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WEC

Sophia Flörsch: WEC-Rookie-Test für Top-Team WRT in Bahrain

Sophia Flörsch erhält nach dem WEC-Finale in Bahrain eine attraktive Möglichkeit für ihre Motorsport-Zukunft. Auch W-Series-Champion Jamie Chadwick dabei.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Sophia Flörsch ist in diesen Tagen und Wochen äußerst fleißig. Derzeit bestreitet die 20-Jährige in Bahrain das Saisonfinale der FIA-Langstreckenweltmeisterschaft, das aus zwei Rennen an aufeinanderfolgenden Wochenenden besteht. Unmittelbar nach dem WEC-Abschluss bietet sich für Flörsch nun eine weitere Gelegenheit, die Weichen für ihre Zukunft im Motorsport zu stellen.

Am Sonntag nach dem 8-Stunden-Rennen in Bahrain (Samstag, 06. November 2021, live bei RTL+ und zu Teilen bei RTL Nitro) darf die Münchnerin ins Cockpit des Top-Teams WRT klettern. Wie der Rennstall aus Belgien an diesem Mittwoch mitteilte, erhält Flörsch beim offiziellen Rookie-Test ihre Chance an der Seite von Stammfahrer Robin Frijns.

"Ich freue mich darauf, hier in Bahrain zum Team WRT zu stoßen", sagte Flörsch bei der Bekanntgabe. "Sie haben bewiesen, dass sie zu den Top-Teams in der LMP2 gehören. Ich bin sehr glücklich, mit ihnen testen zu dürfen. Ich bin schon gespannt, zu erfahren, wie sich das Auto fährt und wie das Team arbeitet."

Foto: Brecht Decancq

Sophia Flörsch: Platz 6, Finale, Rookie-Test

Der WRT-Test bedeutet einen Cockpitwechsel für Flörsch, die in dieser Saison für das Richard Mille Racing Team erstmals in der WEC an den Start ging. Das 6-Stunden-Rennen am vergangenen Wochenende beendete das Trio bestehend aus Flörsch, Beitske Visser und Tatiana-Calderon-Ersatz Gabriel Aubry auf dem sechsten Platz in der LMP2-Kategorie.

Der Klassensieg im Feld der elf Autos ging unterdessen ausgerechnet an ihr Test-Team WRT, das mit dem Österreicher Ferdinand Habsburg, Robin Frijns und Charles Milesi seine erste volle Saison in der WEC bestreitet. Und das höchst erfolgreich: Die Mannschaft von Teamchef Vincent Vosse hat weiter Chancen auf den WM-Titel in der LMP2, nachdem bereits der Gesamtsieg in der European Le Mans Series gelungen war. Weitere Titelgewinne in der GT World Challenge mit Audi bescherten WRT das wohl erfolgreichste Jahr seiner Teamgeschichte.

Flörsch, für die ein DTM-Engagement auch 2022 eine Option bildet, hat sich inzwischen gut auf die Anforderungen bei Langstreckenrennen eingeschossen. Eine Woche vor dem Auftakt des Bahrain-Finales fuhr sie einen Gaststart in der European Le Mans Series für das Team Algarve Racing. Zusammen mit dem Österreicher Habsburg und Langstrecken-Veteran Richard Bradley erzielte sie den dritten Platz. Mit Flörsch stand erstmals in der Geschichte der ELMS eine Frau auf dem Podium.

Sophia Flörsch startet aktuell für das Richard Mille Racing Team in der WEC - Foto: LAT Images

Exklusiv: WRT plant zweites Auto für WEC 2022

Wenn Flörsch die WRT-Truppe bei ihrem Test-Einsatz in Bahrain überzeugt, kann sie sich zumindest gute Hoffnungen auf ein Stamm-Cockpit für die Saison 2022 ausrechnen. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com plant WRT, kommendes Jahr ein zweites LMP2-Auto in der Langstrecken-WM ins Feld zu führen und möglicherweise das ELMS-Programm fortzuführen. Das alles dient natürlich auch der Vorbereitung auf eine mögliche Partnerschaft mit Audi Sport unter dem neuen LMDh-Reglement ab 2023.

"Wir würden gern in der WEC bleiben und zwei Autos wären ein guter Weg", sagte WRT-Teamchef Vosse vergangene Woche zu Motorsport-Magazin.com. "Das bedeutet nicht, dass wir nicht auch wieder in der European Le Mans Series oder anderen Rennserien antreten. Für mich war es dieses Jahr nicht nur wichtig, mit den LMP2 erfolgreich zu sein, sondern auch zu zeigen, dass wir unterschiedliche Programme gleichzeitig absolvieren können."

Klassensieg für WRT bei den 24 Stunden von Le Mans 2021 - Foto: LAT Images

W-Series-Champion Jamie Chadwick: Interesse an Langstrecken-Rennen

Beim Rookie-Test in Bahrain einen Tag nach dem letzten WEC-Rennen trifft Flörsch auf zahlreiche namhafte Piloten. So probiert der siebenfache Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier erstmals einen Prototypen seines WRC-Arbeitgebers Toyota aus, namentlich den Toyota GR010 Hybrid. Und Sebastian Montoya, der Sohn des früheren Formel-1-Piloten Juan Pablo, steigt zusammen mit seinem Vater ins LMP2-Auto von Dragonspeed.

Flörsch ist nach aktuellem Stand die einzige Deutsche bei den Testfahrten, jedoch nicht die einzige Dame. Jamie Chadwick, zweifache Meisterin der W Series, ihre Titelrivalin Alice Powell sowie Lilou Wadoux dürfen einen Test im LMP2 von Richard Mille Racing absolvieren - Flörschs aktuellem Team. Ob sie auch 2022 zu einem dritten Jahr mit den Schweizer Luxusuhrenhersteller antritt, steht noch nicht fest. Das Projekt, mit einem reinen Damen-Team unter anderem bei den 24 Stunden von Le Mans anzutreten, war zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Jamie Chadwick feiert Titelverteidigung in der W Series - Foto: LAT Images

Die Britin Chadwick hat bislang keine Erfahrung im Prototypen-Sport, freut sich aber auf das Debüt im Wüstenstaat und kann sich eine Zukunft auf der Langstrecke durchaus vorstellen. "Das ist neu für mich, aber ich habe Interesse", sagte die 23-Jährige zu Motorsport-Magazin.com. "Ich liebe Le Mans und Langstreckenrennen! Es ist auch toll zu sehen, dass Unternehmen wie Richard Mille so viel in den Motorsport investieren. Inzwischen setzen sich viele Individuen für mehr Frauen im Motorsport ein, und das hier ist eine tolle Möglichkeit."


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