Die Nordschleifen-Rückkehr von Max Verstappen überstrahlte das zweite Saisonrennen der NLS-Serie, aber auch der spektakuläre BMW M3 Touring 24H sorgte für reichlich Aufsehen. Die große Frage vor dem Wochenende in der Eifel: Wie würde sich der Familienkombi mit GT3-Genen im Feld der handelsüblichen GT3-Autos schlagen? Ein reines Spaßprojekt oder gar ein potenzieller Anwärter auf den Gesamtsieg beim 24h-Rennen Nürburgring (14.-17. Mai 2026)?

Dass der einzigartige BMW M3 Touring 24H nicht ganz vorne mitfahren würde, hatten Experten im Vorfeld erwartet. Das auf einem Aprilscherz basierende Fan-Projekt soll schließlich nicht den BMW M3 GT3 Evo von Vorjahressieger Rowe Racing und Rückkehrer Schubert Motorsport die Show stehlen. Die Performance des umgebauten Touring mit dem Motor eines BMW M4 GT3 Evo sorgte dann aber doch für eine Überraschung.

Darum wurde Max Verstappen am Nürburgring disqualifiziert (13:39 Min.)

BMW M3 Touring 24H überrascht bei Nürburgring-Debüt

Dass der BMW trotz seiner unüblichen Maße - 200 Millimeter länger und 32 Millimeter höher als sein M4-GT3-Pendant - durchaus im vorderen Feld mithalten kann, stellte BMW-Werksfahrer Jens Klingmann schon im Qualifying unter Beweis. Mit einer persönlichen Bestzeit von 7:58.943 Minuten erreichte er den 14. Platz und ließ damit immerhin 15 reguläre GT3-Konkurrenten hinter sich! Klingmanns Rückstand auf Pole-Setter Max Verstappen im Winward-Mercedes betrug 7,1 Sekunden - das klingt nach mehr als es tatsächlich ist, wenn man zahlreiche Gelb-Phasen und Runden im Verkehr berücksichtigt.

Im anschließenden 4-Stunden-Rennen belegten Klingmann und Teamkollege Ugo de Wilde den respektablen zwölften Platz im Gesamt-Klassement. Der Rückstand auf den nach der Verstappen-Disqualifikation siegreichen #99 Rowe-BMW (Jordan Pepper/Dan Harper) fiel mit 3:18 Minuten aber doch recht deutlich aus. Direkt vor dem von Schubert Motorsport betreuten M3 Touring landete übrigens der #77 BMW M3 GT3 Evo des Rennstalls aus Oschersleben mit den Doppelstartern Klingmann und de Wilde sowie Charles Weerts.

Torsten Schubert über GT3-Kombi: "Wir können die Pace gehen"

"Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit der Premiere des BMW M3 Touring 24H", lautete das Fazit von Teamchef Torsten Schubert. "Wir können die Pace gehen, ähnlich wie die GT3-Fahrzeuge. Die ersten Entwicklungen mit dem Yokohama-Reifen sind ebenfalls sehr positiv. Jetzt wollen wir auch weiterhin einen sauberen Job machen - vom Quali-Rennen bis hin zum 24-Stunden-Rennen."

Der größte Erfolg für die Crew des BMW M3 Touring 24H: Das Auto hielt sich über die vier Stunden Renndauer auf der materialzehrenden Nürburgring-Nordschleife schadlos! Damit ist der erste Stresstest vor dem 24-Stunden-Klassiker im Mai erfolgreich bestanden.

"Für uns war es wichtig, möglichst viele Kilometer mit dem BMW M3 Touring 24H und viel Erfahrung zu sammeln - auch mit dem Yokohama-Reifen", sagte Entwicklungs-Spezialist Klingmann. "Und wir sind sehr zufrieden: sowohl mit der Pace als auch mit der Balance und mit unseren Learnings. Da vibriert nichts, da klappert nichts. Und auch die Kleinigkeiten, die dazugehören und gerade fürs 24-Stunden-Rennen wichtig sind, haben wir jetzt angefangen auszusortieren."

BMW M3 Touring 24H bei NLS auf dem Nürburgring
Der BMW M3 Touring 24H auf der Nordschleife, Foto: IMAGO/Fotostand

BMW M3 Touring 24H kratzt an M4-GT3-Performance

Werfen wir einen genaueren Blick auf die Renn-Performance des BMW M3 Touring 24H: Im Mittelwert der 10 schnellsten von insgesamt 29 Runden erreichten Klingmann und de Wilde einen Schnitt von 8:03.334 Minuten. Zum Vergleich: Der #3 Mercedes um den konstant pfeilschnellen Verstappen fuhr im Schnitt 7:57.455 Minuten - also rund sechs Sekunden schneller bei den besten Runden.

Spannend ist auch der Vergleich des M3 Touring mit den BMW M4 GT3 Evo, die den Münchnern dieses Jahr den nächsten Gesamtsieg bescheren sollen. Pepper und Harper fuhren auf dem #99 Rowe-BMW im Mittel ihrer zehn schnellsten Runden 8:01.144 Minuten, während der #77 Schubert-BMW auf 8:02.764 Minuten kam. Hier fuhr BMW-Werksfahrer Weerts mehr als die Hälfte aller Runden, weil Klingmann und de Wilde zwischen den beiden Autos hin- und herwechselten.

Dass der M3 Touring nur rund 2 Sekunden langsamer war als der Rowe-BMW, ist durchaus überraschend. Fraglich allerdings, ob die werksunterstützten BMW-Teams bei NLS2 ihre Karten schon komplett auf den Tisch gepackt haben. Eine Verzerrung des wahren Bildes könnte auch durch einbremsende Gelb-Phasen entstehen, aber zumindest haben wir einen ersten Performance-Eindruck erhalten.

BMW M3 Touring 24H bei NLS auf dem Nürburgring
Fan-Magnet: BMWs wahrgewordener Aprilscherz auf vier Rädern, Foto: BMW/Gruppe C Photography

Sand-Bagging? Kennt Max Verstappen nicht...

Angesichts der üblichen BoP-Spielchen am Ring fiel auf, dass Verstappens Winward-Mercedes offenbar kein allzu großes 'Sand-Bagging' betrieb: Der vierfache Formel-1-Weltmeister blieb in sieben seiner 13 Runden unterhalb der magischen 8-Minuten-Marke! Zum Vergleich: Die Sieger Harper und Pepper im #99 Rowe-BMW spulten zusammen nur zwei Runden unter 8 Minuten ab. Der M3-Touring-Crew gelang dieses Kunststück kein einziges Mal im Rennen.

Beim Blick auf die theoretischen Bestzeiten auf der über 20 Kilometer langen Strecke fuhren der Verstappen-Mercedes und der Scherer-PHX-Audi um den heimlichen Star des Rennens, Christopher Haase, in einer eigenen Liga. Beide Autos hätten mit ihren kombinierten besten Sektorenzeiten eine 7:51er-Runde geschafft. Dem am nächsten kam der #48 Losch/Black Falcon-Porsche 911 GT3 R Evo (Assenheimer/Müller) mit einer theoretischen Bestzeit von 7:54 Minuten. Der BMW M3 Touring 24H hätte seine schnellste Runde theoretisch in 7:58 Minuten abspulen können.

Jens Klingmann: "Alles in allem hatte ich richtig Spaß"

Der irre GT3-Touring hat seinen nächsten geplanten Nordschleifen-Auftritt bei den 24h Qualifiers vom 17. bis 19. April. Es ist davon auszugehen, dass die cleveren BMW-Ingenieure mit den gesammelten Daten noch eine ganze Schippe an Performance drauflegen können.

Dabei soll aber auch die Freude am Fahren nicht zu kurz kommen, wie Klingmann erklärte: "Alles in allem hatte ich richtig Spaß. Und du siehst auch von außen auf dem Grid und in der Formationsrunde die Fans: wie sie uns anfeuern, Bilder machen, klatschen, den Daumen zeigen. Der Support von der Community ist großartig. Die Liebe, die wir ins Detail stecken, bekommen wir von außen zurückgespiegelt, und es macht wirklich viel Freude, das zu sehen."

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