Motorsport-Magazin.com Plus
DTM

40 Prozent Konzept, 60 Prozent Setup - Norisring: Die Gründe für die Mercedes-Dominanz

Mercedes dominiert seit 13 Jahren auf dem Norisring. Ulrich Fritz erklärt die Gründe und warnt vor neuen Verhältnissen 2016.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Deutschland hatte gerade einmal ein paar Monate den Euro als Zahlungsmittel, als Mercedes zuletzt eine Niederlage am Norisring hinnehmen musste. 2002 war das, als Laurent Aiello im Audi den Sieg davontrug. Seitdem gab es nur noch Mercedes-Siege am Ring. 2013 wurde Audi-Fahrer Mattias Ekström der Sieg nachträglich aberkannt, sonst wäre die Serie bereits gebrochen. Doch noch immer gilt: Norisring ist Mercedes-Land.

Definitiv sind wir immer dann stark, wenn mechanischer Grip gefragt ist. Und der ist hier gefragt.
Ulrich Fritz

DTM-Leiter Ulrich Fritz versuchte sich in einer Medienrunde am Norisring an einer Erklärung für diese Dominanz, ohne zu viele Details zu verraten. "Wir wissen, wo wir Vorteile und wo wir Nachteile haben. Definitiv sind wir immer dann stark, wenn mechanischer Grip gefragt ist. Und der ist hier gefragt", erläuterte Fritz auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. Dieses habe konzeptionelle Gründe des Fahrzeuges, jedoch nicht ausschließlich. "Ich glaube es sind 40 Prozent Konzept und 60 Prozent Setup", rechnet er vor.

In diesem Jahr ist die Situation für Mercedes dahingehend komplett neu, da die Stuttgarter ein komplett neu entwickeltes Auto an den Start bringen. Bislang erwies es sich immer hin stark genug, um Robert Wickens an die Spitze der Meisterschaft zu bringen. Ob jedoch die imposante Serie auf dem Nürnberger Stadtkurs ausgebaut werden kann, bleibt abzuwarten. "Wir sind in Spielberg überrascht worden. Wir hoffen, dass uns das hier nicht passiert, aber auszuschließen ist es natürlich nie", mahnt Fritz zur Vorsicht.

Robert Wickens führt die Meisterschaft an - Foto: Simninja Photodesignagentur

Böses Erwachen in Spielberg

In Österreich erlebte Mercedes ein Desaster. Eine Wiederholung würde man sich gerne sparen. "Wir haben natürlich hart dafür gearbeitet, das zu verstehen. Und natürlich ist der Norisring etwas ganz anderes als Spielberg. Aber wenn du mit einem neuen Auto auf die Strecke kommst, weißt du nie genau, wie sich das verhält. Von daher ist ein bisschen Respekt und Ehrfurcht immer angebracht, besonders bei einer kurzen und anspruchsvollen Strecke wie hier", übt sich der Mercedes-Boss in Zurückhaltung.

Die Herausforderung wird sein, ob das neue Auto so gut bremst und beschleunigt, wie das alte Auto.
Ulrich Fritz

So könnte es durchaus sein, dass wichtige Vorteile eingebüßt worden sind. "Es ist ja immer eine Frage der Balance, ob man das hinkriegt wie man will, oder ob man es nicht hinkriegt. Am Schluss ist genau das auch das Thema, das sich am Auto geändert hat. Die Aerodynamik über der Designlinie ist neu, jetzt müssen wir schauen", relativiert Fritz. "Hier gibt es eine Stelle, wo man von extrem hoher Geschwindigkeit herunter bremst. Da muss man das Vertrauen in das Auto haben. Das wird die Herausforderung sein, ob das neue Auto so gut bremst und beschleunigt, wie das alte Auto", erklärt er die wichtigsten Parameter.

Fritz merkt jedoch an, dass Mercedes auch bei der Fahrerwahl zuletzt ein goldenes Händchen hatte. Jamie Green gewann - noch in Diensten des Sterns - vier Rennen auf dem Norisring, Robert Wickens zuletzt zwei. "Es gibt hier Spezialisten und ein Jamie Green ist hier einfach Spezialist. Und ähnliches gilt inzwischen auch für einen Robert Wickens", weiß er. Grundsätzlich komme es auf dem tückischen Kurs auf die Komponente Erfahrung an. "Ich glaube, hier sind ein Stück weit auch die Routiniers gefragt. Du musst im Regen mit jeder weißen Linie per du sein, und wenn du das nicht bist, kriegst du es nicht auf die letzte Hundertstel herausgedrückt", glaubt er.


Weitere Inhalte: