DTM

Scheider und Abt reagieren auf Facebook - Funk-Skandal in Spielberg: Alle Stimmen

"Timo - schieb' ihn raus" - vier Wörter, die in Spielberg für hitzige Debatten sorgten. Motorsport-Magazin.com hat alle Stimmen und Reaktionen zum Funk-Skandal.
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Motorsport-Magazin.com - Christian Abt am Mittwoch bei Facebook: Ich kann es echt nicht mehr lesen was den ganzen Tag geschrieben wird. Glaubt ihr es war früher anderes? Nein. Ihr solltet euch mal die Rennen von damals anschauen, z.B. Singen oder Barcelona und dann gehen Euch die Augen auf was Hersteller sich schon alles so erlaubt haben. Das ist Motorsport und keine Kaffeefahrt...

Timo Scheider am Mittwoch bei Facebook: "Die letzten Tage sind nicht wirklich einfach gewesen. Ich habe mir viele Gedanken gemacht! Was passiert ist, kann man nicht mehr ändern aber daraus lernen... Tut mir bitte nur einen Gefallen für meine Familie und Dr. Wolfgang Ullrich, lasst diese beleidigenden Beschimpfungen! Ich akzeptiere jede Meinung, solange sie sachlich ist!"

Manuel Reuter: "Es spielen hier sehr viele Faktoren eine Rolle, und die sollte man abwägen. Wenn man sich nur die sichtbaren Fakten anschaut - also den Funkspruch und die folgende Kollision - sagt man natürlich, dass so etwas nicht sein darf und bestraft werden muss. Man sollte die Angelegenheit aber in einem größeren Zusammenhang sehen: die Emotionen, die Rahmenbedingungen und so weiter. Manchmal sagt man Dinge in der ersten Regung, die man gar nicht so meint. Die Frage ist, wie weit man gehen kann und inwieweit man solche Anweisungen oder Statements von sich geben darf."

Wolfgang Ullrich: "Ich habe mich bei der Aktion der Mercedes-Piloten geärgert und laut gebrüllt: "Jetzt schieb ihn halt raus!" Das war eine spontane Idee von mir. Vielleicht war dabei das Mikrofon von Ernst Moser auf. Ich kann es nicht sicher erklären. Ich weiß nicht, wie der Funkspruch zum Auto gekommen ist. Dass ich in der ersten Emotion am Kommandostand gerufen habe: ‚Timo, schieb ihn raus´, tut mir leid. Ich funke während des Rennens nicht mit den Fahrern und wusste nicht, dass der Funk offen ist. Es war auf gar keinen Fall eine Anweisung an Timo."

"Ich kann mich bei Mercedes für diesen Spruch nur entschuldigen. Eine solche Äußerung drückt nicht mein Verständnis von Motorsport aus, sondern war allein dem Adrenalin in diesem Moment geschuldet. Ich bin ein Racer und war wütend, wie mit Timo umgegangen wurde. Wir werden uns jetzt zusammensetzen und werden schauen, was passiert ist. Aber für mich ist es ja eine Rennsituation gewesen, die durch gewisse Dinge hervorgerufen wurde und es ist was dabei rausgekommen, aber die Rennfahrer entscheiden selbst, was sie tun."

"Ich sage euch nur, dass der Timo sicherlich nicht, wenn man ihm irgendetwas ins Ohr sagt, was nicht in Ordnung ist, tun würde. Das ist, wie ich es einschätzen kann. Ich würde dem Timo die Möglichkeit geben, dass man sich seine Daten anschaut, weil für mich hat der Timo überhaupt nichts Böses getan. Und ich nehme auch an, dass die Herren davor, sich auch noch nicht einsortiert gehabt haben. So sehe ich das. Also ich sehe da keinerlei Absicht."

Foto: DTM

Timo Scheider: "Ich habe keinen Funkspruch bekommen. Erst als ich in der Box war, hat man mich gefragt, ob ich den Funkspruch gehört habe. Aber in dem Moment selbst habe ich nichts registriert. Ungünstiger Funkspruch, muss man schon sagen. Aber im Auto kam er leider - oder Gottseidank, wie auch immer - nicht an. Ich habe mich natürlich gleich beschissen gefühlt. Den Meisterschaftsführenden möchtest Du bei so einer Situation schon gar nicht entsorgen. Es ist mit Sicherheit keine Absicht gewesen."

