DTM

DTM, Turbo-Analyse: So schnell sind die neuen Rennwagen

Über 600 PS und Turbo-Power: In Hockenheim hatten die neuen Class-1-Autos ihren ersten Rennauftritt. Motorsport-Magazin.com macht den V8-Vergleich.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Das erste Rennwochenende der neuen Turbo-Ära in der DTM ist vorbei. Auf dem Hockenheimring zeigte sich zum ersten Mal, wie viel schneller die über 600 PS starken Class-1-Rennwagen im Vergleich zu ihren V8-Vorgängern unterwegs waren. Motorsport-Magazin.com macht den Check: Wie viel Power haben die Zwei-Liter Vierzylinder-Turbos unter realen Bedingungen?

Das Qualifying

Ausgerechnet Philipp Eng, der sich am Freitag und Samstag mit technischen Problemen herumplagte und kaum fahren konnte, gelang am Sonntagvormittag eine wahre Traumrunde im Qualifying. Der BMW-Pilot sicherte sich die Pole Position mit einer Bestzeit von 1:28.972 Minuten. Damit der war Österreicher sogar 0,416 Sekunden schneller als der Zweitplatzierte Markenkollege Marco Wittmann (1:29.388 Minuten).

Historischer Start in die neue Turbo-Ära: Eng erzielte im trockenen Sonntags-Qualifying die schnellste je in Hockenheim von einem geschlossenen Rennwagen gefahrene Runde. Diese Rekordrunde übertrumpfte die V8-Bestzeiten aus der Vergangenheit bei weitem. Zuvor war 2017 der damalige BMW-Pilot Tom Blomqvist die schnellste Qualifying-Runde in 1:30.491 Minuten gefahren.

Damit war Blomqvist ganze 1,519 Sekunden langsamer als Eng zwei Jahre später an gleicher Stelle mit einem Turbo-Rennwagen. Blomqvist schaffte 2017 einen Rundenschnitt von 181,967 km/h - Eng war durchschnittlich mit 185,073 km/h auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs unterwegs.

DTM Hockenheim: Rennen 2 in der Zusammenfassung: (03:18 Min.)

Die Rundenzeiten

Experten hatten im Vorfeld der Saison errechnet, dass die Turbo-Autos in Hockenheim rund zwei Sekunden schneller sein würden als die V8-Renner mit rund 100 PS weniger Leistung. Diese Einschätzung bestätigte am Sonntag Pietro Fittipaldi.

Der DTM-Rookie vom Audi-Kundenteam WRT stellte in 1:30.401 Minuten einen neuen Rundenrekord in einem Rennen auf. Nachdem der Brasilianer in Runde 32 neue Hankook-Reifen hatte aufziehen lassen, gelang ihm diese Marke in der 35. und damit vorletzten Rennrunde.

Den 2017 von Jamie Green bis dato aufgestellten Rundenrekord knackte Fittipaldi locker. Green war damals im V8-Audi mit 1:32.456 Minuten ganze 2,055 Sekunden langsamer als der Weltmeister-Enkel zwei Jahre später im Turbo-Audi. Über die gesamte Runde war Fittipaldi mit ziemlich genau 4 km/h mehr unterwegs als Green 2017.

Ob in Zukunft noch weitere Rundenrekorde fallen werden, wird sehr von den jeweiligen Rennverläufen abhängen. Mit den Turbo-Autos und dem erhöhten Drehmoment steht das korrekte Reifen-Management in diesem Jahr enorm im Fokus. Die Piloten werden sich also zweimal überlegen, ob sie auf eine möglichst schnelle Runde abzielen oder lieber ihre Reifen schonen.

Hankook liefert den Teams dieses Jahr die gleichen Reifenmischungen wie 2018. Da der Exklusivausstatter im Gegensatz zur Formel 1 nur jeweils eine Slick- und eine Regenreifen-Mischung im Sortiment hat, müssen die Reifen vielen unterschiedlichen Bedingungen trotzen. Je nach Strecke wirkt sich dieser Umstand mehr oder weniger auf die Pace im Rennen aus.

"Für die Zuschauer ist es besser, dass die Reifen irgendwann eingehen und wir damit kämpfen müssen", erklärte Rene Rast nach seinem Sensations-Sieg am Sonntag. "Mit frischen Reifen lässt sich das Auto auf einer Qualifying-Runde gut fahren. Aber am Ende eines Rennens versucht man nur zu überleben und das Auto nicht ins Kiesbett zu setzen." In Hockenheim war das Reifen-Management ausschlaggebend: Hinter Fittipaldi erzielte BMW-Pilot Philipp Eng in Runde 3 die zweitschnellste Rundenzeit am Sonntag in 1:31.018 Minuten - mit 0,617 Sekunden war er somit deutlich langsamer als der WRT-Rookie.

Der Topspeed

Nur eine kleine Zahl im großen Gesamtbild und doch schwang die magische Marke der 300 km/h im Zuge der Turbo-Einführung stets mit. Die Frage vor dem Saisonstart: Würden die neuen Autos mit DRS und Push-To-Pass (kurzzeitig 30 PS Mehrleistung) diesen Wert knacken können? Nach den letzten Testfahrten am Lausitzring zeichnete sich bereits ab, dass die 300 auf der schnellen Parabolika nicht fallen würden - und so kam es auch.

Mike Rockenfeller erzielte am Sonntag mit 291 km/h die Höchstgeschwindigkeit des Wochenendes. 9 km/h fehlten also dem Audi-Piloten, dessen RS 5 DTM nach Platz 11 im Qualifying auf weniger Abtrieb eingestellt gewesen sein dürfte. Im Sonntags-Qualifying (wo Push-To-Pass verboten ist) waren die Werte noch geringer. Marco Wittmann und Timo Glock stellten mit je 274 km/h die Höchstwerte auf.

Pietro Fittipaldi erzielte den höchsten Topspeed auf dem Hockenheimring - Foto: Audi

Reaktionen zum neuen Turbo-Auto

Samstags-Sieger Marco Wittmann nach dem Regen-Rennen: "Geil! Die Autos machen mega Spaß. Das ist eine Challenge, im Nassen konntest du auch aus Turn 6 heraus nicht mehr Vollgas geben, die Reifen drehen auch im zweiten Gang noch durch. Im besten Fall willst du ohne Wheelspin aus einer Kurve herausfahren - du kannst jetzt nicht mehr einfach voll auf den Pin gehen. Die Fahrzeugabstimmung ist gefragt, aber auch der Gasfuß von uns Fahrern."

Sonntags-Sieger Rene Rast nach dem Rennen im Trockenen: "Ich bin schon am Freitag mit einem breiten Grinsen die erste Runde in Hockenheim gefahren. Und am Sonntag habe ich vergessen, das Push-To-Pass zu nutzen! Den DRS-Flügel habe ich geöffnet, aber dann hast du keinen Grip mehr auf der Hinterachse. Ich habe nur versucht, das Ding irgendwie auf der Strecke zu halten. Da willst du eigentlich gar nicht noch mehr Leistung haben, wenn du so beschäftigt bist. Wenn du eine falsche Lenkbewegung machst, ist direkt Ende."


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