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DTM-Meister seit 2000 im Rückblick: Von Schneider bis Rast

Rene Rast trägt sich mit dem Titelgewinn 2019 ein weiteres Mal in die Geschichtsbücher der DTM ein. Motorsport-Magazin.com mit dem Champions-Rückblick.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Zwei Meisterschaften in den ersten drei DTM-Jahren: Rene Rast bestätigt mit dem vorzeitigen Titelgewinn 2019 seinen Ruf als Tourenwagen-Phänomen. Beim Saisonfinale auf dem Hockenheimring (04.-06. Oktober) ist der Audi-Star rechnerisch nicht mehr einholbar. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf alle DTM-Champions seit der Saison 2000 und wie sie ihre Titel gewannen.

2000 - Bernd Schneider

Die DTM ist zurück: Nach dem Verschwinden der Originalserie im Jahr 1996 kommt es 2000 zum mit Spannung erwarteten Comeback. 23 Piloten fahren an neun Rennwochenenden, mit jeweils zwei Rennen, den Sieger aus. Mit sieben Saisonsiegen in 17 Rennen - auf dem Lausitzring fällt der zweite Lauf den sintflutartigen Regenfällen zum Opfer - krönt sich Bernd Schneider zum DTM-Champion des Comeback-Jahres. Auf den Plätzen zwei und drei landen Manuel Reuter und Klaus Ludwig.

Bernd Schneider ist 2000 nicht zu bezwingen - Foto: Sutton

2001 - Bernd Schneider

20 Läufe, sechs verschiedene Sieger: Die Saison 2001 bietet reichlich Abwechslung. Der Sieger steht allerdings nie zur Debatte. Bernd Schneider setzt sich gleich beim Auftakt an die Spitze des Fahrerfeldes und gibt die Führung bis zum letzten Rennen nicht mehr ab. Nach dem Saisonfinale in Hockenheim hat er einen Vorsprung von 60 Punkten auf den Zweitplatzierten Uwe Alzen. Damit gelingt ihm als erstem Fahrer überhaupt die erfolgreiche Titelverteidigung.

Mr. DTM Bernd Schneider ist auch 2001 das Maß der Dinge - Foto: Sutton

2002 - Laurent Aiello

Laurent Aiello oder Bernd Schneider? Diese beiden Fahrer machen 2002 den Gesamtsieg unter sich aus. Der Franzose hat den besseren Start und entscheidet vier der ersten fünf Rennen zu seinen Gunsten. Die zweiten Saisonhälfte gehört dann aber Schneider. Einholen kann er den Audi-Piloten trotz einer spektakulären Aufholjagd aber nicht mehr.

Laurent Aiello triumphiert 2002 im gelben Audi TT - Foto: Miltenburg/Sutton

2003 - Bernd Schneider

Mit neun Siegen in zehn Rennen ist Mercedes 2003 das Maß aller Dinge. Langweilig ist die Saison trotzdem nicht. Bernd Schneider und Christijan Albers liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg in der Meisterschaft. Vor dem letzten Rennen liegt Schneider gerade einmal mit einem Punkt in Führung. Beim dramatischen Saisonfinale auf dem Hockenheimring reicht ihm der sechste Platz zum Erfolg, da Albers den Sprung in die Punkteränge verpasst.

Bernd Schneider rast auch 2003 zum Titelsieg - Foto: Sutton

2004 - Mattias Ekström

Ein Comeback nach Maß: Audi kehrt als Werksteam in die DTM zurück und sichert sich auf Anhieb die Titel in der Fahrer-, Team und Herstellerwertung. Bei den Piloten ist Mattias Ekström nicht zu schlagen. Mit vier Saisonsiegen und insgesamt 17 Punkten Vorsprung auf Vizemeister Gary Paffett feiert er einen ungefährdeten Erfolg. Paffett steht zwar auch viermal ganz oben auf dem Podium, zeigt aber bei Weitem nicht die gleiche Konstanz wie der Schwede.

Mattias Ekström holt seinen ersten DTM-Titel in der Saison 2004 - Foto: DTM

2005 - Gary Paffett

Spannung pur - so lässt sich die Saison 2005 in zwei Worten zusammenfassen. Gary Paffett und Mattias Ekström liefern sich vom ersten Rennen an ein verbissenes Duell um die Fahrerkrone. Im Laufe der Saison kommt es zu sieben Führungswechseln - am Ende hat der Mercedes-Fahrer das bessere Ende für sich. Den Ausschlag zugunsten Paffetts geben schließlich seine fünf Saisonsiege, Ekström dagegen kommt nur auf drei.

2005 siegt Gary Paffett - hier zusammen mit Mika Häkkinen und Jamie Green - Foto: DTM

2006 - Bernd Schneider

2006 gelingt es Bernd Schneider noch einmal die jüngere Konkurrenz in die Schranken zu weisen. Damit krönt er sich zum fünften Mal zum Champion - bis heute Rekord. Bruno Spengler und Tom Kristensen bieten dem Altmeister im Titelkampf lange Zeit Paroli, doch letzten Endes setzt sich Schneider dank seiner großen Konstanz durch. Kleines Trostpflaster für Spengler: Mit vier Erfolgen feiert er die meisten Saisonsiege.

Mach's noch einmal, Bernd: Schneider sackt den fünften DTM-Titel ein - Foto: DTM

2007 - Mattias Ekström

Herzschlagfinale in Hockenheim: 2007 machen Mattias Ekström und Bruno Spengler den Titel unter sich aus. Vor dem letzten Rennen haben beide Fahrer noch Chancen auf den Titel. Der Schwede hat das bessere Ende für sich - wenn auch äußerst knapp. Auf dem Hockenheimring überquert er die Ziellinie als Dritter gerade einmal drei Zehntel vor seinem kanadischen Widersacher. Damit liegt er auch in der Gesamtwertung drei Punkte vor dem Mercedes-Piloten.

So siehen Doppel-Champions aus: Mattias Ekström 2007 - Foto: Sutton

2008 - Timo Scheider

2008 ist es endlich soweit: Beim zweiten Saisonrennen in Oschersleben feiert Timo Scheider seinen ersten DTM-Sieg überhaupt - nach acht Jahren und 79 Rennen. Doch damit gibt sich der Audi-Fahrer noch lange nicht zufrieden. Scheider hat auch in Brands Hatch und Hockenheim die Nase vorne und belegt nach elf Rennen auch in der Meisterschaft den ersten Platz. Der Endspurt von Mercedes-Pilot Paul Di Resta kommt zu spät.

2008: Timo Scheider ist am Ziel seiner Träume angekommen - Foto: audi

2009 - Timo Scheider

Normalerweise gilt: Den Titel zu verteidigen ist bedeutend schwieriger, als den Titel das erste Mal zu gewinnen. Timo Scheider lässt sich davon allerdings nicht beirren. Mit Platz zwei beim letzten Rennen in Hockenheim erringt der Audi-Pilot auch 2009 Sieg in der Einzelwertung. Gary Paffett und Mercedes müssen sich trotz vier Saisonsiegen mit Rang zwei begnügen.

Doppelschlag! Scheider verteidigt den Titel erfolgreich - Foto: Audi

2010 - Paul Di Resta

Nach drei Titeln für Audi ist 2010 wieder Mercedes an der Reihe. Paul Di Resta, Bruno Spengler oder Gary Paffett - so lautete die Meisterfrage vor dem Saisonfinale des Jahres 2010 in Shanghai. Paffett triumphiert auf dem Shanghai Street Circuit, doch der Schotte sichert sich dank eines zweiten Ranges die Meisterschaft. Paffett wird Gesamtzweiter, während Spengler, der vor dem letzten Rennen noch die Fahrer-Wertung angeführt hatte, auf Platz drei zurückfiel.

Paul Di Resta macht den Titel beim Finale in Shanghai klar - Foto: Sutton

2011 - Martin Tomczyk

2011 schlägt die Stunde von Martin Tomczyk. Schon als ewiges Talent verschrien gelingt dem Audi-Piloten nach der Versetzung von Abt Sportsline zu Phoenix Racing der große Wurf. Drei Siege, acht Podestplätze, niemals schlechter als Platz fünf lautet seine eindrucksvolle Bilanz. Logische Folge: der Titelgewinn - und das mit einem Vorjahres-Auto! Die ärgsten Rivalen heißen in diesem Jahr Mattias Ekström und Bruno Spengler.

