rennen 2)
2 Ferdinand Habsburg WRT Team Audi Sport 51,255 (Rennen 1)
3 Nico Müller Audi Sport Team Abt Sportsline 51,290 (Rennen 1)
4 Nico Müller Audi Sport Team Abt Sportsline 51,415 (Rennen 2)
5 Marco Wittmann BMW Team RMG 51,451 (Rennen 2)
6 Harrison Newey WRT Team Audi Sport 51,469 (Rennen 2)
7 Sheldon van der Linde BMW Team RBM 51,505 (Rennen 1)
8 Fabio Scherer WRT Team Audi Sport 51,506 (Rennen 2)
9 Loic Duval Audi Sport Team Phoenix 51,508 (Rennen 2)
10 Robin Frijns Audi Sport Team Abt Sportsline 51,618 (Rennen 1)

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