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DTM 2020: Rene Rast erringt Meisterschaft mit Hockenheim-Sieg

Rene Rast ist DTM-Champion 2020. Der Audi-Star feiert seinen dritten Titel beim Saisonfinale in Hockenheim. Müller Zweiter beim letzten Rennen der Class 1.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Rene Rast ist DTM-Champion 2020! Der Audi-Pilot sicherte sich beim Saisonfinale in Hockenheim seine dritte Meisterschaft nach 2017 und 2019 in der Tourenwagenserie. Rast gewann das abschließende Sonntagsrennen auf dem Hockenheimring vor seinem verbliebenen Titelrivalen Nico Müller und Audi-Markenkollege Jamie Green.

"Ich kann es nicht in Worte fassen, mir fällt so viel Druck von den Schultern", sagte Rast mit zittriger Stimme nach dem Zieleinlauf mit zehn Sekunden Vorsprung am Funk.

Mit seinem dritten Titelgewinn im vierten vollen DTM-Jahr schrieb Rast einmal mehr Geschichte. In der ewigen Statistik belegt der 34-Jährige nun gemeinsam mit Tourenwagen-Legende Klaus Ludwig den zweiten Platz. Mehr Meisterschaften gewann nur Bernd Schneider, der mit Mercedes fünf DTM-Titel holte.

Rast erzielte in Hockenheim den 24. Sieg im 76. Rennen seiner erst 2016 begonnenen DTM-Karriere. Mit seinem siebten Saisonsieg überholte der gebürtige Mindener die Audi-Ikone Mattias Ekström (23 Siege) und ist nun erfolgreichster Fahrer des Autobauers aus Ingolstadt. Mehr Siege haben nur Schneider (43) und Ludwig (37) eingefahren.

Spannung in erster Rennhälfte

Spannend war das letzte Rennen des Jahres in der ersten Hälfte. Rast verlor die Pole Position wenige Meter nach dem Start an den Zweitplatzierten Mike Rockenfeller. Auch Nico Müller gelang von P4 ein guter Start vorbei an Jamie Green. Rast eroberte die Führung nach harten Duellen mit Rockenfeller in den ersten Runden zurück, während Müller an dritter Stelle lauerte. Der Schweizer absolvierte seinen Pflicht-Boxenstopp in Runde 14, während sich Rast in Runde 17 neue Hankook-Reifen abholte.

Müller gelang der Undercut und bei Rasts Ausfahrt aus der Boxengasse übernahm er erstmals die Führung mit fünf Sekunden Vorsprung. In Runde 24 schlug Rast nach mehreren schnellen Rundenzeiten zurück und setzte sich gegen Müller durch.

Eine Untersuchung der Rennleitung wegen durchdrehender Räder beim Boxenstopp endete mit einer Verwarnung für Rast. In der Folge meldete Müller Probleme mit seinem Reifenverschleiß, während Rast seinen Vorsprung auf mehrere Sekunden ausbaute.

Spannender war es hinter den beiden Titelanwärtern. Mike Rockenfeller lieferte sich in der Schlussphase ei hartes Duell mit seinem Audi-Kollegen Jamie Green. Der Brite setzte sich durch und erzielte sein zweites Podium auf dem Hockenheimring an diesem Wochenende. Rockenfeller, Robin Frijns und Loic Duval bescherten Audi zum Abschluss einen Sechsfachsieg.

Rene Rast und Nico Müller: Stimmen zum Rennen

DTM-Champion Rene Rast: "Ich wollte den Titel unbedingt haben. Die Saison mit so einem Rennen abzuschließen, lässt sich nicht in Worte fassen. Die Jungs sind mit Herzblut dabei und geben ihr Leben für das Auto und die Meisterschaft. Das Auto ging wie eine Granate, ich hätte bis morgen durchfahren können! Du denkst über so viele Sachen nach, ich musste aufpassen, nicht die Scheitelpunkte zu verpassen, weil ich zur Rennmitte schon Tränen in den Augen hatte."

Vize-Meister Nico Müller: "Irgendwo ist schon viel Wehmut dabei. Umso mehr, weil wir als Team einen super job gemacht haben. Es tut mir leid für die Jungs. Das soll nicht heißen, dass Rene den Sieg nicht verdient hat. Wenn alles passt, ist er nach wie vor superstark. Wir haben nicht hier in Hockenheim verloren und sollten nicht zu traurig sein. Aber im Moment überwiegt die Enttäuschung und es ist schwer zu akzeptieren."

Ende der Class-1-Ära

Mit dem DTM-Finale auf dem Hockenheimring endet die Ära der Class-1-Autos. In den beiden Jahren mit den 600 PS starken Turbo-Autos gewann Audi die Meisterschaften in allen Wertungen. In der Saison 2020 errangen die Ingolstädter 16 Siege und 17 Pole Positions in den 18 Rennen seit dem Auftakt in Spa-Francorchamps vor 100 Tagen. 2021 soll die DTM unter alleiniger Führung von Gerhard Berger mit GT3-Rennwagen fortgeführt werden.

