
James Toseland verlässt die MotoGP und ersetzt 2010 Ben Spies im Werksteam von Yamaha in der Supebike WM. Andersherum kommt Spies in die MotoGP und ersetzt dort Toseland. Dieser Sachverhalt war in den letzten Tagen und Wochen immer wieder Anlass genug, um die beiden Athleten miteinander zu vergleichen. Doch dieser Vergleich hinkt, wenn man sich die reinen Statistiken und Leistungen der beiden in der Vergangenheit anschaut.
Toseland der Vorsprung-Halter
James Toseland war zwei Mal Superbike Weltmeister - 2004 und 2007. Doch der Brite war nie etwas, was man als Ausnahme-Talent und Siegfahrer bezeichnen würde. 2004 holte er seinen ersten Titel für das Ducati-Werksteam. Es war auch klar eine starke Saison, die Toseland damals zeigte. Doch kamen damals auch 14 Ducatis auf 27 Motorräder. Dies brachte der Superbike WM in jener Zeit den Titel des Ducati-Cups ein, Toseland war im Werksteam unterwegs und hatte damit das absolut beste verfügbare Material. Was dies noch untermauert ist, dass Teamkollege Regis Laconi Rang zwei in der WM belegte - mit nur neun Punkten Rückstand. Toseland war dabei nicht immer der Siegfahrer, aber vor allem konstant.

Im Jahr seines zweiten Titel fuhr er für das Ten Kate-Team, welches als Honda-Werksmannschaft gilt. Dort legte er einen grandiosen Saisonstart hin und verwaltete seinen Vorsprung dann mehr oder minder. Zwei Punkte lag Toseland am Ende vor Haga. In jener Zeit hatte sich der Brite aber schon in eine Schublade gefahren: Er konnte Rennen kaum anführen, war da meist zu langsam. Erst in den Schlussphasen der Rennen ging er zum Angriff über. Oder er fuhr extrem kuriose Rennlinien, sodass die Konkurrenz irritiert war und keinen Weg vorbei fand, obwohl man hätte schneller fahren können. Und über diese kuriosen Rennlinien beschwerte sich zum Beispiel auch Valentino Rossi in Phillip Island im vorigen Jahr.
Toseland war nach zwei Jahren in der Supersport Weltmeisterschaft 2001 ohne nennenswerte Erfolge in die Superbike WM gewechselt. Mit dem Ducati-Privatteam von GSE hatte er schon ordentliches Material zur Verfügung, schaffte es aber nicht mal annähernd auf das Podest. Im Folgejahr, mit der HM Plant-Ducati, kam Toseland auf den siebten Gesamtrang, hatte aber auch nur einen Podestplatz zu verbuchen. Beim zweiten Lauf in Assen wurde er damals Dritter, beste Platzierung danach waren sechste Plätze. Zu bemerken ist da aber auch, dass Spitzenfahrer wie Troy Bayliss und Ruben Xaus ausfielen. 2003 blieb Toseland bei HM Plant Ducati und wurde mit dem "Jahresmotorrad" insgesamt Dritter. Ihm fehlten am Ende 218 Punkte auf Weltmeister Neil Hodgson, der ebenfalls Ducati fuhr und fast doppelt so viele Punkte wie Toseland holte. Erst 2004 klappte es mit dem Titel - nach drei kompletten Lehrjahren.

Warum Spies anders ist
Ben Spies kam mit vielen Vorschuss-Lorbeeren in die Superbike Weltmeisterschaft. Doch welches Feuerwerk er dann abfackeln würde, hatten vor der Saison noch die wenigsten geahnt, ja er selbst sich nicht einmal erträumt. Pech im ersten Lauf von Phillip Island durch zwei ausritte, wurde der mehrfache AMA-Meister noch Spotthaft mit der Phrase "Welcome to WORLD-Superbikes" halb ausgelacht - obwohl er am Vortag auf einer ihm unbekannten Strecke die Poleposition geholt hatte. Der Sieg in Lauf zwei ließ diese Stimmen schon etwas leiser werden. Als es dann bis zum achten Saisonlauf dauerte, ehe Spies jemand die Poleposition streitig machen konnte, waren selbst Kritiker zu Fans geworden.
Das Phänomen Spies ist unerklärlich. Er kam, sah und siegt - anders kann man es fast nicht sagen. Und er wird nächstes Jahr in die MotoGP wechseln und sollte auch dort sicher etwas besser sein als James Toseland. Denn Spies will nur eines: gewinnen. Und dabei ist es ihm egal, ob er schon mal auf dieser Strecke gefahren ist.
Vergleicht man die diesjährige Situation in der Superbike Weltmeisterschaft und diejenige der MotoGP mit der These von Ruben Xaus ("Ben Spies kam hier her und fand alles fertig entwickelt vor, gerade die Reifen. Das haben wir für ihn übernommen.") so könnte der US-Amerikaner auch in der MotoGP bereits in seiner Rookie-Saison ganz vorn dabei sein. Denn auch dort ist die Entwicklung schon einige Jahre vorangeschritten. Sie ist sicher noch nicht im Endstadium, aber sehr weit. Mit den Einheitsreifen hat eh jeder dasselbe schwarze Gold zur Verfügung und ja, ich wette, Valentino Rossi würde auch auf der Tech 3-Yamaha oder der Hayate gewinnen. Warum dann nicht auch der Herr Spies? Weil es noch kein Superbiker permanent an die Spitze der MotoGP geschafft hat? Vielleicht gerade deswegen! Zeit wird´s…

diese MotoGP Redaktion