Erst der Titel, dann der Wechsel zu BMW: Martin Tomczyk 2011 - Foto: Audi

2012 - Bruno Spengler

BMW kehrt nach langjähriger Abstinenz in die DTM zurück - und das mit einem Paukenschlag. Bruno Spengler führt sein schwarzes Biest auf Anhieb zum Titelsieg. Beim Saisonfinale in Hockenheim macht der Kanadier den Coup perfekt und entscheidet das Titelduell gegen Gary Paffett zu seinen Gunsten. Mit nur vier Punkten Vorsprung wird Spengler am Ende Meister. Riesen-Jubel bei den Münchnern - große Trauer bei Mercedes. Auch, weil Spengler jahrelang für die Stuttgarter auf Meisterschafts-Jagd gegangen, am Ende aber immer gescheitert war. Mit Neu-Arbeitgeber BMW gelang ihm das Kunststück nach vier Saisonsiegen im ersten Versuch.

Wahnsinns-Comeback von BMW in der DTM - Foto: RACE-PRESS

2013 - Mike Rockenfeller

Meisterschaften gewinnt man mit Konstanz. Bestes Beispiel war in der Saison 2013 Mike Rockenfeller. Mr. Zuverlässig hamsterte sich zusammen mit Phoenix Racing kontinuierlich zum Titelsieg. Rocky punktete in den ersten neun Rennen der Saison. Zwar gewann er nur zwei Rennen in Brands Hatch und Russland, schaffte es aber sieben Mal unter die besten Vier. Ärgster Verfolger war zum Schluss Augusto Farfus. Mit zwei Siegen gegen Saisonende sicherte sich der BMW-Pilot immerhin die Vize-Meisterschaft.

Mike Rockenfeller setzt Super-Serie von Phoenix Racing nahtlos fort - Foto: Audi

2014 - Marco Wittmann

Die Saison 2014 trägt einen Namen: Marco Wittmann. Der Youngster beschert BMW den zweiten Titelsieg seit der Rückkehr in der DTM. Beim drittletzten Rennen des Jahres reicht dem Franken schon der sechste Platz, um die Meisterschaft vorzeitig einzusacken. Wittmann dominierte die Saison fast nach Belieben. Vier Siege in den ersten acht Läufen reichten, um sich zum jüngsten deutschen Meister in der Geschichte der DTM zu küren. Wittmann fuhr in seinem zweiten Jahr in der Tourenwagenserie in einer eigenen Liga. Direkte Titel-Konkurrenz hatte der 24-Jährige praktisch nicht.

Marco Wittmann wird 2014 der zu diesem Zeitpunkt jüngste deutsche Meister der DTM-Geschichte - Foto: DTM

2015 - Pascal Wehrlein

Pascal Wehrlein kürte sich in der Saison 2015 zum jüngsten Meister in der Geschichte der Tourenwagenserie. Der spätere Formel-1-Aufsteiger hatte es auf seinem Weg zum Titel allerdings nicht leicht. Zum einen sah er sich massiven Angriffen von Konkurrenten und einigen Fans ausgesetzt, weil Mercedes ihn im Titelkampf bevorzugte. Der Hersteller betrachtete Wehrlein als einzige Chance, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können und setzte frühzeitig auf diese Karte. Wehrlein war später auch in den durch den damaligen Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich und Audi-Fahrer Timo Scheider ausgelösten "Schieb-ihn-raus"-Skandal in Spielberg verwickelt. Eine äußerst kontrovers diskutierte Saison, in der Wehrlein die Meisterschaft vor dem Audi-Trio Jamie Green, Mattias Ekström und Edo Mortara gewann.

