Typisch britisches Wetter? Nun ja, irgendwie schon. Aber dazu brauchte man gar nicht erst bis nach Donington fahren. Das gab es nämlich auch auf dem Sachsenring. Der Sonntag zeigte sich dort zwar nicht von seiner besten Seite, aber dennoch versöhnlich. In Donington sorgte das Wetter dafür, dass die Piloten Lady GaGa nacheifern mussten und der mit dem besten "Pokerface" gewann. Oder eben der Mutigste.

Der Sachsenring und der Donington Park wurden Opfer von Wetterkapriolen. Regen gab es auf der Insel wie in Deutschland. Dass die Rennen dadurch spannender wurden, ist auch möglich. Aber aus deutscher Sicht gab es nur wenig Erfreuliches zu berichten.

Das Comeback

Ralf "Waldi" Waldmann war Dreh- und Angelpunkt in Donington. Der 43-jährige wagte ein Comeback in seiner Erfolgreichsten Klasse, den 250ern. Im Team Viessmann Kiefer Racing ersetzte der zweifache Vizeweltmeister den verletzten Vladimir Leonov, der sich auf dem Sachsenring bei einem Highsider das Handgelenk gebrochen hatte. Waldi pokerte im Rennen mit den Reifen, fuhr bei nassen Bedingungen als Einziger mit Trockenreifen los und schien den richtigen Riecher bewiesen zu haben. Als die Ideallinie auftrocknete, stürzte er.

Die Genialität schlecht hin

Rossi und Lorenzo lieferten sich auf dem Sachsenring ein sehenswertes Duell, bei dem erneut der achtfache Weltmeister die Oberhand behielt. In Donington lief es wieder darauf hinaus, dass sich die Fiat Yamaha-Teamkollegen ordentlich behaken würden. Dann stürzte Lorenzo. Verwirrt saß der Mallorkiner in der Box und sah das Rennen im TV - als Rossi stürzte. Der aber definierte erneut den Begriff "Genialität", hob die M1 auf, wurde Fünfter und baute die WM-Führung aus.

Pechvogel mit Stahlnerven

Sachsenring Aufgabe und Reifenschaden, Donington Park erster MotoGP-Sieg der Karriere. Die letzten beiden Rennen vor der Sommerpause hätten für HRC-Werkspilot Andrea Dovizioso nicht unterschiedlicher sein können. In Deutschland musste er aufgeben, weil seine Reifen schon vor Rennende komplett zerstört waren, in Großbritannien bewies er Nerven aus Stahl und holte sich den Sieg im Chaos-Rennen. Sein erster in der MotoGP. "Ich bin so glücklich! Ich habe ein fantastisches Rennen gezeigt." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Kleines Pendant zu Dovizioso...

…war Randy de Puniet. Auf dem Sachsenring flog der Franzose per Highsider aus dem Sattel seiner LCR-Honda, in Donington fuhr er den zweiten MotoGP-Podestplatz seiner Karriere ein. Überhaupt war der Abflug auf dem Sachsenring erst der erste Rennsturz de Puniets in diesem Jahr gewesen.

Sturz der Wochenenden

Toni Elias, Valentino Rossi, Jorge Lorenzo und Co. hin oder her, der Sturz des Wochenendes passierte in der Klasse bis 125ccm in der ersten Runde des ersten Rennversuches. Hier sah fast keiner mehr durch, wer sich da alles auf dem Boden rumsielte. Mit dabei in diesem Massencrash waren auf jeden Fall Joan Olive, James Lodge, Johann Zarco, Stefan Bradl, Danny Webb, Jonas Folger, Karel Pesek, Andrea Iannone und Sandro Cortese. Cortese und Folger waren gleich raus, Bradl kam noch bis in die Box.

Die Lachnummer der Wochenenden…

…hätte auch den größten Respekt hervorrufen können. Während in der MotoGP alle auf Slick-Reifen losdonnerten, versuchten sich Casey Stoner und Nicky Hayden gleich auf Regenreifen. Der Poker ging gründlich schief. Zur Rennhalbzeit wurden sie überrundet, kam als Vorletzter und Letzter ins Ziel. Für Regenreifen war es zu wenig Wasser, für Slicks doch wieder etwas zu viel. Intermediates gibt es nicht mehr.

Überraschung der Wochenenden

Die kam aus Deutschland. Marcel Schrötter hatte eine Wildcard für den Sachsenring Grand Prix erhalten und stellte seine Honda in die erste Startreihe. Im Regen qualifizierte sich der Schützling von Ex-Weltmeister Toni Mang auf Rang vier. Im Rennen hatte er mit Reifenproblemen zu kämpfen, wurde dennoch Zwölfter.

Jubel der Wochenenden

Der kam eindeutig von Bradley Smith. Der Brite schnappte sich vor heimischem Publikum die Poleposition und freute sich anschließend, als wäre er gerade Weltmeister geworden. Ob er dabei vielleicht zu viele Kräfte verbraucht hat? Im Rennen stürzte er, fuhr weiter und wurde 20.

Spruch der Wochenenden

Andrea Dovizioso beschrieb das Rennen in Donington folgendermaßen: "Das waren irgendwie drei Rennen in einem. Hartes Fahren am Anfang, als es noch fast trocken war, Valentino zu folgen, als es nasser wurde und dann die Pace zu machen, als ich in Führung lag."

Auszug aus der Ausgabe September 2009 des Motorsport-Magazins. Aktuelle Hintergrundberichte zu den Motorrad GPs der Saison gibt es in unserer Printausgabe Motorsport-Magazin. Im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder am besten gleich online zum Vorzugspreis abonnieren: