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24 h von Le Mans

24h Le Mans 2020: Toyota holt Sieg-Hattrick - Drama am Schluss

Toyota gewinnt das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zum dritten Mal in Folge und schickt den Hybrid-TS050 in Rente. Technik verhindert Japaner-Doppelsieg.
von Robert Seiwert
24h Le Mans 2020: Die Highlights des Rennens: (10:02 Min.)

Toyota hat zum dritten Mal in Folge das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Sebastien Buemi, Kazuki Nakajima und Alonso-Nachfolger Brendon Hartley führten den Hybrid-TS050 mit der Startnummer #8 nach 387 Rennrunden zum Triple. Wegen der Corona-Pandemie musste der Langstrecken-Klassiker zum ersten Mal in seiner 88-jährigen Geschichte ohne Zuschauer ausgetragen werden.

In diesem Jahr verpasste der einzige Hersteller in der Top-Kategorie LMP1 jedoch den dritten aufeinanderfolgenden Doppelsieg. Das Schwesterauto #7 mit Pole-Setter Kamui Kobayashi, Mike Conway und Jose Maria Lopez kam nach technischen Schwierigkeiten nicht über den dritten Platz hinaus.

Hinter dem #8 Sieger-Toyota fuhr stattdessen der #1 LMP1 des Schweizer Rennstalls Rebellion auf Platz zwei. Bruno Senna, Norman Nato und Gustavo Menezes überquerten die Ziellinie auf dem Circuit de la Sarthe vor dem zweiten Werks-Toyota, der in der Schlussstunde von technischen Problemen des zweiten Rebellion profitierte und das Podium komplettierte.

Romain Dumas, Louis Deletraz und Nathanael Berthon im #3 R13-Boliden schrammten somit nur knapp vorbei am zweiten Podestplatz für Rebellion, das sich zum Jahresende aus Le Mans und der WEC zurückziehen wird.

Der dritte Sieg des #8-Toyotas in Folge war in einem über weite Strecken ereignislosen Rennen bei trockenen Bedingungen nach dem Pech des Schwesterautos ungefährdet. Beim Zieleinlauf hatte das Toyota-Trio einen Vorsprung von fünf Runden auf den Zweitplatzierten Rebellion. Packend wurde es in den letzten 30 Minuten des Rennens, als zahlreiche Unfälle innerhalb kurzer Zeit zu Slow Zones und der letzten von insgesamt vier Safety-Car-Phasen führten.

#7 Toyota bleibt der Technik-Pechvogel

Der Pechvogel-Toyota der vergangenen Jahre erlebte auch diesmal einen Rückschlag. An der Spitze liegend, führten zur Rennhalbzeit um 02:30 Uhr in der Nacht Probleme mit dem Turbolader zu einem ungeplanten Boxenaufenthalt. Die Toyota-Crew benötigte rund eine halbe Stunde, um den defekten Turbocharger auszutauschen.

Die Reparaturphase nahm Kobayashi/Conway/Lopez sieben Runden und effektiv die Chance auf den Sieg, nachdem der frühere Formel-1-Fahrer Kobayashi am Freitag im neu eingeführten Hyperpole-Qualifying (30 Minuten Zeitfahren der Top-6 aus den vier Klassen) die Pole Position erzielt hatte.

ByKolles nach Spengler-Unfall früh raus

In der mit fünf LMP1-Autos zahlenmäßig kleinsten Klasse sah nur der Wagen von ByKolles die Zielflagge nicht. Das Nachrücker-Team in Le Mans, bei dem Bruno Spengler sein 24h-Debüt an der Seite von Tom Dillmann und Oliver Webb gab, fiel nach wenigen Stunden aus. Der DTM-Champion von 2012 verlor wegen eines abgerissenen Heckflügels die Kontrolle über das Auto und landete in der Streckenbegrenzung.

Spengler gelang es, den Enso-CLM mit Gibson-Motor aus eigener Kraft zurück an die Box fahren, doch wenig später warf das unter österreichischer Flagge startende Team aus dem bayerischen Greding vorzeitig das Handtuch.

GTE-Pro: Werks-Porsche vom Pech verfolgt

In der GTE-Pro-Kategorie verpasste das Porsche GT Team den nächsten Sieg nach 2018. Nach der Corona-Absage der beiden 911er aus der IMSA-Serie, waren die beiden verbliebenen Werksautos vom Pech verfolgt und kamen nicht über die Plätze fünf und sechs hinaus in der Klasse, in der dieses Jahr nur acht Rennwagen von drei Herstellern antraten. BMW, Ford und Corvette waren 2020 nicht am Start.

