Beim Rookie-Test der WEC in Bahrain am Sonntag nach dem Saisonfinale kommt es zu einer witzigen Situation: Während Kelvin van der Linde seine ersten Runden im Hypercar von BMW drehen darf, ist ausgerechnet sein jüngerer Bruder Sheldon der nominierte Referenzfahrer, um die Rundenzeiten zu setzen! Kein Wunder: Der 26-Jährige bestritt dieses Jahr ein Hypercar-Doppelprogramm in der WEC sowie IMSA-Serie und kennt den BMW M Hybrid V8 in- und auswendig.

"Es ist diesmal komplett umgekehrt", sagt Sheldon zu Motorsport-Magazin.com. "Normalerweise lerne ich von Kelvin. Als ich in die GT3-Szene gekommen bin, habe ich sehr viel von ihm mitgenommen. Jetzt ist es andersherum. Das ist eine neue Situation - für mich und für ihn. Er hat allerdings auch schon Erfahrung mit einem LMP2-Auto gesammelt. Es ist also nicht vollständig neu für ihn."

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Sheldon van der Linde: "Habe Kelvin erklärt, wo es langgeht!"

Natürlich hatten sich die beiden Brüder und Freunde im Vorfeld über das Fahren eines LMDh-Prototypen ausgetauscht. Innerhalb der Familie gibt man schließlich gerne Tipps weiter. 'Fahrlehrer' Sheldon sagte mit einem spitzbübischen Grinsen im Gesicht: "Vor einer Woche habe ich ihm erklärt, wo es langgeht! Es gibt so viele verschiedene Systeme und Settings, die man auf den eigenen Fahrstil abstimmen kann. Das habe ich ihm auf jeden Fall beigebracht. Am Ende des Tages muss man aber während des Fahrens schauen, wie das funktioniert. Und dafür ist Kelvin schon lange genug im Business."

Mal ehrlich, Kelvin: Hast du deinem Bruder im Vorfeld gesagt, dass er netterweise ein bisschen den Fuß vom Gaspedal nehmen soll, damit deine Rundenzeiten besser aussehen? Der 29-Jährige muss lachen - theoretisch gar keine dumme Idee - weiß aber ebenso: "Über das ganze Wochenende wurden so viele Runden gedreht, da gibt es so oder so genug Daten für eine saubere Auswertung."

Kelvin im BMW-Hypercar: Spaß haben und für Zukunft schauen

Allzu viel Zeit hat Kelvin ohnehin nicht im BMW-Hypercar, denn am Nachmittag soll Charles Weerts das Steuer übernehmen. Der Belgier und 'KVDL' blicken auf zahlreiche gemeinsame Erfolge in dieser Saison zurück, darunter der Gewinn der Gesamt- und Sprint-Meisterschaft in der GT World Challenge. BMW hat die beiden GT-Asse für den Rookie-Test nominiert, um sie einerseits für ihre starke Saison zu belohnen und andererseits zu schauen, wie sie sich im Prototypen schlagen.

"Wenn Sheldon zusätzlich noch eine Referenzzeit fahren muss, sitze ich wahrscheinlich nur anderthalb Stunden im Auto", glaubt Kelvin, während Sheldon mit einem Lachen einwirft: "Keine Sorge, ich brauche dafür nur fünf Runden!" Und Kelvin: "Ich will das Auto genießen, es kennenlernen und schauen, ob es mir Spaß macht, ob es mir taugt, ob mir das gut gelingt. Dann sehen wir, ob daraus in Zukunft etwas werden kann."

Sheldon: 2025 so viele Podestplätze wie Kelvin Meister-Titel

Während Kelvin in seinem Debütjahr als BMW-Werksfahrer einen Erfolg nach dem anderen feierte - darunter Siege bei den 12h Bathurst, beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, in Suzuka oder Indianapolis - lief es für Sheldon im Prototypen-Programm von BMW weniger erfolgreich. Dem Autobauer aus München gelang dieses Jahr weder in der WEC noch in der IMSA ein Sieg.

Sheldon mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Ich habe mir das mal ausgerechnet: Ich habe so viele Podiums geholt wie Kelvin Meisterschaften gewonnen hat dieses Jahr! Sehr cool, das für ihn zu sehen. Auf meiner Seite war es leider etwas weniger erfolgreich. Das passiert - das Potenzial war immer da, aber irgendwie haben wir es nicht durchgebracht. Bei Kelvin war mir von Anfang an klar, dass er sich bei BMW schnell zurechtfindet. Ich wusste, dass die Umstellung für ihn nicht so schwierig wird. Und so war es dann auch."

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Die vielleicht schnellsten Brüder der Welt: KVDL und SVDL, Foto: Sam Cobb/BMW M Motorsport

Rookie-Test mit Ex-Formel-1-Fahrer und bekannten Namen

Zu den 'Rookies' in Bahrain zählen neben Kelvin van der Linde einige weitere prominente Fahrer. Der frühere Formel-1-Pilot Logan Sargeant steuert erstmals einen Ford Mustang GT3 von Proton Competition, bei den neuen WEC-Weltmeistern von Ferrari darf die Französin Lilou Wadoux einmal mehr hinters Hypercar-Steuer. Der amtierende Porsche-Carrera-Cup-Champion Robert De Haan testet erstmals den Porsche 963 von Proton.

Außerdem dabei: Antonio Felix da Costa, der Neuzugang von Alpine, und Jack Aitken, der 2026 den scheidenden Jenson Button bei Jota-Cadillac ersetzen könnte. Auch der amtierende Formel-E-Vizeweltmeister Nick Cassidy bereitet sich mit Peugeot auf sein nächstjähriges Debüt im Prototypen vor. Hier gibt es die komplette Starterliste für den Rookie-Test in Bahrain, der die WEC-Saison 2025 beschließt.