Dreifach-Führung beim Test am Dienstag, ein 1-2-3 im 1. Training am Freitag und in der zweiten Session beide Werksautos in den Top-4: Man könnte sagen, dass Ferrari beim Heimspiel in Imola ein guter Auftakt in die WEC-Saison 2026 gelungen ist. Die amtierenden Champions und Le-Mans-Sieger waren aber ähnlich weltmeisterlich darin, die Favoritenrolle von sich zu weisen.
"Wenn man sich die Renn-Pace der anderen Autos anschaut, zeigt sich deutlich, dass der Ferrari nicht das schnellste Auto ist", sagte Ferrari-Technikchef Ferdinando Cannizzo am Freitagmittag in Imola. "Generell liegen aber alle Autos sehr nahe beieinander."
WEC-Auftakt in Imola: Ferrari stapelt tief
Scusi, Signore Cannizzo, wie erklären sie sich dann die Ergebnisse aus den Trainings? "Wir waren eines der Teams, das Qualifying-Simulationen beim Prolog und im 1. Training gefahren ist. Das haben aber nicht alle Teams gemacht. Deshalb lagen wir auf den Plätzen eins bis drei." Zumindest im 2. Training zeichnete sich ein etwas anderes Bild ab, als es Alpine als erster Marke gelang, die 1:31er-Marke zu knacken.
Stapelt Ferrari tief oder hat die Konkurrenz ihre Karten wirklich noch nicht vollständig auf den Tisch gelegt? 2025 feierte die Scuderia vor heimischer Kulisse einen dominanten Sieg mit dem #51 499P der späteren Weltmeister Antonio Giovinazzi, James Calado und Alessandro Pier Guidi. Ein Sieg, der ganz eindeutig über die Pace entschieden wurde und bei dem sich die Italiener ein Polster ließen. Dem Ferrari liegt Imola üblicherweise, weil das Auto sehr gut mit Bodenwellen zurechtkommt und die Kerbs gut mitnehmen kann.
Ferrari: "Glauben nicht, dass wir hier die Favoriten sind"
"Wir sehen stark aus", meinte #50 Fahrer Miguel Molina am Freitagmorgen. "Wir haben aber ein paar Performance-Daten der anderen Hersteller gesehen. Und wir glauben nicht, dass wir hier die Favoriten sind." In dieser Rolle sahen die roten Piloten eher andere Marken. "Wir wissen, dass Toyota stark ist", sagte Teamkollege Nicklas Nielsen. "Wir wissen aber nie genau, wie stark. Im Qualifying waren sie häufiger nicht ganz vorne, im Rennen konnten sie aber nachlegen."
Auch BMW, das seinem Hypercar wie Toyota ein größeres Aero-Update über den Winter spendiert hat, hatte Nielsen auf dem Zettel: "BMW scheint auch sehr gut zu sein. Und vielleicht noch ein paar andere Autos, von denen wir beim Test nichts gesehen haben. Im Qualifying wird es auf jeden Fall eng."
In der WEC mit ihren mehrstündigen Rennen - sechs in Imola - ist das Qualifying meist nicht allzu ausschlaggebend. Auf dem italienischen Traditionskurs sieht die Angelegenheit allerdings etwas anders aus, weil die enge Strecke kaum Überholmöglichkeiten bietet. Ein guter Startplatz und später im Rennen die Track Position sind Gold wert. "Das Qualifying ist hier der Schlüssel", bestätigte der Spanier Molina.
Ferrari-Sportwagenchef mahnt Fahrer zur Vorsicht
Wieso es der #50 Crew (Fuoco/Molina/Nielsen) im vergangenen Jahr dennoch gelang, vom 18. Startplatz durchs Feld nach vorne auf Platz drei zu stürmen - bis eine nachträgliche Zeitstrafe das Podium kostete? Nielsen: "Wir sind mit großem Risiko gefahren, weil wir das Rennen davor gewonnen hatten und viele Punkte für die Meisterschaft holen wollten. Hoffentlich bleibt uns das diesmal erspart."
Der pfeilschnelle Antonio Fuoco hatte damals im Qualifying gepatzt, wegen überschrittener Track Limits keine saubere Runde zusammengebracht und dem #50 Ferrari somit den Startplatz-Schlamassel eingebrockt. "Das hat uns einiges gekostet", blickte Ferrari-Sportwagenchef Antonello Coletta zurück. "Deshalb habe ich allen unseren Fahrern gesagt, im Qualifying maximal aufzupassen, um aus den ersten Reihen zu starten. Alles weitere sehen wir dann."
Ferrari verzichtet auf Evo-Update für WEC 2026
Im Qualifying am Samstag (ab 14:15 Uhr) sowie im ersten Rennen des Jahres (Sonntag, 13:00-19:00 Uhr) wird sich auch zeigen, welche Fortschritte die Konkurrenz über den Winter wirklich gemacht hat. Fast alle Hersteller haben einen der limitierten Performance-Joker gezogen, um die Aerodynamik weiterzuentwickeln. Das hatte sich im Zuge einer verpflichtenden Neuvermessung aller Autos im Windkanal von WindShear in den USA angeboten.
Ferrari verzichtete hingegen zum zweiten Mal in Folge auf ein Evo-Paket. "Wir denken, dass unser Auto konkurrenzfähig ist", erklärte Coletta die Entscheidung. "Für uns war es besser, am letztjährigen Auto festzuhalten. Wir möchten die ersten Rennen der neuen Saison abwarten und danach entscheiden, ob wir nach dieser Saison auch etwas machen wollen."
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