Was ist denn zurzeit nur los? Unfälle und Verletzungen häufen sich. Max Neukirchner, Regis Laconi, Sete Gibernau, Martin Bauer - um nur einige Namen zu nennen - sind verletzt, fallen teilweise sogar für länger aus. Allein im Rennen der 125er-Klasse in Le Mans gab es 32 Stürze, die zwar meist glimpflich ausgingen, aber dennoch. Sicher war dies auch den Witterungsbedingungen geschuldet. Viele Unfälle der letzten Tage passierten aber auch ohne Regen.
Den traurigen Anfang machte John Hopkins in Assen. Dann kam das Rennen der Superbike-Weltmeisterschaft in Monza. Zwei Piloten trugen dort Verletzungen davon - Makoto Tamada brach sich das linke Handgelenk, Max Neukirchner zog sich Oberschenkelhalsbruch, Wadenbein- und Fußbrüche zu. Dass es ein normaler Rennunfall war, steht außer Frage.

Wenige Tage später kam die Horrornachricht aus Kyalami von Regis Laconi. Der Franzose stürzte aus nach wie vor ungeklärter Ursache in der ersten Runde zum ersten freien Training, zog sich Brüche des dritten und fünften Halswirbels, eine Gehirnerschütterung und Lungenquetschungen zu. Einen Tag später flog Sete Gibernau in Le Mans per Highsider ab und brach sich erneut das Schlüsselbein, was sich gegen Laconis Verletzungen schon fast wie "kein großes Ding" anhört.
An demselben Wochenende fand in Oschersleben der zweite Lauf zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) statt. Dort gab es an allen drei Tagen zusammen über 100 Stürze - ohne dass es regnete. Prominentestes Beispiel: Der zweifache Meister der Klasse Superbike, Martin Bauer, brach sich das Kahnbein und zwei Finger. Unter anderem schrieben sich außerdem noch Julian Mazuecos und Altmeister Herbert Kaufmann in die Liste der Verletzten ein.

Doch woran liegt das alles? In der MotoGP hieß es, dass die schlimmen Verletzungen aufgrund des Wechsels zu den 800 Kubikzentimetern und den damit verbundenen höheren Kurvengeschwindigkeiten resultieren. Aber eine 1000er ist nach wie vor eine 1000er in den Superbike-Klassen. Und das Fahren hat sicher auch keiner verlernt. Eine gescheite Antwort auf diese Frage gibt es derzeit wohl nicht. Leider. Einfach als Pechsträhne abhaken? Wäre sicher auch der falsche Weg.
Aber was soll man groß tun, wenn die Kiesbetten und Sturzzonen doch größtenteils mehr als ausreichend sind. Oder wenn die Unfälle auf die komischste und unberechenbarste Weiße passieren. Man wird es wohl als Schicksal abtun müssen. Denn auf den Speed allein kann man schwere Unfälle nicht schieben. Schließlich passieren sie bei den 125ern genauso wie bei der MotoGP oder Superbike.

Die Maschinen langsamer machen? Finde ich persönlich nicht richtig. Schließlich geht es im Rennsport wie in der gesamten Anwesenheit der Spezies Mensch um den Grundsatz "Schneller, Höher, Weiter". Und die Entwicklung an einem Punkt einzufrieren, bedeutet Stagnation in den verschiedensten Bereichen. Schließlich profitiert der Endverbraucher nach wie vor von den Errungenschaften des Rennsports im Straßenverkehr.
Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass alle Verletzten aus den Unfällen der vergangenen Tage schnell wieder auf die Beine kommen und sich gut erholen. Und für die Zukunft werden wir immer damit leben müssen, dass Unfälle passieren und auch Knochen zu Bruch gehen. Wir müssen aber hoffen, dass diese "Pechsträhne", die dem Motorradsport weltweit gerade widerfährt, endlich aufhört und wir uns wieder darauf konzentrieren können, was wir sehen wollen: packenden, verletzungs- und sturzfreien Motorradsport.

diese MotoGP Redaktion