"Ich bin von der langen Reise richtig müde und werde heute Nacht erst mal richtig schlafen müssen", scherzte Weltmeister Valentino Rossi, dessen absolutes Heimrennen nun bevorsteht. Sein Heimatort Tavulia liegt nur wenige Kilometer von der Rennstrecke von Misano Adriatico entfernt. "Auf dieser Strecke bin ich auch erstmals mit einem echten Motorrad gefahren. Leider ist die Piste heute ganz anders als früher." Für die Rückkehr der MotoGP-Klasse nach Misano wurde vor drei Jahren übrigens einfach einmal die Fahrtrichtung geändert. Heute verlassen die Bikes die Box nach rechts, früher fuhren sie nach links.

"Die Strecke hier ist anders als die in Mugello", beschrieb Rossi weiter. "Dort ist der Italien GP und ich liebe die Strecke. Hier sind wir nahe an meinem Zuhause, aber ich mag den Kurs nicht sonderlich. Ich habe im Vorjahr zwar gewonnen, aber da ist Casey gestürzt und Jorge hatte die Michelins, die nicht so schnell waren." Überhaupt schätze der Yamaha-Pilot das Rennen von Misano 2007 als eines seiner schlechtesten Rennen ein. "Wir haben erstmals den neuen Motor mit pneumatischen Ventilen eingesetzt und nach drei Runden war er kaputt", erinnerte er sich. "Dadurch hieß es, Ciao WM. Im Vorjahr lief es besser."

Rossi hat sehr viel Respekt vor Teamkollege Lorenzo, Foto: Yamaha
Rossi hat sehr viel Respekt vor Teamkollege Lorenzo, Foto: Yamaha

Die Tücken dieser Strecke kennt Rossi natürlich sehr gut und er weiß, dass man wieder von der ersten Trainingsminute an harte Arbeit leisten muss, um für das Rennen bereit zu sein. "Es gibt hier viele harte Bremspunkte und deswegen braucht man eine gute Balance." Seinen Sturz von Indy verstehe er jetzt besser. Seinen Fehler gestand er abermals ein und analysierte, dass der bereits in der ersten Kurve seinen Lauf nahm. "Dadurch habe ich nachher neben der normalen Linie gebremst. Dort war es schmutzig und die Bodenwelle war noch höher." Der Ausgang dieses Manövers ist bekannt.

Teamkollege Jorge Lorenzo erntete erneut den Respekt des achtfachen Weltmeisters. "Es wird schon schwer, vor Jorge zu bleiben und es wäre ein gutes Ziel, vor Dani zu sein", hofft Rossi. "Die Honda mit Dani hat eine sehr gute Beschleunigung, das wird ihm hier helfen. Ein Podium und gute Punkte wären für mich hier gut."

Lorenzo klingt wieder selbstbewusster

Und dass gerade von Lorenzo wieder die größte Gefahr für Rossi ausgehen wird, steht zu erwarten. Dieser gibt sich besonders selbstsicher und ist natürlich froh in Indianapolis auf einen Streich wieder 25 Punkte auf Rossi gut gemacht zu haben. In Misano sei er immer gut gewesen. "Ich mag diese Strecke, ich war hier immer schnell. 2007 habe ich hier in der 250er-Klasse gewonnen", blickte Lorenzo zurück. "Auch im Vorjahr war ich auf Michelin schnell. Dieser Kurs hier ähnelt einer Strecke auf Mallorca, dadurch ist es ein wenig wie zuhause." Er wolle hier versuchen seine Pace, welche er zuletzt an den Tag legte, weiter aufrecht zu erhalten. "Indy hat keinen Unterschied gemacht, wir waren dieses Jahr immer schnell. Manchmal hatten wir Pech, aber wir waren überall schnell."

Doch Lorenzo weiß am eigenen Leib, dass diese Pace auch schnell einmal überschritten wird. Er stürzte in Jerez, Donington und Brünn im Rennen, Rossi tat dies in Le Mans und in Indianapolis, wo auch Dani Pedrosa crashte. "Vier Fahrer pushen sich voll, sie sind fast eine Sekunde schneller als voriges Jahr. Dadurch sind Stürze auch wahrscheinlicher", gab der Mallorkiner zu bedenken.