DTM

DTM, Lausitzring-Dilemma: Warum Wittmann mehr flucht als Rast

Rene Rast beißt sich nach der nächsten Technik-Panne beim DTM-Rennen in der Lausitz auf die Lippen. Marco Wittmann nimmt kein Blatt vor den Mund.
von Robert Seiwert
DTM-Video, Lausitzring: Zusammenfassung des Samstags-Rennens: (03:15 Min.)

Über Wochen hinweg beherrschten Teamorder-Debatten rund um Audi die Schlagzeilen in der DTM. Auf dem Lausitzring war das Thema schon nach sieben Runden erst einmal erledigt. Rene Rast fiel im Samstags-Rennen in Führung liegend aus, Markenkollege und Titelrivale Nico Müller nutzte die Vorlage eiskalt zum zweiten Saisonsieg aus.

So schnell kann es gehen in der DTM. Vor dem 500. Rennen in der Geschichte der Tourenwagenserie am Sonntag (ab 13:00 Uhr live bei Sat.1) liegt Müller in der Meisterschaft nur noch 14 Punkte hinter Rast. Ein ganz wichtiger Schritt, meinte der Tabellenzweite, der sich noch mehr über einen Sieg nach direktem Zweikampf mit Rast gefreut hätte.

"Das ist natürlich frustrierend", sagte der Champion von 2017 nach seinem dritten Technik-Malheur in dieser Saison, wirkte zumindest äußerlich aber nicht allzu angefressen. "Mein Vorsprung ist fast weg, aber der kommt auch nicht wieder, wenn ich jetzt böse bin oder am Funk fluche."

DTM-Meisterschaft: Top-5 nach 13/18 Rennen

Position Fahrer Hersteller Punkte
1 Rene Rast Audi 209
2 Nico Müller Audi 195
3 Marco Wittmann BMW 159
4 Philipp Eng BMW 139
5 Mike Rockenfeller Audi 123

Rast: Wie ein Besen im Lenkrad

Stattdessen ist Fehleranalyse bei Audi angesagt. Rast fehlte nicht nur plötzlich der Vortrieb, auch seine Servolenkung setzte zwischenzeitlich aus - und das ausgerechnet in Kurve neun, der schnellsten Ecke auf dem Lausitzring. Rast: "Das ist, als wenn du in die Kurve fährst und dir jemand einen Besen ins Lenkrad steckt. Ich habe dann gesagt: Bis hierhin und nicht weiter. Irgendwann ist das auch gefährlich."

Auch einige Stunden nach dem bitteren Ausfall war noch nicht klar, was genau den zu diesem Zeitpunkt in Führung liegenden Rast ausbremste. "Es könnte ein Sensor-Fehler sein", vermutete Audi-Motorsportchef Dieter Gass. "Rene hat versucht zu beschleunigen, aber der Motor hat nicht auf den Input reagiert. In dieser Form haben wir das zum ersten Mal erlebt."

Eine durchaus heikle Situation, die zu einem echten Audi-Desaster hätte führen können. Als Rast aus der ersten Kurve heraus plötzlich keinen Vortrieb mehr hatte, aber noch auf der Ideallinie fuhr, hätte ihn Hintermann Müller beinahe torpediert.

"Er hat wahrscheinlich versucht, sein Auto wieder in Gang zu bringen und ist auf der Ideallinie geblieben", beschrieb der Schweizer die Situation. "Ich musste auch schauen, dass mir Marco (Wittmann) nicht entwischt und vorbeifährt. Es war ein bisschen brenzliger als es hätte sein müssen. Aber zum Glück ist es ja gut gegangen." Rast dazu: "In dem Moment schaust du nicht in den Rückspiegel."

DTM-Meisterschaft 2019: Markenwertung

Position Hersteller Punkte
1 Audi 782
2 BMW 454
3 Aston Martin 44

BMW ohne Siegchancen

BMW-Aushängeschild Wittmann hatte von P5 einen Bombenstart erwischt und sich schon in der ersten Kurve angeschickt, den Zweitplatzierten Müller zu attackieren. Bei der Rast-Situation bot sich eine weitere Gelegenheit, die Müller abwehren musste. Auch, wenn Wittmanns Performance im Rennen darauf schließen lässt, dass seine Siegchancen an diesem Samstag eher gering waren.

"Heute sah es so aus", meinte Gass und warnte gleichzeitig: "Wir haben schon an mehreren Rennwochenenden gesehen, dass sich das Performance-Level von heute auf morgen geändert hat. Heute waren wir bei der Renn-Pace besser, aber garantiert ist nichts."

Wittmann: Du fährst dir den Arsch ab

Wittmann konnte Rasts Ausfall nur begrenzt nutzen. In der Schlussphase musste er sich den schnelleren Audis von Robin Frijns und Mike Rockenfeller geschlagen geben, mehr als der vierte Platz war nicht drin. Seinen Rückstand auf Spitzenreiter Rast konnte er um neun Punkte verringern, nun sind es genau 50 Zähler.

"Es ist frustrierend", sagte Wittmann. "Du fährst dir den Arsch ab, siehst aber kein Land gegen die Audis. Mit Blick auf die Meisterschaft wird es schwer, weil wir momentan nicht die Performance haben, um uns ständig vor denen zu platzieren und Druck auszuüben. Wir müssen immer viel Risiko gehen."

Rast: Lieber Nico als Marco im Heck

Das ist auch dem Audi-Lager bewusst und Rast meinte nicht ohne Grund, dass er lieber Müller als Wittmann im Heck fahren hat. Der amtierende Vize-Meister: "Der würde auch in eine Lücke reinhalten, die kleiner ist. Nico würde sich da vielleicht etwas mehr zurückhalten."

Am Samstag blieb das direkte Streckenduell der beiden Audi-Piloten ausfallbedingt aus. Doch auf dem Lausitzring mit seinen langen Geraden - die längste misst immerhin 648 Meter - hat kaum jemand Zweifel daran, dass Müller im Gegensatz zu Brands Hatch attackieren würde. "Ich glaube, Müller hätte heute alles getan, um Rast anzugreifen", war auch DTM-Boss Gerhard Berger überzeugt.

Die Brechstange will Müller aber nicht auspacken. Zu sehr könnte ein Ausfall in der momentanen Situation seine Titelambitionen zerstören: "Wir können ein bisschen mehr riskieren als Rene, aber nicht hirnlos und einfach auf Attacke fahren. Dieses Jahr ist es extrem wichtig, das Risiko einzuschätzen."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video