DTM

Nach Horror-Unfall am Norisring: So geht es Audi-Fahrer Rockenfeller

Der schwere Unfall von Gary Paffett am Norisring bleibt nicht ohne Folgen. Verpasst Mike Rockenfeller das nächste DTM-Rennen wegen seiner Verletzung?
von Robert Seiwert
Norisring-Unfall: Paffett rutscht in Rockenfeller: (00:59 Min.)

Der schwere Unfall von Gary Paffett und Mike Rockenfeller am Sonntag bei der DTM am Norisring überschattete das dramatischste Rennen des Jahres. Zwar wurde Paffetts Mercedes wesentlich schwerer beschädigt, die schwerwiegenderen Folgen trug jedoch der Audi-Pilot beim Zusammenprall davon. Die Diagnose laut Audi-Angaben: eine kleine Fraktur des fünften Mittelfußknochens am linken Fuß.

Rockenfeller wurde nach dem Unfall sofort ins nahe gelegene Krankenhaus in Nürnberg zum Röntgen transportiert. Spät am Abend äußerte er sich im Gespräch mit der ARD erstmals zum Unfall und den möglichen Folgen.

Die große Frage: Wird der DTM-Meister von 2013 rechtzeitig fit für das nächste Rennen in Russland? Vom 21.07. bis 23.07. gastiert die Tourenwagenserie in Moskau, Rockenfeller bleiben also etwas mehr als zwei Wochen Zeit für den Heilungsprozess.

Zum Glück braucht man linken Fuß kaum

"Sagen wir mal so", holte Rockenfeller aus. "Natürlich ist mein Wunsch, in Moskau zu fahren. Das ist ja klar. Sonst ist die Saison gelaufen. Wir haben schon mit den Ärzten gesprochen, was man machen kann. Man muss zwei, drei Tage abwarten, bis die Schwellung weg ist. Zum Glück braucht man den linken Fuß eigentlich kaum im Rennauto. Ich denke, dass wir eine Lösung finden, wenn alles optimal läuft. Aber das ist noch schwer abzuschätzen, kann man noch nicht zu 100 Prozent sagen."

Rockenfellers Glück im Unglück: Er verletzte sich nur am linken Fuß, von weiteren Verletzungen blieb er verschont. Bei derartigen Unfällen, auf die ein Fahrer nicht vorbereitet ist, kann es schnell zu einem Bruch im Handbereich kommen, wenn der Fahrer die Finger nicht schnell genug vom Lenkrad wegnehmen kann.

"Grundsätzlich geht's mir gut", sagte Rockenfeller. "Es tut alles ein bisschen weh. Es hat einen Schlag getan, das war ziemlich heftig. Ich habe nullkommanull damit gerechnet. Das ist dann noch blöder."

Gary Paffett schlug mit seinem Mercedes hart in der Mauer ein - Foto: Motorsportpics.de

Viel schlimmer angefühlt

Der Knackpunkt war Rockenfellers Fuß. Das Kupplungspedal schlug ihm beim Einschlag gegen den linken Fuß, als sich dieser noch auf dem Bremspedal befand. "Man muss sich vorstellen, dass das Pedal wie eine Stahlplatte ist", erklärte der Audi-Pilot. "Wenn der Fuß daneben ist und dir einer die Fahrertür knallt, dann ist das schon eine Wucht. Der Schlag von Gary hat sich viel schlimmer angefühlt als es auf den Bildern aussieht. Die Wucht war enorm. Ein unglücklicher Umstand, dass mir das Pedal gegen den Fuß geschlagen ist."

Rockenfeller stieg aus eigener Kraft aus seinem Auto aus, humpelte aber direkt und setzte sich abseits der Strecke zügig auf den Boden. Damit bestätigte sich der erste Eindruck, dass er sich eine Verletzung am Fuß zugezogen hatte. "Ich habe direkt gemerkt, dass es weh tut", sagte er. "Ich habe den Schuh ausgezogen, bin ein paar Schritte gegangen und habe schon gedacht, dass es nicht ganz perfekt ist."

Vorausgegangen war eine leichte Kollision mit Jamie Green - Foto: Motorsportpics.de

Operation nicht ausgeschlossen

Wie es bei Rockenfeller weitergeht, war zunächst unklar. Eine Operation ist nicht auszuschließen. "Ob eine Schraube rein muss, wird man entscheiden", sagte er am Sonntagabend. "Ich hoffe, dass es gut heilt und sich nichts verschiebt, wenn man es nicht operiert. Das ist nichts Dramatisches, aber für meine Saison kann es dramatisch sein."

Rockenfeller belegt nach dem vierten Rennwochenende den achten Platz in der Meisterschaft mit 54 Punkten. Der Rückstand auf Spitzenreiter Mattias Ekström beträgt 35 Zähler. Eine Absage der Moskau-Rennen würde sicherlich schmerzen. Vor allem Rockenfeller, der in Russland 2013 und 2015 jeweils einen Sieg erzielte. 2011 musste Rockenfeller ein DTM-Rennen auslassen, nachdem er sich bei den 24 Stunden von Le Mans verletzt hatte.

Mike Rockenfeller hatte keine Chance, auszuweichen - Foto: Motorsportpics.de

Paffett: Die Ärzte waren schockiert

Der Zweite im Bunde, Gary Paffett, kam mit ein paar Prellungen und kleinen Schnittwunden davon. Dabei war er mit seinem Mercedes heftig in die Mauer eingeschlagen, das Auto am Ende ein komplett zerstörtes Wrack - aber die Sicherheitszelle verhinderte Schlimmeres.

"Die Ärzte waren schockiert, wie schnell ich bei dem Unfall war", sagte der Brite. Der Unfall dürfte sich bei rund 240 km/h zugetragen haben. "Die haben sich auch gewundert, dass ich keine Verletzungen habe."

Paffett gab zu, dass er nach dem Mauereinschlag und der anschließenden völlig unverschuldeten Kollision mit Rockenfeller erst einmal Zeit zum Durchatmen brauchte: "Es hat sich angefühlt, als ob dieser Unfall niemals enden würde. Als es vorbei war, habe ich erst mal eine Minute ganz still sitzen müssen. Bei diesen Einschlägen hätte, ehrlich gesagt, alles passieren können."


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