"Ich habe mir die Daten auch noch mal angeschaut, weil ich mir nichts vorwerfen wollte. Die Daten haben klar gezeigt, dass ich weder später noch sonst irgendwie anders gebremst habe als vorher. Von daher war ich angesichts der Situation entspannt. Wenn man sich den Kontakt anschaut, dann war es ein sehr leichter Kontakt. Die Anfahrt auf Kurve 3 ist mit Sicherheit einer der schwierigsten Bremspunkte bei diesen regnerischen Bedingungen. Wenn man sich den Rennverlauf anschaut und sieht, wie viele Autos da im Kiesbett waren, wird klar, wie schnell das an dieser Stelle geht."

"Ich denke, dass sich Pascal sicher gefühlt hat, weil Robert ihn abgeschirmt hat. Er nahm dann ein bisschen Speed raus und daraus hat sich ein Dominoeffekt herauskristallisiert. Am Fernseher sah das dann natürlich doof aus. Das war Racing unter Kampfbedingungen, aber das sollte nicht passieren. Wir können uns gerne die Daten anschauen, aber ich denke, dass ich keine Strafe zu befürchten habe. Bei so einer Situation möchtest du den Meisterschaftsführenden nicht entsorgen. Es tut mir Leid, es war mit Sicherheit keine Absicht. Die Daten haben ganz klar gezeigt, dass ich weder später noch sonst irgendwie anders gebremst habe als vorher. Von daher bin ich ganz entspannt gewesen."

Ernst Moser: "Timo (Scheider) hätte verdient gepunktet. Dass bei dem von allen drei Beteiligten hitzig geführten Dreikampf zwei Mercedes in der letzten Runde im Aus gelandet sind, tut uns leid. Wir akzeptieren den Wertungsausschluss von Timo."

Foto: DTM

Pascal Wehrlein:"Heute ist der Tag, an dem Timo Scheider seine Vorbildfunktion für unseren Sport verloren hat. Es war offensichtlich nicht nur ein kleiner Schubser, sondern man ist uns komplett hinten drauf gefahren und für mich war keine Chance irgendwie das Auto zu halten. Im Endeffekt musste ich dann mein Auto auch abstellen, weil ich mich gedreht habe. Nachdem ich die Situation auch im Fernsehen gesehen habe, und den Funkspruch gehört habe, finde ich das sehr, sehr dreckig von Audi. Aber es kriegt jeder seine Strafe, es kommt alles wieder zurück. Die Aktion von Audi und Timo Scheider war grob unsportlich und hat mich wichtige Punkte im Meisterschaftskampf gekostet. So etwas darf in unserem Sport niemals vorkommen. Trotzdem werde ich natürlich nicht aufgeben und versuchen, meinen Ärger in positive Energie umzusetzen, um bei den nächsten Rennen mit guten Ergebnissen zurückzuschlagen."

Robert Wickens: "Das war absolut unsportlich. Ich bin getroffen worden. Das ist unfair. Ich verteidige mich natürlich in der letzten Runde - das ist nicht fair. Ich habe ihn nicht blockiert - nur verteidigt."

Foto: Mercedes-Benz

Ulrich Fritz: "Es war klar Absicht. Den Meisterschaftsführenden auf Ansage so aus dem Rennen zu nehmen, hat mit fairem Sport nichts zu tun und ist nicht das, was wir in der DTM sehen wollen. Wenn man so eine Anweisung über Funk bekommt ist das die eine Geschichte, sie auszuführen als Fahrer enttäuscht mich schon schwer. Da gehören aber immer zwei dazu. Selbst wenn man so eine Anweisung bekommt, muss man das noch nicht durchführen. Was für mich definitiv zu weit geht, ist es, wenn Funksprüche platziert werden, in denen dem Fahrer ganz klar gesagt wird, dass er den vor ihm Fahrenden abdrängen oder von der Strecke schieben soll. Das hat für mich nicht viel mit Fairness zu tun - im Gegenteil. Das hat nichts mit fairem Sport zu tun."

