Ein letztes Hurra für die Zuffenhausener? Porsche steigt zum Saisonende 2025 aus der Langstrecken-WM aus, kann sich beim bevorstehenden Finale in Bahrain (08. November) aber mit zwei Titelgewinnen gebührend aus der WEC verabschieden. Auf dem Spiel stehen die Meisterschaften in der Hersteller- sowie zudem in der Fahrer-Wertung, die Kevin Estre und Laurens Vanthoor verteidigen wollen.
Der Gegner heißt Ferrari - und die Spitzenreiter aus Italien können sich beim 8-Stunden-Rennen im Wüstenstaat auf eine heiße Schlacht gefasst machen. Porsche-Ass Estre schickte im Vorfeld eine Kampfansage an die rote Konkurrenz: "Ich denke, die anderen sind ein bisschen eingeschüchtert, und das sollten sie auch sein, weil wir seit einigen Rennen gezeigt haben, dass wir sehr stark sind."
Porsche: Vom Katastrophen-Start zum Titelanwärter
Porsche war nach dem katastrophalen Saisonstart eigentlich schon komplett raus aus dem Titelrennen, meldete sich nach dem zweiten Platz von Vanthoor, Estre und Zusatzfahrer Matt Campbell bei den 24 Stunden von Le Mans aber eindrucksvoll zurück. In der zweiten Saisonhälfte legte die Crew des #6 Porsche 963 nach: P4 für Estre/Vanthoor in Sao Paulo, erster Saisonsieg in Austin und zuletzt der dritte Rang in Fuji.
In nackten Zahlen ausgedrückt: Während die aktuellen Ferrari-Spitzenreiter Giovinazzi/Calado/Pier Guidi in den letzten vier Saisonrennen nur 40 Punkte sammelten, klotzten Estre und Vanthoor mit 88 Zählern. Mithalten konnte nur der private AF-Corse-Ferrari (Kubica/Ye/Hanson) mit 63 erzielten WM-Punkten.
Die Ausgangslage vor dem achten und letzten Saisonrennen in Bahrain: Estre und Vanthoor belegen in der Fahrer-Wertung den dritten Platz mit 94 Punkten. Die #51 Ferrari-Crew um Antonio Giovinazzi führt mit 115 Zählern vor dem AF-Corse-Ferrari-Trio um Le-Mans-Sieger Robert Kubica (102 Punkte). Für den Sieg beim 8-Stunden-Rennen gibt es 38 WM-Zähler.
WEC 2025: WM-Tabelle vor dem Bahrain-Finale (Top-5)
| Pos. | Fahrer | Hersteller | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Alessandro Pier Guidi/Antonio Giovinazzi/James Calado | Ferrari | 115 |
| 2 | Robert Kubica/Phil Hanson/Yifei Ye | AF-Corse-Ferrari | 102 |
| 3 | Kevin Estre/Laurens Vanthoor | Porsche | 94 |
| 4 | Alex Lynn/Norman Nato/Will Stevens | Cadillac | 81 |
| 5 | Antonio Fuoco/Miguel Molina/Nicklas Nielsen | Ferrari | 75 |
Porsche vor WEC-Ausstieg - Estre: "Wird sicherlich emotional"
"Vor Le Mans dachten wir, dass es dieses Jahr nicht klappen wird, weil Ferrari sehr stark war und alle Rennen gewonnen hat", sagte Vanthoor. "Aber ab Austin habe ich persönlich angefangen, daran zu glauben, dass es noch möglich ist, und habe versucht, auch die anderen davon zu überzeugen."
Über dem Lager von Porsche-Penske schwebt natürlich die Enttäuschung über den bevorstehenden WEC-Rücktritt nach drei Jahren, doch die Aussicht auf weitere WM-Titelgewinne dürfte dem Team dennoch einen letzten Motivationsschub verleihen. Davon war Estre jedenfalls überzeugt: "Es wird sicherlich emotional, wenn die Zielflagge fällt. Bis dahin müssen wir uns voll auf unser Ziel konzentrieren, wir alle wollen einen weiteren Weltmeistertitel holen. Es wird nicht einfach, aber die Tatsache, dass wir um die Meisterschaft kämpfen können, zaubert ein Lächeln auf jedes Gesicht."
Vanthoor: "Es ist immer leichter, anzugreifen, als zu verteidigen"
Ferrari hat mit dem dritten Le-Mans-Sieg in Folge zwar schon das wohl größte Saisonziel erreicht, aber seitdem straucheln die drei Hypercar-Crews gewaltig. Daran hat nicht zuletzt die bei vielen verhasste Balance of Performance ihren Anteil. Für die BoP-Einstufung ziehen die Verantwortlichen nach unserem Wissen die zwei besten Leistungen aus den drei vorangegangenen Rennen heran. Das könnte Ferrari demnach eine theoretisch gute Ausgangslage für Bahrain verschaffen.
"Natürlich dürfen wir die Stärke unserer Gegner nicht unterschätzen", warnte Estre vor der Ferrari-Konkurrenz. "Sie haben zu Beginn des Jahres viele Rennen gewonnen, und sie vergessen nicht so schnell, wie man gewinnt. Aber sie stehen unter großem Druck, und wir sind nur die Herausforderer. Wir werden versuchen, unser Bestes zu geben und sie unter Druck zu setzen."
Zwar befinden sich Estre und Vanthoor als Ferrari-Jäger nicht unbedingt in einer vorteilhaften Ausgangsposition, dafür kann die #6 Porsche-Crew immerhin befreit aufspielen. "Nicht alles liegt in unserer Hand, wir müssen einfach unser Bestes geben", meinte Vanthoor. "Und alles auf den Tisch legen, ohne zu viel nachzudenken und ohne zurückzuhalten. Es ist immer leichter, anzugreifen, als zu verteidigen."



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