DTM

Von 0 auf Titel in drei Jahren - Doppelsieg in Spielberg: Das steckt hinter RMG

Reinhold Motorsport, kurz RMG, gewann in Spielberg beide Rennen. Motorsport-Magazin.com erklärt das Team und die Erfolgsformel.
von Chris Lugert & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Seit 2015 wird in der DTM nach einem neuen Rennmodus gefahren, der zwei Rennen an einem Wochenende beinhaltet. In Spielberg feierte BMW zum dritten Mal seit Einführung des neuen Formats in beiden Läufen einen Sieg. Zum ersten Mal jedoch durfte ausschließlich eines der vier Einsatzteams die Lorbeeren auf sich vereinigen. Dank Marco Wittmann und Timo Glock feierte RMG diesen historischen Erfolg.

Stefan Reinhold begann 2011 bei null

Zusammen mit den drei anderen Einsatzteams Schnitzer, MTEK und RBM stieß das Team um Stefan Reinhold 2012 als BMW-Einsatzteam zur DTM. Das Team wurde innerhalb weniger Monate zusammengebracht, die Mitarbeiter kamen aus allen Bereichen des Motorsports. Niedergelassen hat sich die Mannschaft in Niederzissen nahe des Nürburgrings. Dort, in den ehemaligen Hallen des Zakspeed-Teams, war nichts vorhanden, als Reinhold mit seinem Team kam. "Wir mussten die komplette Infrastruktur aufbauen, denn die Hallen waren fast leer, als wir hier eingezogen sind", sagte Reinhold, als Motorsport-Magazin.com dem Team 2011 einen Besuch abstattete. Inzwischen hat sich dank Reinholds harter Arbeit ein hochprofessionelles Rennteam entwickelt.

So sieht die Firmenzentrale von RMG in Niederzissen aus - Foto: adrivo Sportpresse GmbH

Als prominenten Fahrer für die erste Saison konnte man den damals amtierenden Meister Martin Tomczyk verpflichten, Teamkollege wurde der US-Amerikaner Joey Hand. Im ersten Jahr fuhr Tomczyk zwar dreimal auf das Podium, Siege aber blieben aus. 2013 entwickelte sich dann zum Seuchenjahr mit gerade einmal 20 Punkten am Saisonende. Es folgte ein radikaler Wechsel.

Für die Saison 2014 wurde ein neues Fahrer-Duo verpflichtet. Marco Wittmann kam vom BMW-Team MTEK, Maxime Martin kam aus der American Le Mans Series. Im Vorjahr hatte Martin mit einer überragenden Leistung bei den 24 Stunden am Nürburgring für Aufsehen gesorgt. Für Reinhold Motorsport erwiesen sich diese Maßnahmen als Volltreffer. Insgesamt fünf Rennen gewann die Truppe aus Rheinland-Pfalz. Wittmann krönte sich mit vier Siegen zum Champion, Martin feierte in Moskau seinen ersten DTM-Sieg. Den Triumph perfekt machte RMG durch Platz 1 in der Teamwertung.

Aufgrund eines unterlegenen BMW in der Saison 2015 sowie des neuen Modus' mit zwei Rennen pro Wochenende konnte RMG die Titel nicht verteidigen. Immerhin konnte in der Teamwertung der zweite Platz erreicht werden. Vor der aktuellen Saison wechselte Martin zu RBM, Timo Glock übernahm seinen Platz. Und auch diese Personalentscheidung scheint ein Geniestreich zu sein. In Hockenheim kostete die Disqualifikation von Glock zahlreiche Punkte, ansonsten läge der Formel-1-erfahrene Routinier in der Meisterschaft schon deutlich in Führung.

In Hockenheim wurde Timo Glock nachträglich disqualifiziert - Foto: BMW

Glock und Wittmann loben Detailbesessenheit

Was ist das Geheimnis des Erfolgs, den das Team immer wieder feiern kann? "Sie haben eine andere Herangehensweise. Stefan Reinhold kenne ich schon aus meiner Toyota-Zeit, viele Mechaniker auch. Dadurch ist die Stimmung super", versucht sich Glock im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com an einer Erklärung des Erfolgs. Auch mit Marco Wittmann fuhr Glock bereits in einem Team, ehe dieser bereits vor zwei Jahren zu RMG wechselte. Das gute Verständnis untereinander ist jedoch nur eine Seite der Medaille.

Sie geben mir immer ein Auto, was schon sehr gut ausbalanciert ist und wo wir immer nur kleinste Stellschrauben verstellen müssen.
Timo Glock

"Die gehen in sehr vielen Dingen ins Detail. Wir reden von 24 Autos innerhalb von sieben Zehnteln oder gar weniger. Da kommt es sehr auf Details an und da machen alle Jungs im Team einen sehr runden, super Job. Sie sind sehr fokussiert und setzen das super um", erklärt Glock. Gerade an den ersten beiden Wochenenden profitierte der 34-Jährige nach eigener Aussage vom Eifer seiner Mannschaft. "Sie geben mir immer ein Auto, was schon sehr gut ausbalanciert ist und wo wir immer nur kleinste Stellschrauben verstellen müssen. Es gab keine Änderung an den ersten zwei Rennwochenenden, die nach hinten losgegangen ist", erklärt Glock.

Aussagen, die Wittmann nur bestätigen kann. Die Zusammenarbeit mit Glock sei ein wichtiger Baustein. "Wir verstehen uns nach wie vor super gut. Timo hat sich gut eingelebt bei uns. Ich glaube, wir sind mit RMG gut aufgestellt. Wir haben es die letzten zwei Jahre bewiesen und haben nicht umsonst 2014 die Meisterschaft gewonnen. Mit uns ist glaube ich jederzeit zu rechnen", ist sich Wittmann der Stärke des Teams bewusst.

Auch der Champion von 2014 attestiert seinem Team eine extrem detaillierte Arbeitsweise. "Im Endeffekt sind alle Teams mega-professionell. Aber es sind halt kleine Sachen, kleine Details, die dann am Ende eventuell den Unterschied machen", erläutert er. "Wir haben auch im Winter wieder hart gearbeitet, um unsere Defizite von 2015 ausmerzen zu können. Bis jetzt funktioniert das ganz gut", so Wittmann im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com.


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