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DTM 2018 - Hans-Jürgen Abt: So fing alles mit Ekström an

Hans-Jürgen Abt war 17 Jahre lang der Teamchef von Mattias Ekström in der DTM. Bei Motorsport-Magazin.com plaudert Abt über die gemeinsamen Zeiten.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Herr Abt, wie haben Sie auf den DTM-Rücktritt von Mattias Ekström reagiert?
Hans-Jürgen Abt: Man ist schon enttäuscht, wenn man so lange mit Mattias zusammengearbeitet hat. Aber ich zolle ihm großen Respekt und bin stolz auf ihn. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es wirklich Sinn macht darüber nachzudenken, ob es so sinnvoll ist, DTM und WRX parallel zu fahren. Das kostet wahnsinnig viel Zeit. Er hat ja auch Familie und will nicht mehr nur von Hotel zu Hotel reisen. Das verstehe ich zu 100 Prozent. Ebenso, dass er sich für Rallycross statt DTM entschieden hat. Da kann er mit dem eigenen Team seinen zweiten Lebensabschnitt vorbereiten und das Fahren macht ihm natürlich mega-viel Spaß.

Hätten Sie ihn lieber weiter in der DTM statt im Rallycross gesehen?
Hans-Jürgen Abt: Klar, wir haben ja 17 Jahre zusammengearbeitet und sind in der Zeit durch Dick und Dünn gegangen. Wir sind eine große Familie und kennen uns wirklich zu 1.000 Prozent. Er hat von uns viel gelernt und wir von ihm. Mit ihm waren wir in der DTM immer vorne dabei und haben immer um Siege gekämpft - auch, wenn wir - in Anführungszeichen - nur zwei Fahrermeisterschaften mit ihm geholt haben. Das waren geile Jahre und die möchte ich nicht missen. Er ist niemandem etwas schuldig geblieben und ich wünsche ihm weiter viel Erfolg in seiner Karriere.

Was wird in Ekström vorgehen, wenn die DTM ohne ihn in die neue Saison startet?
Hans-Jürgen Abt: Ich denke schon, dass er das beobachten wird. So schnell kann man da nicht loslassen. Aber dass er es macht, war schon eine gute Entscheidung. Die Entscheidung ist getroffen, damit muss er jetzt klarkommen. Schade, die DTM verliert einen tollen Rennfahrer mit einem großen Charakter.

Und einen Titelanwärter. Glauben Sie, die Entscheidung fiel ihm noch schwerer, weil er bis zuletzt auf einem extrem hohen Level fuhr?
Hans-Jürgen Abt: Ich glaube, es wäre sein größter Wunsch gewesen, wenn er als Meister hätte aufhören können. Das hat nicht geklappt. Wenn er jetzt zu verbissen gewesen wäre und es noch mal versucht hätte, wäre er vielleicht in ein Fahrwasser geraten, aus dem er nicht mehr rausgekommen wäre. Er hat alles richtig gemacht.

Was ist Ihre schönste Erinnerung mit Ekström?
Hans-Jürgen Abt: Das mag jetzt blöd klingen, aber das war unsere Meisterschaft 2002 mit Laurent Aiello. Da haben wir alle so sehr mitgeholfen und auch Mattias hat in diesem Jahr sein erstes DTM-Rennen gewonnen. Das war für beide eine Mega-Situation. Und natürlich Mattias' Meisterschaft 2004 in seinem ersten Jahr als Audi-Werksfahrer, als er all den alten Hasen wie Kristensen, Pirro und Capello um die Ohren gefahren ist.

DTM-Ikone Mattias Ekström: Das große Interview zum Rücktritt: (14:55 Min.)

Wie würden Sie ihn abseits der Rennstrecke beschreiben?
Hans-Jürgen Abt: Mit Mattias verbindet man gute Laune, auch ein bisschen Spitzfindigkeit. Er will immer alles wissen, aber das zahlt sich aus. Für mich ist er ein schlauer Kerl, der das auch als Rennfahrer immer umgesetzt hat. Er geht dabei auch ans Limit, aber überschreitet es nicht und bleibt sportlich fair. Er war immer bei der Sache und hat das Team dorthin gebracht, wo wir heute stehen.

Wie wichtig war Ihr Abt-Team für seine Karriere?
Hans-Jürgen Abt: Diese Zusammengehörigkeit war für ihn immer ganz wichtig. Er sagt ja immer, ich sei sein Ersatz-Papa. Wobei, so alt bin ich ja doch noch nicht... Aber er kam damals allein aus Schweden und wir haben ihn wirklich wie einen Sohn bei uns aufgenommen. Das dankt er uns heute noch.

Viel mehr als nur Arbeitskollegen: Mattias Ekström und Ersatz-Papa Hans-Jürgen Abt - Foto: Audi

Hätten Sie damals erwartet, dass Ekström so eine erfolgreiche Karriere in der DTM haben würde?
Hans-Jürgen Abt: Ja, ganz klar. Mattias ist ja 1999 bei uns in der STW mitgefahren und da habe ich schon etwas Besonderes in ihm gesehen. Er war damals schon schnell und auch einfach ein netter, ehrlicher Kerl. Das hat mir gut gefallen. Dann haben wir uns zusammengesetzt und ich habe ihm gesagt: 'Du brauchst nicht viel können und Geld gibt's keins, aber du bekommst was zu essen und zu trinken'. Das hat gepasst und heute kann er sehr zufrieden sein mit dem, was er erreicht hat.


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