Pascal Wehrlein ist der jüngste Champion der DTM-Geschichte - Foto: DTM

2016 - Marco Wittmann

Einmal mehr bewies sich Marco Wittmann in der DTM-Saison 2016 als BMW-Aushängeschild der Neuzeit. Er erzielte seinen zweiten Titelgewinn nach 2014 - allerdings nicht ganz ohne Mithilfe. Weil BMW in der Vorsaison unterlegen war, wurde das Mindestgewicht für den BMW M4 um 7,5 Kilo gesenkt und der Heckflügel um 50 Millimeter verbreitet. Wittmann wusste das Paket abermals am besten zu nutzen und holte den Titel mit nur vier Punkten Vorsprung vor Audi-Pilot Edo Mortara. Die Ingolstädter legten sich in diesem Jahr bis zuletzt nicht auf einen Favoriten fest, weil auch Jamie Green lange Zeit starke Leistungen zeigte. Das könnte Audi letztendlich den Titel gekostet haben. Mortara wechselte nach einem Zerwürfnis mit Audi zur folgenden Saison zu Mercedes.

Marco Wittmann feiert seinen zweiten Titelgewinn innerhalb von drei Jahren - Foto: BMW AG

2017 - Rene Rast

Die Sensation ist perfekt: Rene Rast sichert sich in seiner Rookie-Saison in der DTM auf Anhieb die Meisterschaft! Nachdem der damals 30-Jährige bei zahlreichen DTM-Testfahrten gescheitert war und 2016 nur durch die Verletzung von Audi-Pilot Adrien Tambay in Zandvoort erste Rennen fahren konnte, meldete sich Rast zurück und holte den Titel in einem dramatischen Finale vor seinen Audi-Markenkollegen Mattias Ekström, Jamie Green und Mike Rockenfeller. Rast profierte 2017 bereits von seiner Qualifying-Stärke und den neu eingeführten Extra-Punkten: Allein mit seinen Quali-Ergebnissen erzielte Rast 17 Zähler. Titelfavorit Ekström trat nach der Saison zurück, Rockenfeller hätte trotz des Horror-Unfalls am Norisring beinahe seine zweite Meisterschaft gewonnen.

Rene Rast gewinnt die Meisterschaft beim DTM-Debüt - Foto: Audi Sport

2018 - Gary Paffett

Gary Paffett bescherte Mercedes zum DTM-Abschied nach 30 Jahren die Fahrer-Meisterschaft. Die durch Aero-Regeländerungen stark eingebremste Audi-Mannschaft war lange Zeit völlig chancenlos, während Paffett und Paul Di Resta in Richtung Titel marschierten. Paffett behielt am Ende die Oberhand, doch es war einmal mehr Rene Rast, der für Schlagzeilen sorgte. Zwischenzeitlich lag er mit 100 Punkten zurück, bevor er eine in der DTM einzigartige Serie startete und die letzten sechs Rennen in Folge gewann. Hätte Rast in diesem Jahr nicht einen schweren Unfall am Lausitzring gehabt und stattdessen ein paar Punkte eingefahren, hätte es mit dem Titel-Schlussspurt reichen können. Paffett sackte seine zweite Meisterschaft nach 2005 mit drei Siegen, zehn Podestplätzen und fünf Pole Positions ein.

Gary Paffett verabschiedet sich als Champion mit Mercedes aus der DTM - Foto: LAT Images

2019 - Rene Rast

Rene Rast gewinnt mit dem neuen Turboauto seine zweite Meisterschaft nach 2017. Als erster Fahrer in der DTM-Geschichte holt der Audi-Star zwei Titel innerhalb der ersten drei Jahre. Wie schon 2017, ist das Qualifying der Erfolgsschlüssel. Bis zum vorletzten Rennwochenende auf dem Nürburgring, wo er den vorzeitigen Titelgewinn feiern kann, erzielt Rast 32 Extra-Punkte allein durch das Zeittraining. Audi sieht sich in dieser Saison mehrfach Teamorder-Vorwürfen ausgesetzt, weil die Titelanwärter Rast und Nico Müller nach einem folgenschweren Crash am Norisring nicht frei gegeneinander kämpfen dürfen. Müller fährt in den ersten 14 Rennen durchweg in die Punkteränge, ist Rast im Qualifying aber deutlich unterlegen.

DTM-Champion 2019 Rene Rast im Exklusiv-Interview: (09:51 Min.)


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