Audi-Motorsportchef Dieter Gass: "Was für eine Ära in der Class 1 für Audi. In den letzten beiden Jahren mit dem Vierzylinder-Motor haben wir alles dominiert. Auch heute sechs Audis vorne zu haben, das sagt alles. Ich freue mich sehr für Rene, eine außergewöhnliche Leistung in den letzten sechs Rennen. In den Qualifyings war er immer da und fehlerfrei. Im Rennen heute zeigte eine sehr starke Pace. Nico war da und nahe dran, hat es am Ende des Tages aber nicht geschafft. Aber wir haben ein tolles Team zusammen mit tollen Ergebnissen. Es war ein Ehre mit allen in das Projekt Involvierten gearbeitet zu haben. Und, ja, das war das Ende in der DTM."

DTM 2020: Meisterschaft nach 18/18 Rennen (Top-5):

Position Fahrer Team Punkte
1 Rene Rast Audi Sport Team Rosberg 353
2 Nico Müller Audi Sport Team Abt Sportsline 330
3 Robin Frijns Audi Sport Team Abt Sportsline 279
4 Mike Rockenfeller Audi Sport Team Phoenix 139
5 Timo Glock BMW Team RMG 120

DTM Hockenheim: So lief das letzte Rennen 2020

Das Wetter: Kühle Temperaturen beim zweitspätesten Finale der DTM-Geschichte nach 2010 (Shanghai): Bei 11 Grad Außentemperatur nahmen die 16 Fahrer das letzte Rennen der Saison auf. Sonnenschein statt Regen-Risiko: Zumindest die Bilder des Finales sahen gut aus, wo Zuschauer und Medien wegen der Corona-Pandemie nicht an der Rennstrecke zugelassen waren. Als Vorgeschmack auf die Zukunft führte der von Schaeffler aufgebaut Elektro-Rennwagen mit 1.200 PS das Feld in die Einführungsrunde.

Die Startaufstellung: Rene Rast sicherte sich wie am Vortag die Pole Position in Hockenheim. Mit neuem Streckenrekord nahm der Audi-Pilot zum siebten Mal in diesem Jahr ein Rennen vom ersten Startplatz auf. Hinter dem 20-fachen Pole-Setter starteten Mike Rockenfeller und Rast-Teamkollege Jamie Green von den Plätzen zwei und drei. Nico Müller kam nicht über den vierten Startplatz hinaus und kassierte im Gegensatz zu Rast keine Extra-Punkte.

Der Start: Mike Rockenfeller übernahm von P2 mit einem Blitzstart die Führung von Rene Rast auf den ersten Metern. Nico Müller gelang ebenfalls eine Verbesserung um einen Platz vorbei an Rast-Teamkollege auf die dritte Position. Rene Frijns fuhr beim Start ohne größere Zwischenfälle vom achten bis auf den sechsten Platz nach vorne. Die Top-10 nach der ersten Runde: 1. Rockenfeller, 2. Rast, 3. Müller, 4. Green, 5. Aberdein, 6. Frijns, 7. Habsburg, 8. Duval, 9. Glock, 10. Eng

Die Boxenstopps: Nico Müller absolvierte in Runde 14 als zweiter Fahrer im Feld nach Lucas Auer seinen Pflicht-Reifenwechsel. Mit ihm bogen Timo Glock und Robert Kubica ab Zuvor fuhr der Schweizer mit 1,9 Sekunden Rückstand auf dem zweiten Platz hinter Rene Rast. Nach der Boxenausfahrt ordnete sich Müller zunächst auf Platz 13 ein.

In Runde 15 wurde es voll in der Boxengasse: Mike Rockenfeller von P3, Robin Frijns, Jonathan Aberdein und Philipp Eng ließen frische Hankook-Reifen aufziehen. Jamie Green auf P4 und Ferdinand Habsburg folgten in Runde 16, während Rast weiter an der Spitze seine Runden drehte.

Rast legte zusammen mit Loic Duval und Fabio Scherer seinen Pflicht-Reifenwechsel in Runde 17 ein - drei Runden nach Müller. Bei der Boxenausfahrt zog Müller vorbei und übernahm die Führung mit rund fünf Sekunden Vorsprung. Zu diesem Zeitpunkt war nur noch BMW-Fahrer Sheldon van der Linde auf seinen Startreifen unterwegs.

Die Top-10 nach allen Boxenstopps: 1. Müller, 2. Rast, 3. Rockenfeller, 4. Frijns, 5. Green, 6. Aberdein, 7. Glock, 8. Duval, 9. Eng, 10. Auer

Die Zwischenfälle: In Runde 3 ging es schon zur Sache, als Rene Rast den Führenden Mike Rockenfeller angriff, um die Spitze zurückzuerobern. Mit Lackaustausch erkämpfte sich Rast den ersten Platz nach hartem Kampf zurück, während Nico Müller an dritter Stelle lauerte. In Runde 4 schickte Sheldon van der Linde seinen Kontrahenten Robert Kubica von der Strecke und kassierte wegen Abdrängens eine Verwarnung.

Funkansage von Müller nach seinem Pflicht-Boxenstopp in Runde 14: "Mein Push-to-Pass funktioniert nicht!" Wenig später kassierte Ferdinand Habsburg eine Durchfahrtsstrafe, weil er mit 55 statt der erlaubten 50 km/h durch die Boxengasse gefahren war.

Rast im Glück: In Runde 23 stand er unter Beobachtung der Rennleitung wegen durchdrehender Räder beim Boxenstopp, bevor das Auto auf den Asphalt gelassen wurde. Nach einer Untersuchung sprachen die Rennkommissare eine Verwarnung gegen Rast aus, während er in Führung vor Müller blieb.


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