Der #91 Porsche 911 RSR (Gianmaria Bruni, Richard Lietz, Fred Makowiecki) hatte in der Hyperpole die Pole Position erzielt, wurde im Rennen aber von technischen Schwierigkeiten geplagt. Gegen 06:00 Uhr am Sonntagmorgen musste die Startnummer #91 für eine rund 20-minütige Reparatur der Elektrik an Box. Der zweite Porsche 911 mit Michael Christensen, Kevin Estre und Laurens Vanthoor verlor bereits nach fünf Rennstunden aufgrund eines Defekts an der Servolenkung mehr als zehn Runden.

Den Sieg in der GTE-Pro-Kategorie sicherte sich der #97 Aston Martin Vantage (Maxime Martin, Alex Lynn, Harry Tincknell) vor dem Vorjahressieger AF Corse, das mit dem Ferrari-Trio James Calado, Daniel Serra und Alessandro Pier Guidi den zweiten Platz belegte. Der Vantage und der Ferrari 488 GTE waren über weite Strecken des Rennens nur wenige Sekunden getrennt. Der zweite der beiden Aston Martin (Nicki Thiim, Marco Sörensen, Richard Westbrook) komplettierte das Klassen-Podium.

LMP2: Sophia Flörschs Damen-Team überrascht

In der mit 24 Autos stark besetzten LMP2-Klasse sorgte das Damen-Team von Richard Mille Racing für eine positive Überraschung. Als eine von drei deutschen Startern in Le Mans fuhr 24h-Debütantin Sophia Flörsch mit ihren Teamkolleginnen Tatiana Calderon und Beitske Visser auf den neunten Platz in der Klasse (Platz 13 im Gesamtklassement).

Das von Zak Brown geführte United Autosports-Team mit den beiden früheren DTM-Piloten Paul Di Resta, Filipe Albuquerque sowie Phil Hanson feierte mit wenigen Sekunden Vorpsrung den Sieg in der LMP2-Kategorie. Mit Jota (Anthony Davidson, Antonio Felix da Costa, Roberto Gonzalez) und Panis Racing (Julian Canal, Nicolas Jamin, Matthieu Vaxiviere) fuhren drei unterschiedliche Teams auf das Podium.

Pech hatte der #26 LMP2 von G-Drive Racing (Roman Rusinov, Jean-Eric Vergne, Mikkel Jensen), der in der Schlussphase den Podestplatz verlor und auf Platz fünf zurückfiel, weil Jean-Eric Vergne wegen eines Problems mit der Kupplung viel Zeit in der Box verlor.

GTE-Am: Project 1 verpasst Podium knapp

Das deutsche Team Project 1 konnte den Sieg in der GTE-Am-Kategorie von 2019 nicht wiederholen und verpasste nur knapp einen weiteren Podestplatz. Der #56 Porsche 911 (Larry ten Voorde, Matteo Cairoli, Egidio Perfetti) aus dem Dreieraufgebot von Teamchef Hans-Bernd Kamps fiel nach einem packenden Schlussspurt den vierten Platz zurück. Klassensieger wurde letztendlich TF Sport mit dem #90 Ferrari 488 (Jonathan Adam, Charlie Eastwood, Salih Yoluc).

Die 89. Auflage der 24 Stunden von Le Mans findet nach aktuellem Stand am 12./13. Juni 2021 statt. In diesem Jahr ging das Rennen zum erst vierten Mal in seiner langen Geschichte im September über die Bühne. 2021 geben die neuen Hypercars von Toyota, ByKolles und Glickenhaus als Nachfolger der LM1-Topkategorie ihr Renndebüt.

24h Le Mans 2020: Rennergebnis nach 24 Stunden

Klasse P Fahrer Auto #
LMP1 1. Buemi / Nakajima / Hartley Toyota 8
2. Senna / Nato / Menezes Rebellion-Oreca 1
3. Conway / Kobayashi / Lopez Toyota 7
LMP2 1. Hanson / Albuquerque / Di Resta United-Autosports-Oreca 22
2. Davidson / da Costa / Gonzalez Jota-Oreca 38
3. Jamin / Canal / Vaxivière Panis-Oreca 31
GTE-Pro 1. Martin / Lynn / Tincknell Aston Martin 97
2. Pier Guidi / Calado / Serra Ferrari 51
3. Thiim / Sörensen / Westbrook Aston Martin 95
GTE-Am 1. Yoluc / Eastwood / Adam TF-Aston 90
2. Ried / Pera / Campbell Proton-Porsche 77
3. Perrodo / Collard / Nielsen AF-Corse-Ferrari 83

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