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Die Gründe für das Desaster - Nur 6 Punkte: Mercedes erlebt Debakel-Wochenende

Mercedes reist als geprügelter Hund aus Österreich ab. Das Wochenende in Spielberg war ein einziges Desaster. Die Gründe:
von Chris Lugert & Steffi Szlapka

Motorsport-Magazin.com - Mercedes reist als der große Verlierer vom Red Bull Ring ab. Insgesamt holte die Marke mit dem Stern in der Steiermark gerade einmal sechs (!) mickrige Punkte. Und diese wurden durch Paul Di Resta am Samstag eingefahren. Nur eines von 16 Autos kam also in die zählbaren Ränge. Ein Desaster für Mercedes. In der Markenwertung rutschten die Stuttgarter vom ersten Rang nach dem Hockenheim-Wochenende nun auf Platz drei ab. Der einzige Trost: Di Resta verteidigte seine Gesamtführung, auch, weil die Konkurrenz mitspielte.

Wir haben das gesamte Wochenende keine Mittel und Wege gefunden, den Fahrern ein wettbewerbsfähiges Auto hinzustellen.
Ulrich Fritz

"Grundsätzlich ist das ein Trostpflaster. Wir sind da mit einem blauen Auge davon gekommen. Ehrlich gesagt, hat es der Wettbewerb uns an dieser Stelle auch leicht gemacht", gibt Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz gegenüber Motorsport-Magazin.com zu. Über das katastrophale Ergebnis hinwegtrösten kann es allerdings nicht. "Das war ein enttäuschendes Wochenende für Mercedes-Benz. Wir haben das gesamte Wochenende keine Mittel und Wege gefunden, den Fahrern ein wettbewerbsfähiges Auto hinzustellen", zeigt er sich selbstkritisch.

Auch wenn es im Rennen am Sonntag zu keinem Punkt reichte, sah Fritz eine Verbesserung. "Wir haben heute für das Rennen noch ein bisschen experimentiert und da scheint es ein bisschen besser gegangen zu sein. Robert [Wickens; Anm. d. Red] ist die schnellste Runde im Rennen gefahren, auch grundsätzlich konnten die Jungs kämpfen. Wenn Robert keine Durchfahrtsstrafe bekommen hätte, hätte er auch weiter vorne sein können", berichtet er das Rennen aus seiner Sicht.

Ein früher Crash brachte Robert Wickens eine Durchfahrtsstrafe ein - Foto: DTM

Scheider erneut als Spielberg-Rambo

Am nächsten dran an den Punkten war Gary Paffett, der sich nach einem beherzten Auftritt von Rang 22 bis an die Top 10 heran gekämpft hatte. Dort kam es Ausgang der Remus-Kurve zu einer kniffligen Szene, als Scheider den Briten bis auf das Gras drückte. "Wir kennen ja seine Spielberg-Affinität und es ist dann leider in der Wiese geendet", erinnert Fritz an den #schiebihnraus-Skandal im Vorjahr, als Scheider einer der Hauptbeteiligten war. "Daniel [Juncadella] auf Platz 12 war bester Mercedes. Das ist natürlich nicht das, was wir uns wünschen. Grundsätzlich war es im Rennen nicht schlecht, aber es lief schon im Qualifying schief. In einem so engen Feld wie der DTM geht das einfach nicht", so Fritz.

Ich denke, Bruno Spengler hat taktisch versucht, mein Qualifying zu zerstören und das hat er geschafft.
Paul Di Resta

Ebenfalls nicht komplett schwarz sah Paul Di Resta die Performance. "Gestern war es nicht allzu schlecht. Wir haben das Beste aus dem Paket gemacht. Von der generellen Leistung her können wir zufrieden sein", findet der Schotte im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Am Sonntag sei die Konkurrenz den Mercedes-Fahrern jedoch nicht gewogen gewesen. "Ich denke, Bruno Spengler hat taktisch versucht, mein Qualifying zu zerstören und das hat er geschafft", tobte der Gesamtführende. "Ich denke, das muss untersucht werden. Denn ich habe mir dabei meinen Unterboden zerstört und die Qualifikation als Letzter beendet. Meine Rennpace war stark und Platz fünf oder sechs wäre drin gewesen", ist er überzeugt.

Paul Di Resta sammelte die einzigen Mercedes-Zähler in Spielberg - Foto: DTM

Asphalt hilft Mercedes nicht

Also alles gar nicht so schlimm? War es wirklich zum Großteil Pech, weshalb Mercedes den Red Bull Ring fast komplett mit leeren Händen verlässt? Ulrich Fritz bringt auch noch einen der wichtigsten Faktoren an diesem Wochenende mit ins Spiel. "Wir sind auch der Meinung, dass uns hier das Thema Asphalt das Leben ein bisschen schwer gemacht hat", glaubt er. Auch die neue Silhouette der Fahrzeuge, mit der Mercedes in diesem Jahr fährt, will er als Grund nicht ausschließen. "Grundsätzlich war die Performance zumindest im Rennen da, aber ich hatte ja schon von Anfang an gesagt, dass es da durchaus hin und wieder Probleme geben kann", stellt er klar.

Wir reisen als Meisterschaftsführende an und wollen dementsprechend auch an der Spitze fahren.
Paul Di Resta über das Lausitzring-Rennen

Ohnehin bleibt für Mercedes einzig der Blick nach vorne. In zwei Wochen steht das Wochenende am Lausitzring auf dem Programm. Das Selbstvertrauen ist nach der jüngsten Schlappe nicht angeschlagen. "Es wird ein interessantes Wochenende. Letztes Jahr war Audi stark. Ich denke, wir haben uns deutlich verbessert. Wir hatten in der Vergangenheit dort starke Ergebnisse", blickt Di Resta zurück. "Wir reisen als Meisterschaftsführende an und wollen dementsprechend auch an der Spitze fahren. Hoffentlich klappt das und wir haben ein besseres Rennwochenende als hier", so der 30-Jährige.

Ähnlich wie Di Resta und Fritz sieht es auch Gary Paffett. "Ich hoffe, dass das hier eine einmalige Sache war. Es war ja auch etwas Besonderes mit der neuen Asphaltdecke. Wir haben noch einiges an Arbeit zu tun, um zu wissen, ob wir auf dem Lausitzring konkurrenzfähig sein werden. Wir sollten es aber", so Paffett gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Positiv ist, dass wir jetzt ein leichtes Auto haben. Daher haben wir gute Chancen. Es gibt aber keine Garantien", spricht er den Faktor Gewicht an. Zumindest für das erste Qualifying in der Lausitz gelten dieselben Performance-Gewichte wie im zweiten Rennen in Spielberg. Und da hatte Mercedes deutlich die leichtesten Boliden...


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