"Die Stewards müssen entscheiden, wie es da weitergeht. Aus meiner Sicht ist es nicht genug, nur darüber nachzudenken, ob Timo Scheider bestraft wird, weil es war kein Rennunfall, es war Absicht und das auf klare Anweisung. Für mich war das grob unsportliches Verhalten und das passt für mich zu keinem einzigen Reglement. Jetzt wird die Aktion erstmal untersucht und die Stewards müssen entscheiden, wie es weitergehus meiner Sicht ist es aber nicht genug, nur darüber nachzudenken, ob Timo bestraft, weil es natürlich kein Rennunfall war. Es war Absicht, auf Anweisung. Das ist für mich ein grob unsportliches Verhalten und das passt für mich zu keinem Reglement."

"Nachdem wir gestern die Führung in der Gesamtwertung inne hatten, ist der Abstand jetzt natürlich schon extrem angewachsen. Auch für Robert, der aus Mercedes-Sicht zweiter in der Meisterschaft war. Von daher ist es sehr schwierig."

Toto Wolff: "Wenn es diesen Funkspruch gab, soll derjenige nie wieder auf eine Rennstrecke dürfen. Vorher war es hart aber fair. Aber sollte das wirklich so gewesen sein, wäre es indiskutabel und unter jeder Würde. Das tut man nicht, jemanden rausschieben. Den Gesamtführenden so rauszuschieben geht gar nicht. Da werden wir reinhalten."

Bernd Schneider: "So was ist nicht akzeptabel und man muss klarstellen, dass solche Aktionen nichts mit Motorsport zu tun haben. Was ist das für eine Ansage an unseren Nachwuchs?"

Norbert Haug: "Ich erinnere mich nicht, dass es das schon mal in der DTM gab. Ich kenne auch den Wolfgang Ullrich so nicht. Das muss man alles in Ruhe klären. Klar ist, was Toto gesagt hat: Rennsport geht so nicht."

Foto: DTM

Timo Glock: "Mir hat noch nie jemand sowas im Funk gesagt. Ich bin mir zu 100.000 Prozent sicher, dass sowas bei BMW nie der Fall sein würde. Da würde ich beide Hände für ins Feuer legen. Den Funkspruch habe ich nicht gehört. Ich habe es nur erzählt bekommen und möchte das nicht weiter kommentieren."

Michael Kramp (DMSB-Sprecher): "Wir sind derzeit dabei, alle Daten zu dem Fall zusammenzufügen. Dazu gehören technische Daten der Fahrzeuge, wie Bremsdruck, Bremspunkt, Lenkradeinschlag, Gasstellung und ähnliche Dinge. Dazu gehört auch, dass die Fahrer natürlich befragt werden, wie ihre Meinung zu dieser Situation ist. All diese Dinge will man zusammenführen. Dann muss man aufgrund dieser Daten entscheiden, was dem Fahrer und dem Team nachweisbar ist. Ich will jetzt nicht über das Strafmaß spekulieren, das werden wir sicher nachher noch im Detail hören. Dann besteht auch noch die Möglichkeit, dass der Fall an das Sportgericht des DMSB weitergeleitet weitergeleitet wird, was eine Verhandlung in einer paar Wochen zur Folge hätte. Dort können dann auch größere Strafen verhängt werden - bis zum Lizenzentzug für Fahrer oder Team. Aber das steht alles in den Sternen. Das hängt jetzt sehr stark davon ab, wie sich das Team und der Fahrer äußern."

Christopher Brück (VLN-Rennfahrer): "Ich habe ihn (Scheider) immer als sehr fairen und extremen Teamplayer kennen gelernt der sich zu 100 Prozent in den Dienst der Manschaft stellt. Er hat jahrelang viel für den Sport getan und setzt sich als einer der wenigen Fahrer sehr stark für den Nachwuchs ein. Gerade deswegen sollte er die Vorbildfunktion immer aufrecht erhalten, das sehe ich genauso. Der Fehler ist mit Sicherheit sehr sehr schwer zu entschuldigen und noch bitterer wäre es, wenn am Ende des Jahres das genau die Punkte sind, die Mercedes auf die Meisterschaft fehlen. Dennoch denke ich, dass jeder eine zweite Chance verdient hat!!"


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