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DTM 2020 - Sheldon van der Linde: Das BMW-Juwel glänzt

Sheldon van der Linde ist der drittjüngste Rennsieger in der Geschichte der DTM. Der BMW-Youngster fühlt sich mitten im Game angekommen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Sheldon van der Linde hat sich einmal mehr in die Geschichtsbücher der DTM eingetragen. Als drittjüngster Rennsieger in mehr als 30 Jahren Tourenwagenserie überquerte er die Ziellinie bei der Regenschlacht von Assen. Was vielen Rennfahrern verwehrt blieb, gelang dem BMW-Youngster im Alter von nur 21 Jahren, 3 Monaten und 24 Tagen. Jünger waren nur der frühere DTM-Champion Pascal Wehrlein und der ehemalige BMW-Fahrer Joel Eriksson.

Der Sieg im turbulenten Assen-Rennen vom 14. Startplatz ging nicht zuletzt auf das Konto einer mutigen Strategie. Größtes Anerkennung erhielt van der Linde für seinen souveränen Auftritt bei schwierigen Bedingungen und wegen seiner Abgebrühtheit nach dem Re-Start, als er sich mit ungeheizten Regenreifen gegen die nachfolgende Audi-Armada souverän zur Wehr setzte.

Unter dem Helm gewinnt man nicht den Eindruck, dass van der Linde zu den jüngsten Fahrern im Starterfeld der DTM zählt. Im Gespräch ebenso wenig. "Es ist sehr gut, als bestplatzierter BMW-Fahrer eine Referenz darzustellen", sagte er nach seinem Debütsieg am vergangenen Sonntag. "Wir machen einen guten Job und meine Erfahrung zahlt sich aus."

Die 'Erfahrung', das sind gerade einmal 26 DTM-Rennen. Zum Vergleich: Seine BMW-Markenkollegen Marco Wittmann und Timo Glock blicken auf 120 Rennen in der Tourenwagenserie zurück. Dass van der Linde erst seit 2016 im Automobilsport unterwegs ist, merkt man dem im Kempten lebenden und perfekt Deutsch sprechendem Südafrikaner eigentlich kaum noch an.

Die jüngsten Rennsieger der DTM-Geschichte (Top-10)

Position Fahrer Alter Rennen Hersteller
1 Pascal Wehrlein 19 Jahre, 10 Monate, 27 Tage 2014-Lausitzring Mercedes
2 Joel Eriksson 20 Jahre, 1 Monat, 29 Tage 2018-Misano/2 BMW
3 Sheldon van der Linde 21 Jahre, 3 Monate, 24 Tage 2020-Assen/2 BMW
4 Lucas Auer 21 Jahre, 8 Monate, 25 Tage 2016-Lausitzring/2 Mercedes
5 Tom Blomqvist 21 Jahre, 9 Monate, 14 Tage 2015-Oschersleben/2 BMW
6 Dario Franchitti 22 Jahre, 2 Tage 1995-Mugello/2 Mercedes
7 Jan Magnussen 22 Jahre, 1 Monat, 2 Tage 1995-Estoril/2 Mercedes
8 Paul Di Resta 22 Jahre, 1 Monat, 2 Tage 2008-Lausitzring Mercedes
9 Frank Biela 22 Jahre, 9 Monate, 8 Tage 1987-Berlin Audi
10 Bruno Spengler 22 Jahre, 11 Monate 2006-Norisring Mercedes

Sein Talent ließ van der Linde schon 2019 in seiner DTM-Debütsaison aufblitzen, vor allem mit der Pole Position im belgischen Zolder. Kaum erwähnenswert, dass er damit nach Wehrlein als zweitjüngster Pole-Setter in die Historie einging. "Als Rookie hatte ich einen guten Speed, aber es gab auch ein paar Fehler auf meiner Seite", räumte van der Linde ehrlich ein. "Dieses Jahr kommt mehr zusammen und ich weiß, was das Auto braucht."

Das zeigt ein Blick auf die Resultate in der laufenden Saison, in der sich BMW kollektiv schwertut gegen die starken Audis. Van der Linde war in vier der bisherigen acht Qualifyings der bestplatzierte M4-Fahrer und der einzige aus dem Werks-Sextett, der schon zweimal auf dem Podium stand. In der Gesamtwertung belegt das BMW-Juwel den sechsten Platz, nur zwei Zähler hinter Rennsport-Veteran Glock.

Dass dem Autobauer aus München mit van der Lindes Verpflichtung ein Coup gelungen ist, deutete sich schon im Dezember 2018 an. "Ich habe ihn bei den Testfahrten in Jerez beobachtet und gesehen, dass er auf Anhieb sehr schnell war", lobte damals der zweifache und amtierende DTM-Meister Rene Rast den jungen Mann.

Rast - obwohl bei der Konkurrenz von Audi angestellt - sollte es wissen: Mit Dennis Rostek haben er und van der Linde den selben Manager im Rücken. Und tatsächlich beeindruckte Sheldon bei seiner allerersten Ausfahrt in einem DTM-Boliden. Wohlgemerkt im BMW, nachdem er zuvor noch bei Audi customer Sports angestellt war und dort bereits einige Erfolge verbuchen konnte.

Van der Linde saß nur an einem der drei Testtage in Jerez im 2018er Rennwagen von BMW und erzielte im Verlauf seiner 42 Runden die drittschnellste Rundenzeit aller Fahrer, die mit der V8-Generation unterwegs waren. Bemerkenswert: Seine persönliche Bestzeit erzielte er bereits in der 18. Runde.

Pfeilschnelles Brüderpaar: Sheldon und Kelvin van der Linde 2017 im ADAC GT Masters - Foto: ADAC GT Masters

Was van der Linde drauf hat, stellte er schon in der Vergangenheit unter Beweis. Einer, der es genau wissen muss, ist Teamchef Wolfgang Land. 2018 holte er mit Sheldon und dessen drei Jahre älterem Bruder Kelvin die Vize-Meisterschaft im ADAC GT Masters und einen Podestplatz beim prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps.

Land bezeichnete Sheldon van der Linde bei Motorsport-Magazin.com als einen Rohdiamanten. Und sagte weiter: "Ich bin richtig stolz, dass BMW erneut einen Fahrer verpflichtet hat, der bei uns sein Handwerk erlernt hat. Das ist für mich ein Zeichen, dass wir offensichtlich keinen schlechten Job machen." Van der Linde war neben dem US-Amerikaner Connor De Philippi der zweite 'Land-Fahrer' innerhalb eines Jahres, der einen Audi- gegen einen BMW-Rennwagen eingetauscht hat.

Ist mit seinem DTM-Sieg endgültig der Knoten geplatzt? Van der Linde cool: "Es ändert nicht wahnsinnig viel, aber der erste Sieg nimmt dir immer Druck raus. Wir haben oft hart für einen Sieg gearbeitet, da fällt dir schon eine kleine Last von den Schultern. Wir sind jetzt 'im Game' und haben gezeigt, dass wir überall stark sein können."


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