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Motorsport-Ikone Zanardi: Positiv bleiben trotz Corona-Krise

Die lebende Legende Alex Zanardi sieht in der aktuellen Krise auch das Positive. Dabei muss der Italiener selbst einen sportlichen Rückschlag verkraft
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Die Corona-Pandemie stellt aktuell den Alltag vieler Menschen auf den Kopf. Wegen der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen ist das öffentliche Leben in Deutschland und großen Teilen der Welt auf ein Minimum reduziert. Einer, der von den Auswirkungen der Pandemie nicht minder betroffen ist, ist Motorsport-Ikone Alex Zanardi: Der 54-Jährige lebt mit seiner Familie in Italien.

Zanardi ist bemüht, in der aktuellen Situation auch das Gute zu sehen. "Nicht alles ist immer nur negativ und nicht alles ist immer nur positiv. Aber für mich besteht der positive Aspekt darin, dass mein Telefon jetzt weniger klingelt und dass niemand mich bittet, irgendwo hinzukommen", sagt der BMW-Fahrer mit einem Augenzwinkern. "So habe ich wesentlich mehr Zeit, meine Prioritäten nach der Reihenfolge zu ordnen, die ich will."

Der ehemalige Formel-1-Pilot erlebte in seinem Leben eine schwere persönliche Krise. Beim Champcar-Rennen auf dem Lausitzring verunfallte er 2001 schwer. Die Ärzte rangen um sein Leben. Der Italiener musste mehrmals operiert werden. Dabei wurden ihm seine Beine amputiert. Danach kämpfte er sich zurück ins Leben und in den Sport. Lange Zeit ging Zanardi in BMW-Fahrzeugen in der WTCC an den Start, die auf seine Bedürfnisse umgebaut waren. Danach wurde es im Motorsport ruhiger um Zanardi.

In den vergangenen beiden Jahren wollte er es noch einmal im Motorsport wissen: Für BMW absolvierte er 2018 einen Gaststart in der DTM. 2019 stellte er sich einer neuen Herausforderung und trat beim 24-Stunden-Rennen in Daytona an. Zudem bestritt er das Dream Race von DTM und Super GT in Fuji.

Rückschläge machten Zanardi stärker

Aus dem Kampf, den der Familienvater 2001 meisterte, um wieder ins Leben zurückzukehren, zieht er auch in der aktuellen Situation Kraft. "Die Gemeinsamkeit zwischen dem, wie ich diese Tage persönlich erlebe, und dem, was mir in einer anderen Phase meines Lebens passiert ist, ist die Fähigkeit, sich für die positiven Aspekte zu interessieren, die man immer in allem finden kann. Das hat mir ermöglicht, aus dem, was mir passiert ist, eine große Chance zu machen. Denn als ich meine Beine verloren habe, war ich, schon bevor ich herausgefunden habe, wo ich suchen muss und was ich finden kann, sehr zuversichtlich, dass ich im Geschehenen etwas Positives finden kann. Und das ist mir gelungen."

Er erklärt weiter: "Immer, wenn du in deinem Leben ein Problem bewältigst, ist das eine Erfahrung, für die du neue, sagen wir Werkzeuge, entwickeln musst. Und wenn du diese Erfahrung hinter dir gelassen hast, können diese Werkzeuge vielleicht ein Teil deines Repertoires bleiben und dir helfen, weitere Probleme zu überstehen, die auf deiner Lebensreise unvermeidbar auf dich zukommen werden."

Zanardi wollte 2020 Paralympics-Titel verteidigen

Für ihn steht fest, dass die Ausbreitung des Virus trotz der negativen Folgen positive Auswirkungen auf das Zusammenleben in der Gesellschaft hat. "Und ich kann beobachten, dass die Menschen bereits anders geworden sind. Ich kann beobachten, dass sie Dinge wiederentdecken wie den Sinn für Gemeinschaft, den Sinn für Freundschaft, den Sinn dafür, sich gegenseitig zu brauchen, um wirklich komplette Menschen zu sein."

Auch für Zanardi bedeutet die Corona-Krise einen sportlichen Rückschlag. Er plante in diesem Jahr die Teilnahme an der Handbike-Disziplin bei den Paralympics in Tokio und bereitete sich entsprechend vor. Die Verschiebung der Wettkämpfe in Japan auf 2021 sorgen nun für eine zusätzliche Herausforderung.

Der Ausnahme-Athlet: "Nun, in meinem Alter entspricht aus sportlicher Sicht jedes Jahr einem Hundejahr, es ist wie sieben Jahre. Es ist schon eine Art Wunder, dass ich mir zum Ziel setzen konnte, kurz vor meinem 54. Geburtstag in Tokio anzutreten. Es wird noch schwieriger, dies ein Jahr später zu tun, wenn ich auf die 55 zugehe."

Den Abbau seiner körperlichen Leistungsfähigkeit möchte er mit einer Eigenschaft kompensieren, die auch heute noch ungebrochen ist, seine Entschlossenheit. "Was meinen Willen angeht, bin ich perfekt. Wenn es dann darum geht, diesen Willen in Erfolge umzusetzen - das wird die Zeit zeigen, wir werden sehen."

Zanardi war bei seinen bisherigen Paralympics-Teilnahmen erfolgreich. 2012 hatte er erstmals an den Wettkämpfen in London teilgenommen und gewann zwei Gold- sowie eine Silbermedaille. Vier Jahre später in Rio wiederholte er seine Triumphe.

DTM 2019: BMW Dream Team beim Dream Race in Fuji: (04:20 Min.)


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